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Montag, 21. September 2015

Gemeindeversammlung vom 18.9.2015

Letzten Freitagabend fanden über 600 Saanerinnen und Saaner den Weg in die Tennishalle Gstaad. An diesem denkwürdigen Abend wurde über die Zukunft der Bergbahnen Destination Gstaad AG abgestimmt. Mit 389 Ja- zu 200 Neinstimmen wurden die vom Gemeinderat vorgeschlagenen Restrukturierungsleistungen angenommen.

Der Gemeinderat von Saanen, ein 9-köpfiges Gremium, hat für Geschäfte eine Finanzierungskompetenz von CHF 500‘000.--. Wird dieser Betrag überschritten, geht die Vorlage vors Volk. Jeder einzelne Gemeinderat kann also im Rahmen von rund CHF 55‘000.-- entscheiden. Am vergangenen Freitagabend durften die rund 600 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger alleine bei der Bergbahnvorlage über rund CHF 32,75 Mio. abstimmen. Dies macht einen pro Kopf Betrag von ebenfalls rund CH 55‘000.--. Jeder Anwesende durfte sich also für einmal wie ein Gemeinderat fühlen.

Auch ich war an diesem Abend mit von der Partie. Als Vertreter einer wichtigen Anspruchsgruppe der BDG AG habe ich es mir vorgenommen, ein paar Worte an die Gemeindeversammlung zu richten. Die gesamte Diskussion über die entsprechende Vorlage wurde übrigens – im Gegensatz zu früheren Abstimmungen – fair und sachlich geführt. Eine tolle Errungenschaft der letzten Jahre Bergbahn-Misere im Saanenland. Nachfolgend ein paar Statements meiner Ausführungen:

  • Eines gleich vorneweg: meine nachfolgenden Ausführungen hätte ich so auch schon vor zwei, drei oder gar vier Jahren halten können
  • Dies ist auch eine Erkenntnis
  • Seit rund 5 Jahren darf ich nun die Geschicke der Tourismusorganisation leiten
  • Während dieser Zeit hatte ich aus naheliegenden Gründen stets einen sehr direkten Einblicke in die Geschehnisse in und rund um die BDG AG
  • Und ich kann Ihnen sagen, dass die Situation für den GST oder für mich persönlich nicht immer einfach war, wie für viele hier im Saal ja auch nicht
  • Ich schaue nun aber bewusst nicht zurück, sondern in die Zukunft und versuche, die Bergbahnvorlage sachlich und emotionslos zu kommentieren
  • Denn eines habe ich in den letzten 5 Jahren gelernt. Der Verkauf von touristischen Dienstleistungen und Angeboten an den Gast geht primär über Emotionen und gute Qualität. Der Betrieb von touristischen Infrastrukturen bzw. –Unternehmen hingegen erfolgt stets über betriebswirtschaftliche Aspekte
  • Was die Destination dabei seit Jahrzehnten weiss, wir haben ein Überangebot an Anlagen und Bahnen
  • Deshalb können wir marktwirtschaftlich weder mit unseren Mitbewerbern mithalten, noch unserem Gast das bestmögliche Produkt bieten
  • Langfristig betrachtet droht hier sogar der Ausstieg aus dem Bergbahngeschäft
  • Eine Sanierungslösung zu haben ist deshalb besser, als keine Lösung zu haben
  • Erst dann kann die dringend nötige betriebliche Restrukturierung der BDG AG in Angriff genommen werden
  • Eine erfolgreiche und zeitnahe Restrukturierung ist für die einheimische Volkswirtschaft bzw. für das einheimische Gewerbe oder für die Hotellerie ein wichtiger Garant für deren betriebliche Existenz
  • Dies gilt auch für den GST und damit für die touristische Entwicklung im Saanenland
  • Wir können es uns nicht leisten, wieder wertvolle Zeit verstreichen zu lassen, bis eine konkrete Restrukturierung in Angriff genommen werden kann
  • Auch das Saanenland muss sich den Herausforderungen für alpine Gebiete stellen
  • Diese liegen nicht per se in der Konkurrenzsituation mit dem Nachbartal oder mit dem gesamten Alpenraum, sie liegen auch nicht primär in den klimatischen Veränderungen
  • Vielmehr muss man sich den Herausforderungen im sich ständig verändernden Nachfrageverhalten unserer Gäste stellen
  • Diesen kann man nur erfolgreich begegnen, wenn man über eine entpolitisierte, entschlackte und flexible Tourismusstruktur verfügt

Eigentlich spiegeln meine Ausführungen die Meinung einer Mehrheit wieder. Das Thema „Bergbahnen“ wurde im Saanenland in den letzten 20 Jahren ja immer wieder kontrovers und lösungssuchend diskutiert. In der Diskussion am Freitag ging es denn auch nicht primär um die rund CHF 32 Mio., sondern vielmehr um die Zukunft des Einzelberges „Rellerli“ ob Schönried. Die Berg- und Talstation sollen an einen Investor verkauft werden und die Anlagen nach 2018 abgebaut werden. Dies war für viele Anwesende wie ein Schlag ins Gesicht. Ist doch in ihren Augen das Rellerli ein wunderschöner Berg, sowohl Winter wie Sommer. Das Rellerli darf nicht zugehen hiess es, man verbaue damit die Zukunft der jungen Generation. Auch war von einem „Ausverkauf der Heimat“ die Rede.

Es stimmt, das Rellerli ist ein fantastischer Berg. Es ist aber nicht der Berg, welcher abgebaut wird, sondern lediglich die altersschwachen Anlagen. Er kann ab 2019 also weiterhin zu Fuss, per Bike, per Tourenski oder per irgendwas begangen werden. Obwohl ein Investor die Bergstation (inkl. Restaurant) sowie Talstation erwirbt, wird ein Teil dieser Infrastruktur weiterhin der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Mit der geplanten „Mountain Lodge“ erhält der Berg zudem ein touristisches Produkt, welches einem gesellschaftlichen Megatrend entspricht und unseren Claim „Come up, slow down“ mit konkretem Inhalt füllt. Ruhe und Rückzug ohne Rummel in einer Zeit, wo normalerweise immer mehr in immer weniger Zeit von statten gehen sollte.

Weiter akzeptiere ich den Vorwurf „Ausverkauf der Heimat“ in diesem Falle in keiner Weise. Beim betreffenden Investor handelt es sich nämlich um einen Saaner Bürger, welcher mit seiner Familie schon etliche Jahre im Saanenland lebt. Menschen wie er, werden immer wieder mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert, obwohl sie ja eigentlich der Region was Gutes tun wollen und keine bösen Absichten fürs Saanenland hegen.

Gerade die über 100jährige Tourismusgeschichte im Saanenland hat immer wieder erfolgreich gezeigt, dass die Wohlfahrt der Region durch Pioniere eingeleitet wurde und durch einheimisches Schaffen gepaart mit Mäzenatentum nachhaltig gesichert wurde. Glauben wir deshalb auch im Falle vom Rellerli daran und freuen uns darüber, diesen Berg künftig über andere Wege zu erschliessen. Die signalisierte Bikeroute bleibt dabei auch nach 2018 bestehen und eignet sich dafür besonders gut.

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