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Dienstag, 13. April 2010

Winterbilanz 2009/10: Glücksgefühl oder böses (Frühlings-)Erwachen?

Das Gesamturteil vorweg: Der zu Ende gehende Winter war ein normaler bis guter Jahrgang. Die Übernachtungen in der Destination und auch die Bergbahnumsätze werden per Ende April zwar hinter dem Vorjahresstand liegen. Aus Langfristoptik betrachtet wird das Wintersaison-Ergebnis aber immer noch als das dritt- oder viertbeste überhaupt in die Annalen der Region eingehen. Aus objektiver Sicht müsste dieses Resultat eigentlich befriedigen, denn zeitlich sehr konzentrierte Schulferienwochen, unstabiles Wetter, Rezession und ein ungünstiger Euro-Kurs belasteten die Saison stark.
Trotzdem, wirklich zufrieden stimmt mich das Ergebnis nicht. Stein des Anstosses ist der deutliche Besucherrückgang ab Mitte März, und dies wohlgemerkt bei nach wie vor besten Schneebedingungen. Darüber hinweg trösten kann mich auch nicht, dass die grosse Mehrheit der Schweizer Wintersportregionen offensichtlich Ähnliches erlebt haben. Die Destination Gstaad wurde trotz ihres inzwischen auch schneesportmässig überzeugenden Saisonend-Angebotes unter ihrem Wert geschlagen. Doch welche Chancen bieten sich?

Mehr Auslastung in der Wintersaison-Endphase stehen heute zwei Hindernisse entgegen: ein marktbezogenes und ein strukturelles. In marktbezogener Hinsicht ist heute in diversen Zielmärkten das Wissen darüber unzureichend, dass Schneesport in der Destination Gstaad dank technischer Beschneiung und Glacier 3000 heute bis anfangs Mai möglich ist. Dieses Wissen und die dazu gehörigen Verkaufskanäle lassen sich insbesondere in denjenigen Marktgebieten ausbauen, die ab Mitte März noch Ferien haben, z.B. in Norddeutschland, den Niederlanden und Belgien. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass entsprechende finanzielle Mittel bereit gestellt werden können.

Erfolg aus Marketingsicht bedeutet maximal eine Verdoppelung der aktuellen Frequenzen ab Mitte März. Eine darüber hinausgehende Erhöhung der Auslastung in der Saisonendphase lässt sich nur über eine deutliche Anhebung der Anzahl bewirtschafteter Betten in der Region erreichen. Denn gerade an den Saisonrändern bringen nur noch Hotels und hotelähnliche Betriebe Gästefrequenzen. Dass das Potenzial bei gerade einmal 2'500 Hotelbetten im Vergleich zu den 13'000 insgesamt vorhandenen Gästebetten beschränkt ist, versteht sich von selbst. Wenn Gstaad also mehr Auslastung will, ist Wintersaisonend-Marketing zwar nötig, aber längst nicht hinreichend. Wir brauchen eine ernst zu nehmende Ansiedlungspolitik für Hotelbetriebe. Diese ist bisher (noch) nicht in Sicht. Und wir brauchen Landeigentümer, die bereit sind, Land für den Bau von Hotels einzonen zu lassen, um damit einen nachhaltigen Beitrag für die Entwicklung der Region zu leisten.


Siehe zum Thema auch den folgenden Artikel: "Hotels statt Sammelsurium" vom 30.12.2009

Text: Roger Seifritz

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