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Montag, 24. November 2014

Arena@Gstaad

In meinem Blog vom September 2014 habe ich über den erfolgreichen Abschluss der Zusammenarbeit vom Verein „Gstaad 2020plus“ mit „Enjoy Switzerland“ berichtet. Das Ende dieser Zusammenarbeit ist aber nicht gleichbedeutend mit dem Ende von „Gstaad 2020plus“. Der Verein konzentriert sich ab sofort wieder auf seine ursprüngliche Kernaufgabe als gemeinsame Plattform für den Meinungsbildungsprozess und Informationsaustausch der verschiedenen Interessengruppen der Region. 
Letzten Donnerstag fand nun das erste Denkfass nach der leichten Kurskorrektur statt. Zwei sogenannte „Radarthemen“ wurden von gut 45 anwesenden Meinungsbildnern und Multiplikatoren kritisch reflektiert. Moderiert wurde der ganze Morgen von Urs Wiedmer, bekannt als ehemaliger Arena-Moderator und jetziger Bundeshauskorrespondent fürs Schweizer Fernsehen. 
Das Denkfass im geschichtsträchtigen Saal des Landhauses in Saanen
In Interview-Form nahm Walter Egger, Präsident der Flugplatzgenossenschaft Saanen, nochmals Stellung zum geplanten Ausbau des Flugplatzes. Er tat dies bereits anlässlich des letzten Denkfasses vom September 2014. Damals blieb aber aufgrund des engen Zeitplanes kein Raum für eine meinungsbildende Diskussion. Da die Flugplatzgenossenschaft ihre Generalversammlung erst diesen Dezember hat, kann ich über den Inhalt der Diskussion keine weiteren Details verraten. Ich habe dies Walter Egger so versprochen. Er möchte die Genossenschafter aus erster Hand selber informieren. Es darf aber gesagt werden, dass die versammelten Anspruchsgruppen dem Projekt wohlwollend gegenüber stehen und die Notwendigkeit des Ausbaues auch richtig einordnen können. 
Im zweiten Teil des Vormittags sorgte eine lebhafte „Arena-Diskussion“ zum Thema „Les Arts Gstaad“ (LAG) für einen Meinungs-Update innerhalb der Denkfass-Gruppe. Auf dem Podium waren folgende Personen vertreten: 
  • Markus Kappeler, Stiftungsratspräsident LAG 
  • Andreas Hurni, Präsident Gstaad Saanenland Tourismus 
  • Emanuel Raaflaub, Gemeinderat Gemeinde Saanen 
  • Christoph Müller, Intendant Menuhin Festival Gstaad 
  • Thomas Frei, Hotelier, Hotel Bernerhof, Gstaad
Bereits im Mai 2012 hat sich der Verein Gstaad 2020plus in einem sog. Positionspapier hinter das Projekt LAG gestellt. Damals wurden die folgenden Eckpunkte festgehalten:
  • Das Denkfass 2020+ gibt ein klares „Commitment“ zu LAG ab und betrachtet dieses Projekt für die nachhaltige Entwicklung der Destination Gstaad als sehr geeignet und wichtig. Dementsprechend bleibt das Projekt LAG als Teilinitiative des Denkfass 2020+ in der allerobersten Priorität, wirkungsübergreifend auf andere Teilinitiativen, Strategien und Massnahmen des Denkfass
  • LAG ist ein „Leuchtturmprojekt“ mit hohem volkswirtschaftlichem Nutzen, welches bestens zu den ausformulierten Zielsetzungen von 2020+ passt
  • Die im Denkfass einsitzenden Interessevertreter und „Opinion Leaders“ sorgen im Hinblick auf den einsetzenden politischen Meinungsbildungs- und Entscheidungs-Prozess für eine sachliche Information gegenüber den von ihnen vertretenen Interessegruppen sowie um eine konstruktive Grundstimmung in der öffentlichen Diskussion
  • Das Denkfass 2020+ bemüht sich, mögliche Interessekonflikte rasch zu erkennen und im Sinne einer übergeordneten Koordinationsstelle rasch und im Interesse einer Gesamtlösung sämtlicher infrastruktur-spezifischen Ansprüche und Erwartungen zu klären 
Urs Wiedmer und die Podiumsteilnehmer
