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Freitag, 4. März 2016

100 Tage

Der Winter ist da

Freitag, 4. März 2016. In Gstaad ist es diese Saison erstmals so richtig Winter. Heisst nicht, dass man bis anhin diesen Winter hier nicht Skifahren konnte. Seit Dezember war dies jederzeit möglich, manchmal mit ein bisschen mehr, manchmal mit ein bisschen weniger Aufwand. Alles in allem ist der Winter 15/16 eine harzige Angelegenheit. Nicht nur in Gstaad, sondern im gesamten Alpenbogen. Einer, der in diesem Winter gleich zweimal – stille Sanierung sowie Wetterkapriolen – so richtig gefordert wurde, hat sich heute Morgen auf der Terrasse des Haus des Gastes meinen Fragen gestellt.

Matthias In-Albon, gebürtiger Walliser und vorher bei den Saastal Bergbahnen tätig, trat im Dezember die Stelle des Geschäftsführers der Bergbahnen Destination Gstaad AG an. Die Bergbahnen sind in der Destination seit jeher ein hochemotionales Reizthema. Das veränderte touristische Nachfrageverhalten, gepaart mit dem sog. Wettrüsten in den Alpen sowie die sehr heterogene Interessenlage innerhalb der Destination sorgen dafür, dass diese Funktion nicht unbedingt einem Schönwetterspaziergang gleichkommt.


Espresso und Interview

1.) Warum bist du in die Destination gekommen?

Die Herausforderung die Bergbahnen wieder in ruhigere Gewässer zu führen, Festgefahrenes zu ändern und die Möglichkeit Neues zu gestalten, haben mich dazu bewegt.

2.) Welche Rolle soll die BDG im touristischen Gesamtgefüge spielen?

Die Bergbahn ist meines Erachtens der Motor dieser Tourismusregion und muss diese Verantwortung wieder aktiv wahrnehmen können. Allgemein gehören die Bergbahnen zu den wichtigsten Leitbranchen im Schweizer Tourismus. Leider wird vielfach ihre gesamtwirtschaftliche Bedeutung stark unterschätzt.

3.) Was sind deine Ziele bei der BDG?

Ich will, dass sich die BDG zu einer modernen Tourismus- und Bergbahnunternehmung mit professionellem Führungsteam, proaktiver Dienstleistungskultur und ergebnisverantwortlichen Unternehmenseinheiten transformiert wird, dass sie ihre Markt- und Kundenorientierung in allen Unternehmensbereichen und -funktionen nachhaltig verbessert und dass die BDG bezüglich Effizienz, Flexibilität und Innovation zu einem Benchmark in der Branche mutiert. Die Bevölkerung soll wieder stolz auf ihre Bergbahn sein können.

4.) Die Firma ist personell sehr geschwächt. Viele Aufgaben ziehst du an dich. Was tust du, dass es nicht zum berüchtigten Flaschenhals sprich operativen Stau kommt?

Ich ziehe Aufgaben an mich, weil wir nicht von sollten, könnten, würden, sondern MACHEN reden müssen. Probleme sind an der Wurzel anzupacken und unser Motto ist «Let’s do it». In einem KMU muss jeder flexibel sein und anpacken, wo Not am Mann ist. Das lebe ich vor und erwarte es auch von allen Mitarbeitern. Den berüchtigten Flaschenhals möchte ich mit flacherer Organisation und effizienteren Strukturen entgegenwirken, wobei klar ist, dass in der Übergangsphase dahin gewisse Dinge auf der Strecke bleiben bzw. untergehen.

5.) Wie viele Stunden hat dein Arbeitstag?

Es gibt viel zu tun. Die Anzahl Arbeitsstunden sind dabei nicht relevant. Viel wichtiger ist der Output bzw. sind die Ergebnisse.

6.) Bist du ehrgeizig? Oder etwas provokativ gesagt: Was reizt dich daran, auf einem Wrack wie der BDG Kapitän zu spielen?

