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Montag, 30. April 2012

Chrigu raus

Er war die spektakulärste Trainerverpflichtung im letzten Jahr und wurde nun gestern – nach nicht einmal einem Amtsjahr wieder entlassen. Christian Gross, ehemaliger Trainer unseres Partners BSC Young Boys (www.bscyb.ch). Trotz harter Arbeit und der absoluten Identifikation mit dem Job, wurde er den hohen Erwartungen des Clubs und der Fans nicht gerecht. YB wird zwar die laufende Meisterschaft voraussichtlich auf dem dritten oder vierten Platz beenden, aber der Rückstand auf den neuen Schweizer Meister FC Basel (herzliche Gratulation von meiner Seite) ist einfach zu gross, um von einer geglückten ersten Gross-Saison sprechen zu können. Die YB-Führung hat deshalb gestern die Reissleine gezogen, zu viel Geld und Ansehen hat der sportliche Niedergang zuletzt gekostet. 
In einem Interview habe ich mal gesagt, dass der Posten des Fussballtrainers mit demjenigen des Tourismusdirektors vergleichbar sei. Steigen die Logiernächtezahlen, dann haben die Hotels einen guten Job gemacht, sinken sie, dann ist der Tourismusdirektor schuld. Im Fussball ist es ähnlich. Gewinnt die Mannschaft, werden die Spieler in den Himmel hochgelobt, verliert sie, dann hält der Trainer in der Regel den Kopf hin. Dies sind Gesetzmässigkeiten, die man akzeptieren muss, will man in diesem Business bestehen. Christian Gross ist Profi genug, um diese sicherlich grosse Enttäuschung zu verarbeiten. Im Gegensatz zum Fussballzirkus lebt die Tourismusbranche glücklicherweise von mehr Kontinuität. Ein bekannter, jetzt emeritierter Professor der Tourismuslehre, Hansruedi Müller, hat einmal gesagt, dass die ideale Laufbahn eines Tourismusdirektor in einer Destination ca. 15 Jahre dauern sollte. Die ersten fünf Jahre braucht er, um die Komplexität der Branche und der Destination zu verstehen. Die zweiten fünf Jahre nutzt er, um die bahnbrechenden Weichen für ein erfolgreiches Destinationsmanagement zu stellen und die letzten fünf Jahre sind dazu da, um die Destination nachhaltig in die Zukunft zu überführen und um seine eigene Nachfolge sicherzustellen. Nun gut, 15 Jahre mögen in der heutigen Zeit auch in der Tourismusbranche ein bisschen zu lange erscheinen. Sie zeigen aber auf, dass sich Kontinuität nicht einfach so aus dem Nullkommanichts  ergibt. Wer Erfolg haben will, muss zuerst auch säen können und einigen Widerständen und Unzulänglichkeiten trotzen. Diese Zeit sollte man einem Tourismusdirektor bzw. einem Fussballtrainer eigentlich geben. Im Falle von YB war diese Zeit gestern abgelaufen, rund 11 Monate nachdem eine vermeintlich glorreiche Ära eingeläutet wurde.
Ich wünsche Christian Gross und seinem Trainerstab für die Zukunft alles Gute und unserem Partner YB den Erfolg, auf den sie schon seit 1986 warten. Nämlich den Gewinn der Schweizer Fussballmeisterschaft.

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