An diesen Eckpunkten hat sich auch nach der Diskussion vom 20.11.2014 nichts geändert. Für den Stiftungsrat von LAG geht es jetzt in die entscheidende Phase. Nächstes Jahr wird entschieden, ob das Projekt realisiert werden kann, oder ob es in einer Schublade verschwindet. Dabei entscheidend wird die Finanzierung sein, welche zu einem sehr grossen Teil von privater Hand sichergestellt werden soll. Einzig die Erschliessung via einem neuen Busbahnhof liegt in der Verantwortung der öffentlichen Hand. Weiterführende Infos zum Projekt finden Sie hier. Nachfolgend ein paar Kernzitate aus der Diskussion. Auch hier habe ich dem Stiftungsratspräsidenten versprochen, dass die Veranstaltung seinen geschlossenen Charakter behält. LAG wird die Öffentlichkeit laufend informieren, möchte den Prozess aber selber steuern.
  • Die Ästhetik des Baues ist wichtig, auch wenn die Meinungen dazu sehr subjektiv sind 
  • Der Architekt Ricciotti ist stark auf die Region eingegangen, hat aber nicht den Chalet-Stil interpretiert, sondern die Gegebenheiten der Natur
  • Die Einsprachen haben dazu geführt, dass sich das Projekt im positiven Sinne weiterentwickelt hat
  • Nach der Finanzkrise sind zahlreiche Finanzierungszusagen zurückgenommen worden
  • LAG kann die „Abwärtsspirale“ der Destination Gstaad stoppen
  • Der Break-Even soll nach 5 Jahren nach dem Bau angepeilt werden
  • Das Management vom Zentrum Les Arts ist auch ein Risikofaktor. Es braucht ein professionelles Management, um das Zentrum erfolgreich über alle Monate im Jahr auszulasten
  • Die Lebensdauer des Festival-Zelts ist beschränkt, max. bis 2025
  • Nicht das Festivalzelt, sondern die Kirchenkonzerte waren bis jetzt in Bezug auf die Erlebnisqualität relevant für die Reputation des Menuhin Festivals
  • Grosse Räumlichkeiten von hoher akustischer Qualität sind für das Menuhin Festival Gstaad absolut zentral
  • Kirchenkonzerte werden aber immer das „Filetstück“ des Menuhin Festivals bleiben
  • LAG hat die weltweit beste Akustikfirma engagiert
  • Ich hätte vor 100 Jahren nicht das Bauprojekt des Palace oder von anderen grossen Hotels beurteilen wollen
  • Gigantismus entspricht nicht dem Zeitgeist und gerade jetzt kommt das LAG
  • Wenn ich von einem Berg ins Saanenland runterschaue, sehe ich viele Grossbauten. Es handelt sich dabei mehrheitlich um Kuhställe
  • 100 Jahre nach dem Palace schadet ein neues, monumentales Bauwerk nicht
  • Hilft „mehr Bauen“ wirklich gegen die Tourismuskrise
  • Erfolge brauchen Risiken, siehe Bau des Eiffelturms oder der Jungfraubahn
  • Wenn gewisse Bedingungen (Baubewilligung, Finanzierung, Zusammensetzung Stiftungsrat) eingehalten werden, ist der Gemeinderat von Saanen bereit, das Projekt vors Volk zu bringen
  • Der Gemeinderat von Saanen ist klar hinter dem Projekt, so wie es jetzt dasteht.
  • Die Bevölkerung von Saanen müsste mehr miteinbezogen werden.
  • Das Projekt muss mit Inhalten gefüllt werden, damit es für die Bevölkerung greifbarer wird
Mit grosser Spannung darf gewartet werden, was sich in den nächsten Monaten alles tun wird. Ich hoffe, dass LAG einige nützliche Erkenntnisse aus der Diskussion weiterverarbeiten wird. Besonders wichtig scheint mir, dass nebst den Mäzenen auch die Bevölkerung gewonnen werden muss. Ihr muss in den nächsten Monaten aufgezeigt werden, wie es nach dem Bau konkret weitergehen könnte. Die Bevölkerung braucht greifbare Inhalte, nachvollziehbare Visionen. Zu sehr war bisher von dem grossen Bauvolumen und den damit verbundenen Beeinträchtigungen während des Baues die Rede. Die zahlreichen touristischen Produkt-Chancen sind dabei ins Hintertreffen geraten. Doch gerade sie sind es, welche der Region nachhaltig Wertschöpfung bringen können.

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