Willkommen zu den Tagebuch-Einblicken in eine der renommiertesten und genussreichsten Ferienregionen der Schweiz.
Herzlichen Dank für Ihre Kommentare zu gelesenen Artikeln.


Dienstag, 6. Juli 2010

Vom (T)Euro und dem Spiel mit dem Bumerang

Der „Euro wird zum Teuro“ hiess es damals, als in diversen EU-Ländern die europäische Einheitswährung eingeführt wurde. Hinter diese Aussage stand die verbreitete Angst, dass die Währungsinsel Schweiz in einem Meer von Euroländern touristisch im Nachteil sein werde. Bewahrheitet hat sich die These bisher nicht, wohl auch dank einer über Jahre hohen Stabilität des Eurokurses gegenüber dem Schweizer Franken. Doch jetzt ist das (T)euro-Gespenst zurück. Der Kurs bröckelt und bröckelt und erreicht gegenüber der Fluchtwährung Schweizer Franken historische Tiefstände. Müssen wir uns also auf massive Einbrüche aus dem Euro-Raum einstellen?

Die Auswirkungen scheinen auf den ersten Blick klar zu sein: Ein höherer Frankenkurs bedeutet für Euro-Gäste höhere Ferienkosten, was zu weniger Ankünften und weniger Gäste-Ausgaben führt. Die Praxis hält dieser These vorerst allerdings nicht stand, zumindest was Gstaad betrifft. So haben in der vergangenen Wintersaison trotz Euro-Sinkflug die Gäste-Ankünfte aus den Euro-Ländern sogar leicht zugenommen. Und die Umsätze in den Betrieben lagen im Durchschnitt nur unwesentlich unter dem Vorjahresniveau. Für den laufenden Sommer liegen die Buchungsstände in etwa auf Vorjahresniveau. Interessant ist zudem die Tatsache, dass offensichtlich nicht alle Euroländer auf Kursschwankungen gleich reagieren. Eine Untersuchung zeigt, dass es bedeutende Unterschiede gibt. So reagieren germanische Länder wie Deutschland oder die Niederlande im Allgemeinen auf Kursveränderungen stärker als der romanische Kulturkreis wie Frankreich, Italien oder Spanien.

Insgesamt wird es wohl wesentlich sein, wie lange die Euro-Schwäche Bestand haben wird. Je länger, desto eher entfalten sich negative Auswirkungen. Die Frage ist, wie darauf reagiert werden soll. Preisdumpingaktionen im Euroraum mit Euro-Spezialaktionen oder das Angebot von Euro-Fixpreisen, wie dies zurzeit z.B. durch das Switzerland Travel Center erfolgt, halte ich für problematisch, zumindest jetzt schon. Ich glaube nicht, dass damit kurzfristig wirklich die erwünschten Zusatzvolumen erzeugt werden können. Vielmehr erfolgt eine Kannibalisierung mit Normalangeboten. Zudem sind die längerfristigen Wirkungen heikel. Denn wenn man im Euroraum einmal mit Billigangeboten und Fixpreisen anfängt, ist ein Rückzug nach Normalisierung der Lage schwierig. „Geiz ist geil“. Es könnte zum Bumerang werden.

Text: Roger Seifritz

1 Kommentar:


Herzlichen Dank für Ihre Kommentare zu gelesenen Artikeln!