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Freitag, 1. April 2016

Gstaad – gated community

Eine lockere und freundliche Gesprächsrunde

Ist Schnee von gestern? So lautete das Leitthema des 3. Bernerhof-Gesprächs, welches Ende März stattgefunden hat. Eingeladen waren die lebende PR-Legende Klaus J. Stöhlker, der Erlebnis-Inszenierer Otto Steiner und MrGstaad. Der Anlass wurde moderiert durch Sonja Hasler, kompetent und charmant wie eh und je.

Ich durfte mit meinem Referat den Abend eröffnen und erzählte von den Sorgen und Nöten der fiktiven Destination „Hingere Chrache“. Eine Destination, wie sie stellvertretend für viele Tourismusorte im alpinen Bogen sein könnte. Hingere Chrache steht vor grossen Herausforderungen anlässlich des fundamentalen Wandels, welcher einige Tourismusorte im alpinen Bogen durchschütteln wird. Glücklicherweise hat Hingere Chrache einen milliardenschweren Investor an der Angel. Dieser will in den Ort investieren und mit ihm zahlreiche seiner Freunde. Nun diskutieren die Tourismusverantwortlichen im Dorf strategische Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft.

Szenario 1 beschreibt das Modell einer sog. „gated Community“. Ein Resort für die Superreichen dieser Welt. Hingere Chrache wird für Normalsterbliche dicht gemacht. Es wird in Infrastrukturen investiert, welche das ganze Jahr hindurch eine angenehme Lebensqualität ermöglicht. Sei es für sog. „permanent residents“ oder eben auch nur für solche, welche in Hingere Chrache einen Zweitwohnsitz erwerben, soweit dies gesetzlich möglich ist.

Grundmodell der gated Community für Hingere Chrache (skizzenhaft)

Szenario 2 beschreibt den Wandel vom reinen Landschafts- und Infrastrukturvermarkter hin zu einem proaktiven Produktentwickler. Touristische Produkte und Angebote stehen im Zentrum dieses Ansatzes. Getreu einer fokussierten Destinationsstrategie soll die Destination das Ruder selbst in die Hand nehmen und zusammen mit den Leistungsträgern und weiteren Anspruchsgruppen das Rad der Produkte-Innovation drehen. Eine klare Segmentierung in Gäste- und/oder Märkte soll dabei helfen, das richtige Produkt oder Angebot zum richtigen Zeitpunkt an den Gast zu bringen. Die Zeiten des touristischen Gemischtwarenladens sind dann endgültig vorbei. Die extreme Polarisierung Winter/Sommer ebenfalls. Vielmehr soll ein Ganzjahres-Tourismus angestrebt werden.

Szenario 2 und 3 sind beinahe identisch. Mit der Ausnahme dass die dritte Strategie noch ein sog. Leuchtturm-Projekt verfolgt. Dieser neue, touristische Leuchtturm soll zur Drehscheibe der Destination werden. Leuchttürme können zum Beispiel eine neue und innovative Erlebnis-Bergbahn sein, ein Erlebnis-inszeniertes Bergdorf oder ein grosses Kulturzentrum, wie das bspw. die Gstaader mit ihrem Projekt „lesartsgstaad“ verfolgen. Ein solcher Leuchtturm soll dann einen möglichst hohen Gästestrom über einen längeren Zeitraum zum Ziel haben.

Das Bernerhof-Gespräch nahm dann seinen gewohnten Lauf, insbesondere wenn zwei wortgewaltige Alpha-Tierchen (Stöhlker/Steiner) aufeinander treffen. Vergessen wurde das generelle Themensetting, welches von einer Auseinandersetzung mit den Problemen alpiner Destinationen ausging. Vielmehr wurde die Destination Gstaad ins Zentrum der Ausführungen gerückt. Interessanterweise nahm dabei Klaus J. Stöhlker auf Szenario 1 von Hingere Chrache Bezug und erklärte im positiven Sinne, dass Gstaad momentan ja nichts anderes als eine „gated Community“ sei und damit für die Zukunft das Chancenplus auf seiner Seite hätte.

Weg von Hingere Chrache und zurück zum realen Gstaad. Bald gelangen die Initianten (Gemeinde Saanen, BDG AG und GST) der neuen Destinationsstrategie an die Öffentlichkeit. Zusammen mit verschiedenen Anspruchsgruppen wurde in den letzten Monaten intensiv daran gearbeitet. Ich darf an dieser Stelle schon ein bisschen davon verraten. Szenario 1 spielt auch in der realen Destinationsstrategie von Gstaad eine zentrale Rolle. Die Destination will definitiv zu einem „last paradise in a crazy world“ werden. Vor allem für diejenigen, die es sich leisten können. In den kommenden Jahren werden verschiedene Grossprojekte lanciert, um dieses Ziel mit aller Konsequenz zu erreichen.

Ein erstes, bekanntes, Projekt ist der Ausbau des Flugplatzes Saanen. Ebenfalls bekannt ist das Projekt „lesartsgstaad“. Neu hinzukommen folgende Projekte:

Medical

Die Zielsetzung hier besteht darin, dass sowohl die medizinische Grund- und Erstversorgung auf absolutem Spitzenniveau angeboten werden kann. Weiter sollen sog. „Medical Wellness Zentren“ entstehen, wo sich Superreiche von ihren medizinischen Behandlungen erholen können.

Mobility

Bei diesem Projekt geht es um die Erreichbarkeit von Gstaad. Strasse und Schiene sollen in einer ersten Phase modernisiert werden. In einer zweiten Phase sollen alternative Mobilitätsformen geprüft und umgesetzt werden. Die Vision einer Alpen-Metro soll wiederbelebt werden. Den Bergfrühling in Gstaad geniessen und eine halbe Stunde später in Zermatt zum Frühlingsskifahren gehen, soll keine Utopie mehr sein. Und dies notabene nicht mit dem Hubschrauber, da der Luftraum über Gstaad möglichst frei bleiben sollte. Phase 3 sieht dann eine Renaturalisierung des Flugplatzes Saanen vor, da mit der Alpen-Metro die Gäste innert 10 Minuten vom Flugplatz Sitten in Gstaad sein werden.

Lodging

Neue Beherbergungsformen bzw. Eigenheimsiedlungen sind hier Gegenstand des Projekts. Einerseits soll die Destination die Möglichkeit haben, dass durch den Erwerb von Erstwohnsitzen, neue Steuerzahler gewonnen werden können. Andererseits soll auch das neue Regime des Zweitwohnungsgesetzes dazu genutzt werden, neue Wohnungen zu bauen, welche dann im Sinne der „Sharing Economy“ bewohnt werden.

Depopulation

All die neuen Gäste und „permanent residents“ brauchen Platz. Dieser wird dadurch geschaffen, dass für die Einheimischen neue Wohnräume geschaffen werden. Diese finden sich dann vorzugsweise im benachbarten Obersimmental und im Pays d’Enhaut, beginnend ab Rossinière.

Security

Ein ausgeklügeltes und professionelles Sicherheitssystem (Drohnen, Sicherheitskräfte, mobile Einsatzeinheiten, etc.) soll dafür sorgen, dass sich unsere Gäste wirklich auf einem letzten Flecken heiler Erde befinden. Getreu nach dem Slogan „come up – slow down“.

Selbstverständlich ist dies nur ein kleiner Ausschnitt aus der neuen Destinationsstrategie. Gibt es doch noch mehr Teilprojekte. In wenigen Monaten ist es soweit und die neue Strategie wird der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Sie dürfen gespannt sein. Haben Sie deshalb also noch ein bisschen Geduld, liebe Leser.

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