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Mittwoch, 6. Januar 2010

Gstaad und die Russen

Heute am 6. Januar steigen in verschiedenen Gstaader Hotels wieder ganz spezielle Feste. Russische Weihnachten ist angesagt. Gstaad ist wieder fest in der Hand der Russen und die Wodka-Feuchtfröhlichkeit feiert Urstände – so die Wahrnehmung von aussen. Doch ist dem tatsächlich so?

Zu den Fakten: Die Anzahl Russen nimmt in Gstaad tatsächlich zu. Sie hat sich in der seit dem Jahr 2000 verdreifacht. Im Jahresverlauf sind aber gerade einmal 1.7% aller Hotel-Übernachtungen solche von russischen Gästen. Insgesamt ist Russland als Herkunftsmarkt für die Ferienregion Gstaad also eher unbedeutend. Anders sieht es selbstverständlich im Monat Januar aus, der immerhin mit einem Russenanteil von 8% aufwarten kann. Und Spitzenreiter ist, wie könnte es anders sein, die aktuelle russische Weihnachtswoche mit 27% Russen. Im Vergleich zu St. Moritz oder Kitzbühel ist dies nach wie vor ein tiefer Wert.

Und die Karikatur von den ausufernden Festen in Luxushotels und dem Mangel an Umgangsformen? Unsere Erfahrungen zeigen folgendes Bild: Ein wesentlicher Teil der russischen Gäste logiert tatsächlich in den 5-Sterne-Hotels der Region, wo sie einen hohen, gut konsumierenden Gästeanteil ausmachen. Immer mehr Russen nutzen jedoch auch die übrigen Hotelkategorien und Beherbergungsformen und mischen sich dort stark mit Gästen anderen Herkunftsnationen. Insgesamt sind Russen zwar traditionell überdurchschnittlich oft in (Gross-)Familien oder Gruppen unterwegs und zuweilen tatsächlich auffällig. Dieses vor allem durch die Medien gehätschelte Bild verändert sich jedoch. Denn viele der Russen, die sich heute in unserer Region bewegen, sind nicht mehr ohne weiteres von Gästen anderer Herkunftsländer unterscheidbar.

Fazit: Gstaad ist weder fest in Russen-Hand noch Ort unzähliger, unkontrolliert ausufernder Wodka-Gelage. Wir freuen uns, dass russische Gäste hier sind und bedanken uns bei denen, die nicht nur einmal kommen und zu Stammgästen werden (das gibt es tatsächlich).

Spassiba Rossja!

Text: Roger Seifritz

1 Kommentar:

  1. Die Begründungen unseres Tourismusdirektors in Ehren. Ich liebe diese Russen nicht. Mir fehlt der Willen, uns Einheimische als Menschen zu sehen

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