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Sonntag, 21. Februar 2010

Ist die Schweiz Deutschen feindlich gesinnt?

Die Schweiz erlebt seit Monaten eine neue Überfremdungs-Debatte. Diesmal geht es um die Deutschen. Unsere nördlichen Nachbarn sollen uns die Jobs streitig machen, als Professoren unsere Universitäten vereinnahmen, Städte "verdeutschen" und so weiter. Bisher habe ich die Debatte eher als ein Theater verstanden, dass sich vor allem auf den Grossraum Zürich beschränkt und aus wahltaktischen Gründen bewusst geschürt wird. Seit dieser Woche bin ich mir da allerdings nicht mehr so sicher. Die Zeilen eines langjährigen Stammgastes unserer Ferienregion stimmen mich nachdenklich: "Durch viele deutsche und schweizerische Medienorgane geistern zurzeit üble antideutsche Nachrichten, die es mir schwer machen, bei meiner Entscheidung für Gstaad zu bleiben. Muss ich als Deutscher mit Anfeindungen rechnen? Bin ich als Deutscher Gast überhaupt noch erwünscht? Wenn nicht, werde ich schweren Herzens auf ein anderes Alpenland ausweichen." Offensichtlich nimmt unter deutschen Besuchern der Unmut über die Deutschenhetze zu.

Text: Roger Seifritz


Haben wir diese Anti-Deutschen-Polemik wirklich nötig? Besteht da tatsächlich ein Problem? Oder schiesst das typisch schweizerische Réduit-Denken wieder einmal über das Ziel hinaus? In einer Umfrage der Berner Zeitung etwa halten die Mehrheit der Befragten die Debatte für ziemlich an den Haaren herbeigezogen: "Der Hass gegen die Deutschen ist erfunden, die Problematik von den Politikern und Medien provoziert und aufgebauscht – alles eher ein medial verbreiteter Phantomschmerz als ein wirkliches Leiden". Auch wenn dem tatsächlich so sein sollte, mir bereitet die Polemik um die Deutschen in der Schweiz Sorgen. Denn eigentlich sollten wir es besser wissen. Die Schweiz funktioniert nur mit Ausländern. Und dazu gehören auch die Deutschen. Dies war früher so und ist heute nicht grundlegen anders. Schon zu meiner Studentenzeit waren an meiner Uni ungefähr die Hälfte der Professoren und Dozenten Deutsche, und sie gehörten objektiv gesehen zu den Besseren. Was würden wir darüber hinaus wohl zurzeit tun, wenn wir in unseren Spitälern nicht auf Deutsche Assistenzärzte und Pflegepersonal zählen dürften? Schweizer sind ja für diese Jobs offensichtlich nicht zu finden. Und wie könnten wohl gerade in einer Region wie dem Saanenland die Tourismusbetriebe funktionieren, wenn sie nicht auf deutsche Mitarbeitende zählen könnten?

Woher kommt diese Angst vor einer deutschen "Überfremdung"? Sie hat offensichtlich vor allem mit dem bewusst geschürten Gefühl des eigenen Ungenügens gegenüber diesen Zuwanderern zu tun. Dieses Gefühl ist unnötig und kontraproduktiv. Im Gegenteil: deutsche Zuwanderer können von diversen Vorteilen unserer Mentalität lernen und wir von denen ihrer. Mein Appell an Politiker und Medien: Bauscht nicht immer Themen zu einer Agenda auf, die gar keine sein müssen. Unser Land hat grössere Herausforderungen, denen es zu widmen es sich lohnt (die aber schwieriger zu packen sind).

1 Kommentar:

  1. Wie recht Roger Seifritz hat. Ein, von der Zürcher SVP, an den Haaren herbeigezogenes Thema, welches die Medien, wie die nun mal sind, liebend gern aufgenommen und aufgebauscht haben.

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