Ja, ich bin ehrgeizig und gebe Ziele nicht schnell auf. Die Bergbahnen Destination Gstaad muss betrieblich wieder schwarze Zahlen schreiben und wie bereits gesagt, in ruhigere Gewässer kommen. Mich persönlich reizt die „Kapitänrolle“ auf stürmischer See und das Schiff in den Hafen manövrieren zu können. Mir ist bewusst, dass dies eine Herausforderung ist, aber keine unmögliche Aufgabe.

7.) Was weisst du über die künftige Destinationsstrategie, die aktuell in Bearbeitung ist?

Die Bergbahnen Destination Gstaad sind wie die weiteren Leistungsträger in diesem Gestaltungsprozess aktiv involviert. Die Ausarbeitung der künftigen Destinationsstrategie befindet sich in der Schlussphase. Dementsprechend können nun die Strukturen für dessen Umsetzung definiert werden.

8.) Wird sich die BDG darin integrieren?

Als wichtiger Player der Destination und auch als Mitgestalter des Prozesses ist die Integration darin klar sichergestellt.

9.) Was ist der Unterschied zwischen Saas-Fee und Gstaad?

Ein grosser Unterschied ist sicher die Gästestruktur. Der Tagesgast in Saas-Fee macht aufgrund der topographischen Lage einen marginalen Teil aus. Hier hat das Skigebiet von den Bergbahnen Destination Gstaad viel bessere Karten. Auf der anderen Seite ist das Skifahren anders positioniert: Saas-Fee spricht mehr den sportlichen aktiven Gast bzw. den Rennsport an – Gstaad steht mehr für alpines Erlebnis, Genuss und Sicherheit. Weiter ist anzumerken, dass hier zum Skifahren aufgrund des vorhandenen lieblichen und sanften Geländes viel weniger Schnee nötig ist als im steinigen hochalpinen Gelände.

10.) Hältst du die Trennung Bergbahnen und Tourismusorganisation für sinnvoll und wenn nein, was wäre aus deiner Sicht eine Alternative, über die noch nicht diskutiert worden ist?

Es macht eindeutig Sinn, dass der Bereich der Marketingaktivitäten gebündelt wird, die Strukturen im Marketing zusammengelegt werden und dass wir gegen aussen gemeinsam als eine Marke auftreten. Schlanke Strukturen sind dabei stets anzustreben.

11.) Hättest du dir den Job hier so vorgestellt?

Ich wusste, auf was ich mich eingelassen habe und die angetroffene Situation war keine Überraschung. Dank der Branchen-, Change- und Restrukturierungserfahrung brauchte ich keine grosse Einarbeitungszeit und kann jetzt direkt handanlegen.

12.) Haben sich deine Führungsprinzipien im Lauf der Zeit verändert?

Ja, sicher. Meine Tätigkeit anfangs bei der Lonza und auch später bei der Saastal Bergbahnen war jeweils ein Sprung ins kalte Wasser. Dabei musste ich Dinge sehr schnell lernen. Und natürlich auch erfahren, dass gelernte Theorien vielfach wenig nützen. So wird mir heute immer stärker bewusst, wie wichtig es ist, dass alle Mitarbeitenden dieselben Ziele haben, am selben Strick ziehen. Danach ergibt sich vieles von selbst. Dazu haben wir den MIKE ins Leben gerufen. Das bedeutet: Wir arbeiten Miteinander und sind Innovativ. Der Kunde steht bei uns im Mittelpunkt, und wir wollen das Richtige Effizient tun! Der Kürzel MIKE ist dabei nicht nur der Name unseres witzigen Maskottchens‚ sondern steht auch für einen verbindlichen Anspruch an die BDG wie individuell an alle Mitarbeiter.

Lieber Matthias, ich danke Dir für das Gespräch und wünsche Dir in deiner Aufgabe viel Erfolg und Befriedigung. Let’s do it!

Und wieder zurück in seinem Büro

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