Die Schweiz erlebt seit Monaten eine neue Überfremdungs-Debatte. Diesmal geht es um die Deutschen. Unsere nördlichen Nachbarn sollen uns die Jobs streitig machen, als Professoren unsere Universitäten vereinnahmen, Städte "verdeutschen" und so weiter. Bisher habe ich die Debatte eher als ein Theater verstanden, dass sich vor allem auf den Grossraum Zürich beschränkt und aus wahltaktischen Gründen bewusst geschürt wird. Seit dieser Woche bin ich mir da allerdings nicht mehr so sicher. Die Zeilen eines langjährigen Stammgastes unserer Ferienregion stimmen mich nachdenklich: "Durch viele deutsche und schweizerische Medienorgane geistern zurzeit üble antideutsche Nachrichten, die es mir schwer machen, bei meiner Entscheidung für Gstaad zu bleiben. Muss ich als Deutscher mit Anfeindungen rechnen? Bin ich als Deutscher Gast überhaupt noch erwünscht? Wenn nicht, werde ich schweren Herzens auf ein anderes Alpenland ausweichen." Offensichtlich nimmt unter deutschen Besuchern der Unmut über die Deutschenhetze zu.
Text: Roger Seifritz
Haben wir diese Anti-Deutschen-Polemik wirklich nötig? Besteht da tatsächlich ein Problem? Oder schiesst das typisch schweizerische Réduit-Denken wieder einmal über das Ziel hinaus? In einer Umfrage der Berner Zeitung etwa halten die Mehrheit der Befragten die Debatte für ziemlich an den Haaren herbeigezogen: "Der Hass gegen die Deutschen ist erfunden, die Problematik von den Politikern und Medien provoziert und aufgebauscht – alles eher ein medial verbreiteter Phantomschmerz als ein wirkliches Leiden". Auch wenn dem tatsächlich so sein sollte, mir bereitet die Polemik um die Deutschen in der Schweiz Sorgen. Denn eigentlich sollten wir es besser wissen. Die Schweiz funktioniert nur mit Ausländern. Und dazu gehören auch die Deutschen. Dies war früher so und ist heute nicht grundlegen anders. Schon zu meiner Studentenzeit waren an meiner Uni ungefähr die Hälfte der Professoren und Dozenten Deutsche, und sie gehörten objektiv gesehen zu den Besseren. Was würden wir darüber hinaus wohl zurzeit tun, wenn wir in unseren Spitälern nicht auf Deutsche Assistenzärzte und Pflegepersonal zählen dürften? Schweizer sind ja für diese Jobs offensichtlich nicht zu finden. Und wie könnten wohl gerade in einer Region wie dem Saanenland die Tourismusbetriebe funktionieren, wenn sie nicht auf deutsche Mitarbeitende zählen könnten?
Woher kommt diese Angst vor einer deutschen "Überfremdung"? Sie hat offensichtlich vor allem mit dem bewusst geschürten Gefühl des eigenen Ungenügens gegenüber diesen Zuwanderern zu tun. Dieses Gefühl ist unnötig und kontraproduktiv. Im Gegenteil: deutsche Zuwanderer können von diversen Vorteilen unserer Mentalität lernen und wir von denen ihrer. Mein Appell an Politiker und Medien: Bauscht nicht immer Themen zu einer Agenda auf, die gar keine sein müssen. Unser Land hat grössere Herausforderungen, denen es zu widmen es sich lohnt (die aber schwieriger zu packen sind).
Sonntag, 21. Februar 2010
Dienstag, 16. Februar 2010
Unsere Olympioniken sind mehr als Gold wert
Simon Amman Gold! Dario Cologna Gold! Didier Défago Gold! Unsere Wintersportler sind top. In nur drei Tagen gewinnen sie an den Olympischen Spielen in Vancouver drei Wettbewerbe in drei unterschiedlichen Sportarten. Eine fantastische Leistung für das kleine Land Schweiz. Herzlichen Dank Simon, Dario, Didier & Co.
Der Exploit unserer Sportler kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn seit Monaten befindet sich unser Land im Epizentrum eines internationalen Trommelfeuers, das uns stark irritiert. Man wirft uns mangelnde internationale Solidarität vor, weil wir als Tiefsteuer-Insel und Beihelfer für Steuerhinterzieher ausländischen Staaten schädigen würden. Ob diese Vorwürfe in ihrer Konsequenz tatsächlich richtig sind, bleibe hier dahin gestellt. Tatsache ist, dass Simon, Dario und Didier uns in dieser Situation besonders glücklich und stolz machen. Sie demonstrieren auch, dass unser Land trotz seiner Kleinheit im Stande ist, über sich hinauszuwachsen und Grosses zu leisten.
