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Montag, 1. Dezember 2014

htr part two: Der VSTM Präsident im Interview

Mir wurde letzte Woche die Ehre zuteil, im „unabhängigen“ Branchenorgan von hotelleriesuisse, der htr, in meiner Funktion als VSTM Präsident ein Interview zu geben. Gerne veröffentliche ich dieses Interview nachfolgend auch auf dem MrGstaad-Blog. Das Interview führte Daniel Stampfli, ein versierter Journalist und Ressortleiter „aktuell“ der htr.

Martin Bachofner, die Gstaader Bergbahnen sorgen seit längerem für negative Schlagzeilen. Werden Sie überleben?

Die Bergbahnen als solche haben in Gstaad gewiss eine gute Zukunft. Die Schwierigkeiten, in denen sich das Unternehmen Bergbahnen Destination Gstaad AG derzeit befindet, sind schon seit Jahren ein Thema. Ich sehe für die AG durchaus Überlebenschancen, sofern die Stimmbürger von Saanen die dafür notwenigen Mittel am 12. Dezember sprechen werden. Mittel- und langfristig kann die Gesellschaft jedoch nur überleben, wenn sie restrukturiert wird. Gleichzeitig muss das vorhandene Überangebot abgebaut werden. Und das Unternehmen muss die Wandlung von einer klassischen Bergbahngesellschaft von anno dazumal zu einer modernen Unternehmung vollziehen.

Das Bahnangebot ist zu gross und zu unrentabel. Auf welche Bahnen müsste verzichtet werden?

Dies ist die Gretchenfrage. Sie spaltet hier die Gemüter. Es ist zwingend notwendig, dass die vor kurzem gescheiterte Angebotskonzeption nochmals mit allen wichtigen Anspruchsgruppen überdacht wird. Man darf auf keinen Fall an einer Destinationsstrategie vorbei «bergbähneln». Man muss vielmehr die Bergbahnstrategie der zuerst zu definierenden Destinationsstrategie unterordnen. Diese Hausaufgaben wurden bisher vernachlässigt. Jetzt sind wir von Gstaad Saanenland Tourismus zusammen mit den wichtigen Stakeholdern, welche die Destinationsstrategie stützen, daran, diese Aufgaben zu erledigen.

Ein weiteres aktuelles Thema ist die Pauschalbesteuerung: Mit welchen Folgen für den Tourismus rechnen Sie bei einem Ja am 30. November?
Sehr wahrscheinlich mit weniger Geld von der öffentlichen Hand. Denn es könnte sein, dass vereinzelte Pauschalbesteuerte Gstaad den Rücken kehren werden. Aber auch bei Annahme der Initiative müsste das touristische Leben im Saanenland weitergehen. Der Tourismus hat nach wie vor eine grosse Chance, insbesondere wenn er sich neu orientiert. Man muss sich wieder vermehrt auf Tugenden und Stärken wie zu Beginn des Tourismus besinnen.

Die Bleibenden würden aber mehr bezahlen, es könnte also ein Nullsummenspiel sein.
Das kann sein. Im Moment kann über die Folgen nur gemutmasst werden. Für den Tourismus male ich auf jeden Fall nicht schwarz.

Die Wintersaison steht vor der Tür. Welche Prognose wagen Sie?
Die guten Zahlen des vergangenen Sommergeschäfts lassen mich hoffen, dass dieser Trend weiter geht. Das Wintergeschäft ist jedoch immer einer gewissen Volatilität ausgesetzt, infolge kurzfristiger Buchungen abhängig von Wetter und Schneeverhältnissen. Der Buchungsstand für die traditionell guten Perioden wie Weihnachten/Neujahr und Februar ist gut. Die Entwicklung für den Monat März ist im Moment noch ungewiss.

Seit mehreren Jahren spricht man in Gstaad vom Projekt Les Arts. Hat es eine Chance, realisiert zu werden?

Les Arts findet in Tourismuskreisen nach wie vor eine sehr breite Zustimmung. Für die Stiftung Les Arts geht es aber im kommenden Winterhalbjahr um die Wurst. Sie hat sich eine Deadline bis zum Frühjahr 2015 gesetzt. Wenn die Stiftung die notwendigen finanziellen Mittel bis Ende der Wintersaison 2014/15 nicht beisammen hat, wird sie das Projekt vorläufig schubladisieren.

