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Donnerstag, 24. Mai 2012

Tourismus im Kanton Bern – auf zu neuen Ufern

Das revidierte Tourismusentwicklungsgesetz (TEG) soll Anfang Juli in Kraft treten. Damit verbunden ist die Gründung einer kantonalen Marketing AG, welche die touristischen Angebote bündelt und mittels diversen Plattformen und Partnern bewirbt.
Primär ist diese gebündelte Marktbearbeitung in den Zielmärkten Deutschland, Niederlande, Belgien, Luxemburg  und Grossbritannien geplant. Die AG ist grundsätzlich da aktiv, wo gemeinsame Interessen der Destinationen bestehen und wo nach Gesetz eine kantonale Strategie vorliegt (Bsp. Kongresse, Swiss Cities oder Events).
Themen wie die Bündelung von Mitteln, oder übergreifende Kooperationsformen zwischen Regionen, Destinationen, Leistungsträgern oder branchenfremden Firmen sind in Touristiker-Kreisen in aller Munde. Die aktuellen Rahmenbedingungen, die Sättigung gewisser Märkte, ein starker Verdrängungswettbewerb sowie die fehlende Innovationskraft einzelner Leistungsträger sind Gründe, warum die Branche vermehrt ihr Heil in einer konzentrierten Bündelung der Marketingmittel sieht. Zu einem grossen Teil durchaus berechtigterweise. Trotzdem ist in der Branche eine starke Opposition gegenüber der neuen Marketing AG spürbar, dies vor allem aus der Ecke der Beherberger. Seit 2011 bin ich den vom beco geleiteten Prozess involviert und erlaube mir deshalb, zu den vier Haupt-Kritikpunkten der Beherberger aus meiner Sicht Stellung zu nehmen:

-         Kritikpunkt Nummer 1
Die Branche der Beherberger wurde nicht frühzeitig genug in den Prozess miteinbezogen und man bemängelt deshalb die fehlende Interessenvertretung.
Die Branche der Beherberger wurde sowohl in der Vernehmlassungsphase des revierten TEG, als auch in der Konsultationsphase involviert und konnte somit Stellung nehmen.  Unter dem Aspekt der Effizienz wurden in der Ausarbeitung der Marketing AG lediglich die Destinationsvertreter (Im Falle von Gstaad Saanenland Tourismus waren dies der Präsident und Tourismusdirektor) direkt in den Prozess miteinbezogen. Mit diesem Ansatz fand aber schlussendlich auch die Hotellerie ihre thematische Abdeckung. Gerade in dem Falle, wo es um die Belange der Beherberger geht, ist es das oberste Gebot eines Destinationsvertreters, die Anliegen der Branche gebührend zu vertreten. Oder auf den Punkt gefragt; wo bleibt das Vertrauen in die Vertreter der Destination?

-         Kritikpunkt Nummer 2
Die Branche der Beherberger wird einmal mehr zur Kasse gebeten, ohne eine flächendeckende Finanzierungslösung zu berücksichtigen.
Es ist leider so, dass in einem heterogenen Kanton, wie der Kanton Bern einer ist, keine flächendeckende Tourismusfinanzierung existiert. So wie beispielsweise eine kantonale TFA dies sein könnte. Dies wird man nicht so schnell ändern können. Trotzdem ist der Kanton Bern bereit, die Hälfte des Budgets aus direkten Staatsmitteln (Steuergelder) mitzufinanzieren. Die andere Hälfte tragen die Beherberger mittels einer geplanten Erhöhung der Beherbergungsabgabe. Es sind aber auch die Beherberger, die im doppelten Sinne davon profitieren. Zum einen werden Marketingmittel gebündelt und koordiniert in den Zielmärkten eingesetzt. Die damit verbundene Wirkung ist um einiges höher, als wenn jede Destination oder jedes einzelne Hotel versucht, einen Markt oder mehrere Märkte zu bedienen. Zum anderen bleiben durch diese Bündelung mehr Mittel den Destinationen zur Verfügung bzw. das Marketingbudget der Destination wird entlastet. Im Falle von Gstaad macht dies einen beträchtlichen Betrag aus. Diese Mittel können dann wieder anspruchsgruppengerecht auf die Bedürfnisse der Beherberger eingesetzt werden.

-         Kritikpunkt Nummer 3
Es droht der Betrieb einer „Beamten AG“, wenn der Kanton seine Finger im Spiel hat.
Der Kanton Bern ist zu lediglich 49% an der AG beteiligt. Die Destinationen halten somit die Mehrheit. In der Ausarbeitung der AG sind die Vertreter der Destinationen sehr stark eingebunden. Man ist sehr bestrebt, eine AG nach modernen Gesichtspunkten aufzubauen. So will man den Verwaltungsrat effizient und hochprofessionell besetzen. Weiter sollen Marketingfachleute aus den Destinationen, aber auch aus der Konsumgüterindustrie der AG als Beirat zur Verfügung stehen. Die Organisation der AG soll kein „aufgeblasener“ Wasserkopf werden, sondern effizient und schlank bleiben 

-         Kritikpunkt Nummer 4
Man soll sich nicht um den Aufbau einer neuen Tourismus-Marke kümmern. Das stiftet nur Verwirrung und sorgt für unnötige Reibungsverluste in den Märkten.
Dies war nie ein Thema. Man will keine neue Tourismusmarke schaffen. Vielmehr bleibt die AG im Hintergrund und ist als Dienstleister für den Kanton und für die Destinationen tätig.
GST hat im kürzlich abgelaufenen Konsultationsverfahren mitgewirkt und unterstützt die Bestrebungen des Kantons Bern in der Gründung einer Marketing AG zur Bündelung gewisser Marketingmittel zu hundert Prozent. Erstmals in der Geschichte des Tourismusmarketings im Kanton Bern beteiligt sich der Kanton direkt an den Marketingkosten. Nur so können zukünftig grössere Vorhaben (wie bspw. Themenbroschüren in diversen Magazinen, nationale Kampagnen und Auftritte, etc.) umgesetzt werden.  GST empfiehlt jedoch die BA lediglich um 40 Rappen zu erhöhen und nicht um 60. Damit nimmt man auf die aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingen Rücksicht, denen die Beherberge in gesteigertem Masse unterworfen sind. Mit einer Erhöhung der BA um 40 Rappen sowie der direkten Staatsmittel wird die neue AG über ein beträchtliches Budget verfügen, mit dem etwas bewirkt werden kann. Erste Businesspläne sind gemacht und ich kann mit ruhigem Gewissen sagen, dass dabei die Branche sehr stark Einfluss nehmen konnte und die „Beamten“ für einmal die Finger aus dem Spiel hatten. In diesem Sinne wünsche ich der neuen AG viel Erfolg und dem Tourismus im Kanton Bern einen neuen Höhenflug.


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