Willkommen zu den Tagebuch-Einblicken in eine der renommiertesten und genussreichsten Ferienregionen der Schweiz.
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Mittwoch, 10. März 2010

Come up, slow down: Vom Wert der Entschleunigung

In der Rubrik Trend der letzten Sonntagszeitung spricht Miriam Meckel, Professorin für Kommunikation an der Uni St. Gallen, über das uns immer mehr (über)fordernde tägliche Leben. Wer kennt es nicht selber: Ein Dutzend Dinge sind gleichzeitig zu tun. Zusätzlich unterbrechen uns fortwährend Handyanrufe, Emails und dergleichen, weil wir ja ständig erreichbar sein sollen. Ablieferungstermine und dergleichen warten trotz aller Hetze unerbittlich und unser Kunde zeigt null Fehlertoleranz. In dieser Spirale der Rastlosigkeit zündet jeder neue Technologiesprung nur noch eine weitere Stufe des Wettlaufs. Es wird fortlaufend noch schneller und wir drohen, die Übersicht zu verlieren. Die Dauerberieselung durch Community Netzwerke wie Facebook, XING, Twitter und dergleichen lassen da grüssen.

Längst nicht jeder Mensch kann diese Dynamik packen. Kein Wunder daher, dass Burn outs langsam zum Standard werden. Die Mehrheit von uns glaubt zwar, die Sache im Griff zu haben. Doch haben wir das wirklich? Professorin Merkel meint: „Die ständige Beschleunigung macht uns in Wirklichkeit langsamer“. Wir glauben offensichtlich, durch das ganze Gehetze besser zu werden. Doch werden wir es wirklich? Machen wir überhaupt das Richtige und das zudem in geeigneter Art und Weise? Die ständige Beschleunigung macht uns nicht schneller, sondern langsamer. Sie produziert Leerläufe ohne Ende. Wir handeln und reagieren nur noch, aber zum Denken kommen wir kaum noch.

Unter diesen Voraussetzungen wird die Entschleunigung zum eigentlichen Wert. Und das Unwort Langeweile zu einer Tugend. Denn nur wer im Sinne dieses Wortes langsamer wird und eben „lange weilt“, hat wirklich Zeit zum Nachdenken  -  über sich selbst, seine Umgebung und die Welt. Mit ihrem Leitsatz „come up, slow down“ liegt die Ferienregion Gstaad also wohltuend richtig. Wir versprechen unseren Gästen damit eine Alternative zum Zeitgeist, eine Anleitung, um durch Abbremsen schneller zu werden. Tatsächlich bietet das Saanenland viele Ansätze, sich zurück zu lehnen, „lange zu weilen“ und zu sich zu kommen. Zahlreiche Gastgeber leben den Ansatz konsequent. Doch es gibt noch einiges zu tun auf dem Weg zu mehr Wirkung statt Aktionismus. Wir haben ein Juwel in der Hand. Ich freue mich darauf, daran weiter zu schleifen.

Kommentare:

  1. Der Vorteil einer starken konsequenten Positionierung einer Marke (und damit eines Angebotes) – wie das «Come up – Slow down» von Gstaad – kann nicht wichtig genug eingeschätzt werden. Denn in der Fülle der Angebote wählt der Konsument dasjenige aus, das möglichst präzise sein Bedürfnis deckt. Deshalb werden «Wischiwaschi-Brands» in Zukunft kaum mehr eine Chance haben. Was beim Thema «Positionierung» aber oft zuwenig beachtet wird: Positionierung FÜR etwas heisst auch Positionierung GEGEN alles andere. Oder mit anderen Worten: man muss damit in Kauf nehmen, dass andere Zielgruppen halt anderswo hingehen und dort glücklich werden. Das macht aber nichts! Denn die gesellschaftliche Entwicklung (siehe Statements von Professorin Merkel im Artikel von Herrn Seifritz) wird dafür sorgen, dass die «Come up – Slow down»-kompatible Zielgruppe stetig wächst. Und der «Kuchen» für Gstaad auch (oder gerade) bei radikaler Fokussierung gross genug ist.

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  2. Langeweile - lange weilen? Irgendwo schon einmal gehört. Aber die einzig richtige Positionierung für Gstaad. Let's go. @BrunoBlum: Die Frau Professorin heisst nicht Merkel sondern Meckel. Du Dackel. Aber sonst triffst Du den Nagel auf den Kopf. Könnstest glatt Kommunikationsberater werden. Würkli.

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