Willkommen zu den Tagebuch-Einblicken in eine der renommiertesten und genussreichsten Ferienregionen der Schweiz.
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Montag, 26. November 2012

Der wahre MrGstaad

So kurz vor dem Start zur Wintersaison ist es bei Gstaad Saanenland Tourismus Usus, dass die Archiv- und Kellerräume einer gründlichen Inventur unterzogen werden. Dabei habe ich ein interessantes Büchlein entdeckt. Es trägt den Titel „Tourismusverse rund um das Feriengeschäft“ und ist 1999 bei Müller Marketing & Druck AG in Gstaad, http://www.mdruck.ch, erschienen. Es enthält zahlreiche Verse und Zeichnungen, welche aus der Feder des legendären Gstaader Kurdirektors Paul Valentin stammen. Paul Valentin war einer der Grossen in der Tourismusentwicklung der Destination Gstaad. Er prägte als Kurdirektor des damaligen Verkehrsvereins Gstaad die Entwicklung der Region von 1956 bis 1982. Also sage und schreibe rund 26 Jahre oder ein sattes Vierteljahrhundert. Das ist angesichts des jüngst in der „hotelrevue“, www.htr.ch, erschienen Artikels „Zu oft gilt hire and fire“ eine halbe Ewigkeit in der Tourismusbranche. Dort werden Tourismusorganisationen mit Fussballclubs verglichen, wo deren Trainer ebenso auf einem Schleudersitz sitzen wie der Tourismusdirektor. Von der empfohlenen Faustregel „5-5-5“ ist man heutzutage im Durchschnitt weit entfernt. Diese Regel besagt, dass sich Tourismusdirektoren fünf Jahre in eine Destination einarbeiten, danach fünf Jahre die Destination weiterentwickeln und verändern und zu guter Letzt fünf Jahre das Erreichte konsolidieren. Eine Studie des Instituts für Tourismuswirtschaft (ITW) der Hochschule Luzern hat diese Faustregel untersucht und festgestellt, dass sich die durchschnittliche Amtszeit von Tourismusdirektoren zwischen 1997 und 2007 von acht auf sechs Jahre verringert hat. Die Interpretation dieses Resultates lässt natürlich vieles offen; die Lebensarbeitsstelle hat sich aufgrund der gesellschaftlich geprägten Veränderungen im Berufsethos aus den Karriereplänen vieler Touristiker verabschiedet. Ebenso können Missverständnisse, Überforderungen oder falsche Erwartungen Gründe für ein vorzeitiges Ausscheiden sein.

Paul Valentin war auch weit vor dieser Studie eine Ausnahmeerscheinung. Wenn einer die Bezeichnung „MrGstaad“ verdient, dann er. Er wirbelte an allen Fronten. In der Zwischensaison als Werbebotschafter auf Reisen im In- und Ausland, in der Saison als Top-Unterhalter vor Gruppen und Gästen, als PR-Mann, als OK-Mitglied verschiedener Veranstaltungen, usw. Mit der Pensionierung von Paul Valentin ging 1982 auch eine Ära zu Ende. Es waren die goldenen Jahrzehnte im Schweizer Tourismus, die sich dem Ende zuneigten. Nach dem Aufschwung, welcher mit dem Ende des zweiten Weltkrieges ausgelöst wurde, folgte ab Mitte der Achtzigerjahre eine Stagnations- und Schrumpfungsphase im Schweizer Tourismus, die vielerorts noch immer anhält. Zurzeit natürlich noch verstärkt durch die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Doch ich möchte diesen Blogeintrag nicht mit einem negativen Satz abschliessen. Vielmehr lasse ich Sie mit einem Augenzwinkern an der sprachlichen Virtuosität meines Vorgängers teilhaben:

Hymne an die Logiernacht (Paul Valentin)

Aus dem Verkehr
Der Touristen Heer
Geboren –

Nacht aller Nächte
Viele Mächte
Dich erkoren –

In jedem Land
Am laufenden Band
Produziert –

Von vielen Beamten
Aus dem Gesamten
Eruiert –

Befreit von Ketten
Der Hotelbetten
Erlöst –

Bei uns so wichtig
Weil meldepflichtig
Sei uns „gegrösst“ –

Auf Formularen
Geordnet nach Jahren
Bewacht –

Erscheinst in Millionen
Aus vielen Nationen
Logiernacht!

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