Merci Didier, Simon, Darion & Co., weiter so!
PS: Bald geht in Vancouver auch unser Gstaader Snowboard-Athlet, Roland Haldi, an den Start. Viel Glück, Roland!
Text: Roger Seifritz
Der Exploit unserer Sportler kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn seit Monaten befindet sich unser Land im Epizentrum eines internationalen Trommelfeuers, das uns stark irritiert. Man wirft uns mangelnde internationale Solidarität vor, weil wir als Tiefsteuer-Insel und Beihelfer für Steuerhinterzieher ausländischen Staaten schädigen würden. Ob diese Vorwürfe in ihrer Konsequenz tatsächlich richtig sind, bleibe hier dahin gestellt. Tatsache ist, dass Simon, Dario und Didier uns in dieser Situation besonders glücklich und stolz machen. Sie demonstrieren auch, dass unser Land trotz seiner Kleinheit im Stande ist, über sich hinauszuwachsen und Grosses zu leisten.
Merci Didier, Simon, Darion & Co., weiter so!
PS: Bald geht in Vancouver auch unser Gstaader Snowboard-Athlet, Roland Haldi, an den Start. Viel Glück, Roland!
Text: Roger Seifritz
Donnerstag, 11. Februar 2010
Wäre Bern das bessere Vancouver 2010?
Am kommenden Samstag beginnen in Vancouver die Olympischen Winterspiele 2010. Wir freuen uns auf spannende Wettkämpfe, schöne Wintersport-Bilder und natürlich Spitzenleistungen unserer Schweizer Athleten. Olympische Winterspiele sind für alpine Feriendestinationen wie Gstaad immer ein besonderer Anlass. Sie rücken das normale Weltgeschehen für einmal etwas in den Hintergrund und machen Platz für etwas vom Wichtigsten, das es für uns Skigebiete gibt: Schneesport mit vielen glücklichen Gesichtern.
Vancouver 2010 bewegt bei mir persönlich allerdings noch mehr. Der Start der Spiele weckt nämlich Erinnerungen. Vor ziemlich genau zehn Jahren arbeiteten wir in Gstaad aktiv an der damaligen Olympiakandidatur Bern 2010. Wäre sie zum Zug gekommen, würde Gstaad in den nächsten Wochen als damals vorgesehener Austragungsort der nordischen Disziplinen die weltbesten Skispringer und Langläufer willkommen heissen, mit "unseren" Schweizer Aushängeschildern und Medaillenkandidaten Simon Ammann oder Dario Cologna am Start.
Die Olympia-Kandidatur Bern 2010 hat damals im Jahr 2001 gegen den nationalen Mitbewerber Davos obsiegt. Nach einem wuchtigen Nein der Berner Stimmbürger für einen Kandidaturkredit wurde sie nachfolgend jedoch zurück gezogen. Für unsere Kandidatur waren wir damals Feuer und Flamme. Wir glaubten, dass unserem Land wieder einmal etwas "Grosses" gut tun würde. Wir sahen in Olympischen Winterspielen ein Symbol für eine weltoffene Schweiz. Eine Chance zudem, unser Land als Schneesportnation mit vielen positiven Botschaften ins Zentrum des internationalen Interesses zu rücken. Wie paradox erscheint es heute, dass wir genau jetzt diese positiven Botschaften besonders nötig hätten, nachdem die Schweiz zurzeit im Trommelfeuer der weltweiten Finanzämter steht und als eine nur auf ihren eigenen Nutzen besonnene (Steuer-)Pirateninsel diffamiert wird.
Ob Bern 2010 besser gewesen wäre als Vancouver 2010? In einem sicher: Wir haben zurzeit haufenweise Schnee, währendem es in Vancouver, Whistler & Co. eher regnet.
Text: Roger Seifritz
Vancouver 2010 bewegt bei mir persönlich allerdings noch mehr. Der Start der Spiele weckt nämlich Erinnerungen. Vor ziemlich genau zehn Jahren arbeiteten wir in Gstaad aktiv an der damaligen Olympiakandidatur Bern 2010. Wäre sie zum Zug gekommen, würde Gstaad in den nächsten Wochen als damals vorgesehener Austragungsort der nordischen Disziplinen die weltbesten Skispringer und Langläufer willkommen heissen, mit "unseren" Schweizer Aushängeschildern und Medaillenkandidaten Simon Ammann oder Dario Cologna am Start.
