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Freitag, 12. Dezember 2014

Bergbahnenpolitik

Heute stimmt die Gemeinde Saanen über die Übergangslösung für die Bergbahnen Destination Gstaad AG ab. Andreas Hurni (Präsident) David Matti (Vizepräsident) und Martin Bachofner (Direktor) von Gstaad Saanenland Tourismus (GST) äussern sich im Interview zur Bergbahnenpolitik. Dieses Interview ist heute auch im Anzeiger von Saanen zu lesen.  
Die Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG AG) steckt seit längerem in finanziellen und strukturellen Schwierigkeiten und soll deswegen saniert und umstrukturiert werden. Welche Rolle spielte bis heute der GST in diesem Prozess?   
Andreas Hurni (AH) Wir wollen nicht die ganze Geschichte aufrollen. Wichtig erscheint uns die Betrachtung der vergangenen 14 Monate. Während der Konzepterarbeitung durch die Firma Trimea unter der Leitung von Hansueli Schläppi war GST eine der beteiligten Anspruchsgruppen. Danach begann die Gemeinde Saanen, ihre Eignerstrategie zu entwickeln. Sie hat GST hier nicht einbezogen. Punktuell haben wir versucht, Einfluss zu nehmen.  
Ist es beim Versuch geblieben oder wurde GST gehört?

AH: Die Gemeinde hat die Erarbeitung ihrer Eignerstrategie fadengerade durchgezogen.

Der Verwaltungsrat der BDG AG wurde unlängst neu gewählt. Finden Sie, dass die passenden Leute der richtigen Anspruchsgruppen darin vertreten sind?

David Matti (DM): Man kann nicht immer nur kritisieren. Man muss in erster Linie jedem danken, der sich für dieses schwierige Amt zur Verfügung stellt. Den neu gewählten ist eine Chance zu geben, sich zu bewähren. Es braucht lokale Bindung und Know-how. Wichtig ist, dass diese Mischung wirkungsvoll zum Einsatz kommt.

Bei der Wahl des neuen Verwaltungsrats der BDG AG war die Wahl von Dr. Roland Zegg umstritten. Wie stehen Sie zu seiner Person?

DM: Dr. Roland Zegg ist eine polarisierende Persönlichkeit. Diese Bewertung kann man durchaus auch konstruktiv verstehen. Seine Fachkenntnisse und Erfahrung im Bergbahnenwesen sind unbestritten. Der GST-Vorstand hat vor der Wahl von Herr Dr. Roland Zegg in den Verwaltungsrat die Vorbehalte hinsichtlich des Doppelmandats als Berater und VR-Mitglied bei der Gemeinde vorgebracht.

Dr. Roland Zegg ist bei anderen Bergbahnen wie Zermatt Bergbahnen ebenso involviert wie in Gstaad. Wieso sollte es hier nicht klappen? Was ist im Saanenland anders?

AH: Wir sind aus prinzipiellen Gründen gegen Doppelmandate. Ein Mandatsträger arbeitet so auf zwei hierarchischen Ebenen. Einerseits entwickelt er Lösungen, die dann andererseits im VR, wo er mitentscheidet, abgesegnet werden. 
Die Bergbahnlandschaft in unserer Region ist komplexer: mehr Gemeinden, mehr Landeigentümer, mehr Bahnen, mehr Partikularinteressen, aber wesentlich weniger Ersteintritte.

GST hatte die Möglichkeit ein VR-Mitglied zu stellen und aktiv auf die Gesundschrumpfung des Angebotes, die künftige Angebotsgestaltung und auf die Strukturen BDG AG Einfluss zu nehmen. Wieso hat GST abgelehnt?

AH: GST ist eine Tourismusorganisation und kein Sanierer. Zuerst muss die finanzielle Schieflage behoben und ein solides Fundament geschaffen werden. Sobald dies erledigt ist, können wir uns vorstellen, dass wir von touristischer Seite sowohl strategisch wie operativ eine aktive Rolle übernehmen.