Würde der Tourismus vom Les Arts profitieren?

Auf jeden Fall. Mit einem derart monumentalen Bauwerk würde die Destination eine architektonische Attraktion erhalten, wie es einst das Hotel Gstaad Palace oder die von Mario Botta gestaltete Bergstation des Glacier 3000 waren. Wir hätten wieder etwas, das den Rahmen des Normalen sprengen würde. Die hohe Qualität eines Konzertsaales wie jenes des Les Arts ist auch für das langfristige Überleben des Menuhin-Festivals, einer unserer wichtigsten Events, bedeutend. Wenn es gelingen würde, das Les Arts auch mit anderen Events entsprechend auszulasten, würde dies uns bei der Entwicklung der Ganzjahresstrategie helfen.

Gstaad Saanenland Tourismus wagt mit der Organisation einer Blogger-Medienreise den Schritt in die Blogger-Welt. Was versprechen Sie sich davon?

Die Welt der Medien und die Art der Informationsbeschaffung durch die Konsumenten sind stark im Wandel und konzentriert sich zunehmend auf den online-Bereich. Die Blogger-Szene gewinnt allmählich an Kontur und beginnt, sich zu organisieren. Sie wird somit für Kooperationen durchaus interessant. Vom zusätzlichen Verbreitungseffekt durch die Präsenz der Blogger auf diversen anderen social media-Kanälen erhoffen wir uns eine nachhaltig breitenwirksame Markenpräsenz, die sich positiv auf unser Image auswirkt. Nach der erfolgreichen Aktion mit der Social-Media-Plattform Instagram ist dies ein weiterer Schritt unserer Strategie in Zusammenarbeit mit neuen, an Einfluss gewinnenden Multiplikatoren. 

MrGstaad steht Daniel Stampfli Rede und Antwort
Sie sind seit Mai 2014 Präsident des Verbandes der Schweizer Tourismusmanager VSTM. Ihr Vorgänger war Stefan Otz von Interlaken Tourismus. Sind Berner Oberländer für dieses Amt besonders prädestiniert?
 Wir haben wohl noch die härteren Köpfe als die Steinböcke aus Graubünden. Spass beiseite. Stefan Otz hat wohl unabhängig von der Kantonszugehörigkeit nach einem Nachfolger gesucht, der in seine Fussstapfen treten kann. So betrachtet ist es eher Zufall, dass zwei Berner Oberländer nacheinander das Amt des VSTM-Präsidenten bekleiden.

Haben Sie als Präsident bereits neue Pflöcke eingeschlagen?
Nein. Man darf nicht alles radikal umstossen, insbesondere wenn der VSTM unter meinem Vorgänger derart gut geführt wurde. Klar habe ich gewisse Ziele für die nächsten Jahre. Ein Kernelement unserer Tätigkeit ist die Weiterbildung unserer Mitglieder und der Mitarbeitenden der Branche. Dazu haben wir mit unserem VSTM-Seminar ein gutes Instrument. Doch kann dieses nach über zehn Jahren sicher noch optimiert werden.

Was schwebt Ihnen konkret vor?

Wir verfügen über einen grossen Fundus an Best-Practice-Fällen. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass eines unserer Mitglieder mit einem Projekt scheitert. Die Erörterung solcher Fälle im Sinne von „Mitglieder für Mitglieder“ möchten wir in Zukunft noch mehr ins Seminar einbinden, dafür etwas mehr auf Referenten aus dem Ausland verzichten. Wir möchten vermehrt fallorientiert Lösungen für alle generieren. Es ist mir auch ein grosses Anliegen, dass der VSTM über das Gremium hinaus eine grössere Wahrnehmung erhält, auch auf Ebene der Tourismuspolitik. Am letzten Ferientag von Schweiz Tourismus, hatten wir die Möglichkeit ein VSTM-Podium durchzuführen. Genau in diese Richtung müssen wir arbeiten, damit wir stärker wahrgenommen werden. Dass dem gegenüber an unseren Seminaren jeweils keine Vertreter von Schweiz Tourismus anwesend sind, finde ich schade und ich habe Mühe, dies zu akzeptieren.

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