Die Olympia-Kandidatur Bern 2010 hat damals im Jahr 2001 gegen den nationalen Mitbewerber Davos obsiegt. Nach einem wuchtigen Nein der Berner Stimmbürger für einen Kandidaturkredit wurde sie nachfolgend jedoch zurück gezogen. Für unsere Kandidatur waren wir damals Feuer und Flamme. Wir glaubten, dass unserem Land wieder einmal etwas "Grosses" gut tun würde. Wir sahen in Olympischen Winterspielen ein Symbol für eine weltoffene Schweiz. Eine Chance zudem, unser Land als Schneesportnation mit vielen positiven Botschaften ins Zentrum des internationalen Interesses zu rücken. Wie paradox erscheint es heute, dass wir genau jetzt diese positiven Botschaften besonders nötig hätten, nachdem die Schweiz zurzeit im Trommelfeuer der weltweiten Finanzämter steht und als eine nur auf ihren eigenen Nutzen besonnene (Steuer-)Pirateninsel diffamiert wird.
Ob Bern 2010 besser gewesen wäre als Vancouver 2010? In einem sicher: Wir haben zurzeit haufenweise Schnee, währendem es in Vancouver, Whistler & Co. eher regnet.
Text: Roger Seifritz
Samstag, 6. Februar 2010
Auf dem Weg zu einem neuen Wahrzeichen für Gstaad
Der Architekturwettbewerb für das geplante Kulturzentrum Les Arts Gstaad hat einen klaren Gewinner. Unter den von Architekturteams aus neun Ländern eingereichten Arbeiten wurde der Beitrag des international renommierten französischen Architekten Rudi Ricciotti mit dem ersten Preis prämiert. Sein Konzept gliedert das grosse erforderliche Raumvolumen geschickt in die umliegende Topografie und Dörflichkeit ein und schafft für Gstaad einen neuen, markanten visuellen Bezugspunkt in Form einer wellenförmigen Holzskulptur. Die Jury des Wettbewerbs beurteilte das Konzept von Rudi Ricchotti als ideales Projekt. Denn es beachtet nicht nur die Topografie und Architektur des sensiblen dörflichen Umfelds, sondern erreicht im Gebäudeinneren Überraschung und schafft gleichzeitig ein architektonisches Symbol.
Die mit internationalen Architekturfachleuten, aber auch Vertretern von Standortgemeinde, Tourismus und Gästen besetzte Wettbewerbsjury hatte keine leichte Aufgabe zu lösen. Ihr lagen einundzwanzig Wettbewerbsbeiträge vor. Diese liessen sich gundsätzlich in drei Kategorien einteilen: Erstens die klassische blockartige oberirdische Anordnung aller erforderlichen Baukörper, zweitens an das Gelände angepasste oberirdische Bauformen und schliesslich solche, die für das Kulturzentrum ein symbolhaftes Wahrzeichen vorschlugen. Obsiegt hat nun eine Variante aus der letztgenannten Kategorie. Sie reduziert den oberirdischen Teil des Zentrums auf das Wesentliche, nämlich das Konzerthaus. Durch die Unterbringung aller übrigen Bauteile unter dem Boden wird einerseits das Dorfumfeld geschont. Andererseits entsteht dadurch die Möglichkeit, ein in seinem Volumen vertretbares neues Wahrzeichen für Gstaad zu bilden. Die Anlage hat darüber hinaus weitere, auf den ersten Blick nicht erkennbare Werte. Dadurch, dass sich die Anlagen mehrheitlich unter Tag befinden, kann sich der Besucher im Gebäude auf Kunst und Musik konzentrieren, und dies in einer Ausgestaltung, die stark an Lord Yehudi Menuhins Vision eines Konzertsaales im Berg erinnert. Verlässt der Besucher das Gebäude, tritt er von einer zu Träumen verführenden Musik- und Kunstwelt in die herrliche Alpennatur.
Der Wettbewerbs-Sieger Rudy Ricciotti wird sein Projekt in Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft, unterstützt durch eine Delegation der Jury, weiter entwickeln. Parallel dazu wurde die Finanzierung des Projektes nun intensiv in Angriff genommen.
Les Arts Gstaad ist ein ausserordentlich spannendes Projekt. Ich freue mich auf seine weitere Konkretisierung und hoffe, das dieses Jahrhundertprojektes bereits 2013, genau 100 Jahre nach dem Bau des Gstaader Wahrzeichens, des Palace Hotels, seine Türen öffnen wird!
