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Freitag, 23. April 2010

Asche auf mein Haupt

Es ist schon erstaunlich, was ein unaussprechlicher Vulkan im fernen Island an Chaos in Europa anrichten kann. Hätte man mir das vor ein paar Wochen vorausgesagt, ich hätte es nicht für möglich gehalten. Ich wurde, wie wohl so viele, eines Besseren belehrt. Als Touristiker kenne ich zwar aus Erfahrung und Risikoanalysen eine ganze Reihe von möglichen Schaden- und Katastrophen-Szenarien. Die Tourismusbranche ist ja durch ihre weltweite Vernetzung stark verwundbar. Dieses spezielle Szenario war mir aber fremd - Asche auf mein Haupt also.


Dank Zwischensaison kommt meine Tourismusdestination mit einem blauen Auge davon. Natürlich sind die Folgen auch im Saanenland angekommen. So haben einzelne Hotels nämlich Gäste und damit Umsatz verloren, in einem Fall sogar einen ganzen internationalen Kongress. Und was auch nicht zu vernachlässigen ist, sind gewisse betriebliche Turbulenzen durch aschewolkenhalber nicht aus ihren Ferien an ihre Arbeitsplätze zurück kehrende Mitarbeiter. Insgesamt hält sich der Schaden in Gstaad aber in Grenzen.

Wie immer bei Ereignissen dieser Art kommen dann die Medien und fragen, ob wir ein Szenario im Sack hätten, falls so etwas in der Hauptsaison passieren oder dann viel länger dauern würde. Ganz ehrlich, das haben wir nicht. Das kann man auch gar nicht haben. Ereignisse dieser Art treten plötzlich ein und bringen eine eingespielte und komplexe Maschinerie abrupt zum stoppen. Diese mit einem "Plan B" aus dem berühmten roten Koffer quasi ohne weiteres wieder in Gang zu bringen und so zu tun, als wäre nichts gewesen, ist eine Illusion. Was ich daraus lerne? Die Natur ist mächtig und nicht wirklich beherrschbar. Wir Bergler haben das eigentlich schon immer gewusst - aus Erfahrung. Daran ändert auch der allgemeine Machbarkeitsglaube nichts.

Asche auf unser Haupt!

Text: Roger Seifritz

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