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Montag, 3. April 2017

LEXIT

In der Destinationsbildung des Kantons Bern ist man seit vergangenem Freitag zurück auf Feld 1. Lenk Tourismus hat anlässlich ihrer Vereinsversammlung den Antrag zum Beitritt zur Tourismusorganisation Adelboden-Lenk-Kandersteg (TALK) mit deutlichem Mehr abgelehnt. In Sachen „Talk“ – notabene ein über zweijähriger Prozess, der am Freitag sein jähes Ende fand – gab die Lenker Tourismus-Stimmbevölkerung am Freitagabend sozusagen den LEXIT (Lenk macht den Exit). Soviel zu den Fakten. Wobei dieses Nein vermutlich auf relativ vielen, heraufbeschwörten Ängsten und Halbwahrheiten beruht. So war am besagten Abend – ich war als Gast dabei – immer wieder von einer drohenden Wasserkopf-Organisation und selbstherrlichen Chefs die Rede. Argumente, wie sie oft am Stammtisch zu hören sind. Nicht nur an der Lenk.
Nun stehen die Türen weit offen für eine neue touristische Destination im westlichen Berner Oberland. Das Niedersimmental sowie das Obersimmental schliessen sich zur Destination „ObsiuNidsi“ – mit Hauptort Lenk – zusammen, was so viel heisst wie rauf und runter. Keine Angst, es handelt sich bei „ObsiuNidsi“ nur um einen verspäteten Aprilscherz. Aber auch diese neue –fiktive – Destination wird ebenso mit den unkontrollierten zyklischen Schwankungen der Märkte zu kämpfen haben, wie viele andere Bergdestinationen auch, welche es noch nicht fertig gebracht haben, über die Täler hinweg zu denken und dabei alte Muster zu durchbrechen.
Ich war zwar nur Gast an diesem Abend, aber nachdem ein paar Mal das Saanenland durch diverse Vorredner erwähnt wurde, entschloss ich mich für ein kurzes offizielles Statement im Namen von Gstaad Saanenland Tourismus (GST).
  1. „Der Tourismus in den Schweizer Bergen ist zurzeit viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als mit dem Markt und mit den Gästen.“
  2. „Jede Struktur mag für Aussenstehende als Wasserkopf erscheinen, vor allem dann umso mehr, wenn sie mehrheitlich mit öffentlichem Geld finanziert ist. Das liegt ein bisschen in der Natur der Sache. Doch neue, moderne Strukturen werden nicht um Köpfe herum gebaut, sondern haben primär der Sache zu dienen. Sie geben Freiräume und setzen damit auch Energie und Kreativität frei, um Mittel zu bündeln, welche effektiv und effizient im Markt und für den Gast eingesetzt werden können.“
  3. „Wagen wir noch einen Blick in die Zukunft. Weltweit touristisch betrachtet ist das westliche Berner Oberland ja sowieso schon wie ein Kopf einer Stecknadel anzuschauen. Deshalb würde es mich nicht erstaunen, wenn künftig nur noch drei sog. Destinationen im Kanton Bern unterwegs sind; Jungfrau, Gstaad und Bern. Kooperation ist somit heute und morgen das Wort der Stunde und je früher wir damit anfangen, desto besser. Gstaad hat sich im Übrigen immer offen gegenüber Gesprächen und Kooperationen mit den Nachbaren, sowohl West und Ost, gezeigt und wird dies auch in Zukunft so handhaben.“
Noch immer sind Neid und Missgunst sowie grosses Misstrauen in neue Strukturen dominant, wenn es um die Meinungsbildung im Tourismus geht. Auch ich musste am vergangenen Freitagabend ein paar Mal hören, wie man sich an der Lenk vor allem als Konkurrent zum Berner Oberland Ost und zum Saanenland sieht. Liebe Leser, unsere direkte Konkurrenz findet sich heute mittlerweile auf der ganzen Welt und besteht primär im multioptionalen und völlig transparenten Freizeitangebot. Ich zücke an einem beliebigen Mittwoch das Smartphone, konsultiere zuerst die Wetter-App, bevor ich dann – nachdem ich festgestellt habe, dass es am Wochenende in den Bergen wohl keine guten Sichtverhältnisse haben wird – zu meiner Reise- und Flug App wechsle und dort einen Wochenend-Trip mit allem Drum und Dran in einer europäischen Grossstadt buche.
 
Dies sind Realitäten, vor denen wir uns nicht verschliessen dürfen. Vor allem dürfen wir dringend nötige Restrukturierungsprozesse in den Schweizer Bergtälern nicht dazu missbrauchen, um irgendwelche Partikularinteressen durchzusetzen, oder auf Personen zu schiessen. Wir stehen dabei nicht nur uns selber im Weg, sondern bremsen gleichzeitig auch die Weiterentwicklung des Tourismus als Wertschöpfungs- und Wohlfahrtsfaktor Nummer 1 an diesen Orten.
Wir sind nun gespannt, wie der Destinationsbildungsprozess an der Lenk weitergeht.

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