Wäre es nicht eminent wichtig, gerade in Krisensituationen mitzuprägen und mitzugestalten, damit der GST als eigentliche Marketing Firma in Zukunft ein Top-Angebot verkaufen kann?

DM: GST hat ein grosses Interesse an einem touristisch attraktiven und funktionierenden Angebot. Die touristischen Produkte werden in unserer Destination von einer Vielzahl von Organisationen und Unternehmen angeboten, mit denen GST fortlaufend in Kontakt steht. Zentral ist dabei das Hinarbeiten auf eine optimale Angebotspalette. Die Mitwirkung bei der Angebotsgestaltung ist nicht zwingend verknüpft mit dem Einsitz im strategischen Organ eines Unternehmens.

Wieso hat sich GST betreffend Bergbahnenpolitik bisher so verhalten geäussert?

AH: Es ist richtig, dass GST sich hier etwas zurückhaltend gezeigt hat. Die Bergbahnenpolitik der jüngsten Vergangenheit ist unter anderem eine laufende Angelegenheit der Gemeinde Saanen, in die uns der nötige Einblick gefehlt hat, sich qualifiziert zu äussern. Zudem sieht es das Vorstandsgremium nicht als Aufgabe des GST an zu politisieren. GST soll konstruktiv, formend und gestaltend zur Weiterentwicklung der Destination beitragen. 

DM, AH und MB im Gespräch
Unlängst äusserte sich Martin Bachofner, GST-Direktor, in einem Interview in der Hotelrevue, dass erst die Destinationsstrategie definiert werden müsse, bevor die BDG AG eine Strategie entwerfen kann. Ist es dafür nicht zu spät? Bei der BDG AG herrscht dringender Handlungsbedarf.

AH: Es ist nie zu spät für eine Strategieanpassung. Wichtig ist, dass die Bedürfnisse von GST und der übrigen Anspruchsgruppen dabei berücksichtigt werden.

Martin Bachofner (MB): Seit 2010 hat GST ein gültiges strategisches Leitbild, dem auch die BDG als Mitglied von Gstaad Saanenland Tourismus zugestimmt hat. Jetzt ist es an der Zeit, dieses Leitbild zu verdichten und weiterzuentwickeln. 
Wer soll diese Destinationsstrategie definieren? Der Verein Gstaad 2020plus?

MB: Diese Aufgabe sollte eine Kerngruppe bestehend aus Vertretern der wichtigsten Anspruchsgruppen übernehmen. Der Verein Gstaad 2020plus dient dann als wichtige Plattform, diese Strategie auf breiter Basis abzustützen.

Welche Rolle wird GST einnehmen, um die Destinationsstrategie zu entwickeln?

AH: Eine führende.

Was sagen Sie zur Eignerstrategie der Gemeinde Saanen, welche nun vom neuen VR mehrheitsfähig ausgestaltet und umgesetzt werden soll? Welche Punkte überzeugen Sie und wieso überzeugen sie?

AH: Die an der Gemeindeversammlung von Ende Oktober präsentierte Eignerstrategie wurde zurückgewiesen. Was nun kommt, wissen wir ja noch nicht. Es gibt schon einige Grundaussagen, die wir abgeben können: Eine Reduktion des Angebots befürworten wir nach dem Motto «weniger ist mehr». Das Bekenntnis zur Erhaltung der Angebotsqualität und die Investitionen ins Sommergeschäft (Gstaad Bike World) finden wir gut.

Welche Punkte müssen aus GST-Sicht wie angepasst werden?

DM: Die Ansätze der Eignerstrategie – deren Details wir auch erst an der Orientierungsveranstaltung der Gemeinde am 22. September 2014 erfahren hatten – halten wir für vernünftig. Die grundsätzliche Stossrichtung stimmt. Die Zurückweisung bedingt nun einer Überarbeitung und kritischen Durchleuchtung unter Beachtung der gegebenen Rahmenbedingungen. GST steht zur Verfügung, um in den Überarbeitungsprozess einbezogen zu werden.

Soll die Bevölkerung aus touristischer Sicht dem Kredit von 12,9 Mio. Franken am 12. Dezember zustimmen? Wieso?