Text: Roger Seifritz
Die mit internationalen Architekturfachleuten, aber auch Vertretern von Standortgemeinde, Tourismus und Gästen besetzte Wettbewerbsjury hatte keine leichte Aufgabe zu lösen. Ihr lagen einundzwanzig Wettbewerbsbeiträge vor. Diese liessen sich gundsätzlich in drei Kategorien einteilen: Erstens die klassische blockartige oberirdische Anordnung aller erforderlichen Baukörper, zweitens an das Gelände angepasste oberirdische Bauformen und schliesslich solche, die für das Kulturzentrum ein symbolhaftes Wahrzeichen vorschlugen. Obsiegt hat nun eine Variante aus der letztgenannten Kategorie. Sie reduziert den oberirdischen Teil des Zentrums auf das Wesentliche, nämlich das Konzerthaus. Durch die Unterbringung aller übrigen Bauteile unter dem Boden wird einerseits das Dorfumfeld geschont. Andererseits entsteht dadurch die Möglichkeit, ein in seinem Volumen vertretbares neues Wahrzeichen für Gstaad zu bilden. Die Anlage hat darüber hinaus weitere, auf den ersten Blick nicht erkennbare Werte. Dadurch, dass sich die Anlagen mehrheitlich unter Tag befinden, kann sich der Besucher im Gebäude auf Kunst und Musik konzentrieren, und dies in einer Ausgestaltung, die stark an Lord Yehudi Menuhins Vision eines Konzertsaales im Berg erinnert. Verlässt der Besucher das Gebäude, tritt er von einer zu Träumen verführenden Musik- und Kunstwelt in die herrliche Alpennatur.
Der Wettbewerbs-Sieger Rudy Ricciotti wird sein Projekt in Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft, unterstützt durch eine Delegation der Jury, weiter entwickeln. Parallel dazu wurde die Finanzierung des Projektes nun intensiv in Angriff genommen.
Les Arts Gstaad ist ein ausserordentlich spannendes Projekt. Ich freue mich auf seine weitere Konkretisierung und hoffe, das dieses Jahrhundertprojektes bereits 2013, genau 100 Jahre nach dem Bau des Gstaader Wahrzeichens, des Palace Hotels, seine Türen öffnen wird!
Text: Roger Seifritz
Dienstag, 2. Februar 2010
Architekturwettbewerb "Les Arts Gstaad"
Die Spannung steigt: Am Freitag Abend, 5. Februar, wird die Jury des Architekturwettbewerbes "Les Arts Gstaad" das Sieger-Projekt für das geplante Gstaader Kulturzentrum verkünden. Vorab beurteilen die Jury-Mitglieder in einer dreitägigen Klausursitzung, welches der 21 eingeladenen Architekten-Teams das am besten geeignete Projekt präsentiert. Anschliessend an die Projekt-Vorstellung startet dann die Umsetzungsarbeit. Dabei geht es längst nicht nur um Finanzierung, Bau und Betriebsvorbereitung, sondern vor allem auch darum, die Öffentlichkeit vom Nutzen dieses Projektes zu überzeugen.
"Les Arts Gstaad", das durch den gleichnamigen Förderverein getragen wird, ist für die weitere Entwicklung der Ferienregion Gstaad ein Meilenstein. Mit den Elementen Kunst, Musik und Begegnung könnte es so etwas wie das KKL für Luzern werden. Ein Jahrhunderprojekt, das der Ferienregion zusätzliche Auslastung und mehr Unabhängigkeit vor unkalkulierbaren Tourismusfaktoren wie Wetter und Klima bescheren wird. Geplant sind im Kulturzentrum Wechselausstellungen hochkarätiger Künstler (Kunsthalle) ebenso wie Konzerte mit international renommierten Ensembles (Konzerthalle mit 1400 Plätzen) sowie Begegnungen aller Art. Die Kombination der drei Faktoren ist dabei einzigartig, indem sie Erfolgsmodelle wie z.B. die Fondation Beyeler (Riehen/Basel) oder Gianada (Martiny) mit einem top ausgerüsteten Kultur- und Begegnungszentrum à la KKL Luzern verbindet.
Text: Roger Seifritz
"Les Arts Gstaad", das durch den gleichnamigen Förderverein getragen wird, ist für die weitere Entwicklung der Ferienregion Gstaad ein Meilenstein. Mit den Elementen Kunst, Musik und Begegnung könnte es so etwas wie das KKL für Luzern werden. Ein Jahrhunderprojekt, das der Ferienregion zusätzliche Auslastung und mehr Unabhängigkeit vor unkalkulierbaren Tourismusfaktoren wie Wetter und Klima bescheren wird. Geplant sind im Kulturzentrum Wechselausstellungen hochkarätiger Künstler (Kunsthalle) ebenso wie Konzerte mit international renommierten Ensembles (Konzerthalle mit 1400 Plätzen) sowie Begegnungen aller Art. Die Kombination der drei Faktoren ist dabei einzigartig, indem sie Erfolgsmodelle wie z.B. die Fondation Beyeler (Riehen/Basel) oder Gianada (Martiny) mit einem top ausgerüsteten Kultur- und Begegnungszentrum à la KKL Luzern verbindet.
Text: Roger Seifritz
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