DM: Ja, aus touristischer Sicht wäre das wünschenswert. Der Kredit kommt nämlich – direkt oder indirekt – einem touristischen Projekt bzw. der touristischen Infrastruktur zugute und diese bilden zentrale Grundlagen für das wichtige Standbein «Tourismus» unserer Destination. Die Einwohnergemeinde Saanen hat diese Übergangslösung bereits an der mit allen relevanten Anspruchsgruppen geführten Aussprache Anfangs November 2014 präsentiert. GST hat damals – wie sämtliche vertretenen Befürworter und Kritiker der Bergbahnen auch – zugestimmt, den Kreditantrag zu unterstützen. Die Ausgangslage ist seither grundsätzlich unverändert, wir stehen zu unserem Wort.

Wagen Sie eine Prognose, ob sich die Gemeindeversammlung für den Kredit ausspricht?

MB: Prognosen wagen wir keine, aber es muss jetzt endlich Bewegung in diese festgefahrene Sache kommen.

Und in einem Jahr? Wird die Gemeinde einen weiteren Übergangskredit sprechen müssen oder werden die Restrukturierungsarbeiten Erfolg zeigen? Unter welchen Voraussetzungen?


DM: Die Zukunft hängt von vielen Faktoren ab. Es ist nicht an uns, Spekulationen abzugeben.

MB: Bei der Gestaltung der Zukunft ist die konstruktive Mitarbeit aller Anspruchsgruppen erforderlich. Die Zeit zur Durchsetzung von Partikularinteressen ist nun definitiv vorbei. Wir alle stehen jetzt in der Verantwortung, am selben Strick in die gleiche Richtung zu ziehen.

Wie nimmt GST auf die aktuelle Situation der BDG AG Einfluss? Haben weitere Gesprächsrunden seit der BDG AG Generalversammlung stattgefunden?

AH: Wir gehen davon aus, dass der neue Verwaltungsrat nach einer ersten Findungsphase zu gegebener Zeit auf uns zukommen wird.

Wie soll aus Sicht GST die BDG AG in fünf Jahren aussehen?

AH: GST hat bereits Überlegungen zur Diskussion gestellt, die weit über die von den Beratungsfirmen und anderen Entscheidungsträgern hinausgehen.

MB: Demnach könnte die BDG AG – wie GST übrigens auch – Bestandteil eines neuen, touristischen Kompetenzzentrums werden, welches die Produkte und Angebote der Destination entwickelt, bündelt und professionell an den Markt bringt. Innerhalb dessen könnten sich die Bergbahnen voll und ganz auf ihren zentralen Leistungsauftrag als Betreibergesellschaft konzentrieren.

Welche Rolle wird oder möchte GST darin spielen?

AH: Keine mehr. Auch GST soll dann in dem neuen Kompetenzzentrum aufgehen.

Wie könnte ein solches Kompetenzzentrum kurz zusammengefasst aussehen?

DM: Denkbar ist eine Holdingstruktur, bestehend aus Aktiengesellschaften, die sich jeweils ihren spezifischen Aufgaben widmen.

Gibt es vergleichbare Modelle? Wenn ja, welche?

MB: Das ist ein neuer Ansatz. Wir werden eine eigene Lösung erarbeiten.

Seit Jahren ist die Marketingzusammenarbeit oder sogar Marketingzusammenlegung von BDG AG und GST geplant. Wann wird dies umgesetzt?

MB: Die Zusammenlegung existierte bereits schon und zwar von Beginn der BDG AG an. Sie wurde jedoch wieder aufgelöst und teilweise auf Mandatsbasis weitergeführt. Ziel ist es nun, das Destinationsmarketing nach einem ganz neuen, ganzheitlichen Modell aufzubauen. Wir sprechen dann nicht mehr vom Marketing GST oder Marketing BDG.

Woran haperte es bisher?

MB: Aufgrund des intensiven Sanierungsprozesses der vergangenen Monate hat die BDG ihre Prioritäten einfach anders gesetzt.

Das Interview wurde am 11.12.2014 mit Blanca Burri vom Anzeiger von Saanen geführt.

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