Willkommen zu den Tagebuch-Einblicken in eine der renommiertesten und genussreichsten Ferienregionen der Schweiz.
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Freitag, 15. Januar 2010

Denkanstösse aus einer finnischen Tourismusregion

Einblicke in andere Tourismusgebiete erlauben immer Vergleiche zu unserer eigenen Ferienregion. So auch mein Kurzferienaufenthalt in der ca. 200 Kilometer nördlich des Polarkreises liegenden Destination Ylläs - Äkäslompolo. Mit 330 Kilometern Langlaufloipen und 30 Liftanlagen ist die über etwa 10'000 Gästebetten verfügende subarktische Ferienregion eines der bedeutendsten Wintersportgebiete Finnlands. Neben Langlauf und Skisport besteht ihr Angebot vor allem aus geführten Wildnis-Erlebnissen wie Schlittenhunde-Fahrten, Schneemobil-Ausflügen, Schneeschuhtouren, Eisfischen, Nordlicht-Safaris etc. Dass Ylläs - Äkäslompolo andere Schwerpunkte hat als die Ferienregion Gstaad, liegt auf der Hand. Überraschender für mich und Denkanstösse für uns sind allerdings einige Handlungsansätze, nach denen hier gearbeitet wird. So die Methoden zur Minimierung der ökonomischen Auswirkungen der Witterung, der konsequente Umgang mit saisonalen Schwankungen und die Finanzierung übergreifender touristischer Leistungen.

Dass auf unseren Breitengraden die technische Sicherstellung der Schneeunterlage auf Skipisten Garant für einen geregelten Saisonverlauf geworden ist, leuchtet ein. Auf 67 Grad nördlicher Breite ist diese Massnahme aber doch einigermassen überraschend. Zusätzlich überlässt Ylläs - Äkäslompolo auch ihr Kernangebot, den Skilanglauf, nicht dem Zufall. Damit die über 80 % langlaufenden Gäste bereits ab Oktober gute Loipen vorfinden, werden die wichtigsten über das Sommerhalbjar "eingefroren". Dafür deckt man den Aprilschnee auf den Loipen mit Holzschnitzeln und Sägemehl zu, um möglichst viel Schnee über den Sommer hinweg zu retten. Ein ähnlicher Ansatz, wie er bei uns auf Glacier 3000 betrieben wird (Schutz Snowpark mit Folien). Die stark naturbezogenen Finnen überlassen ihren touristischen Erfolg also keineswegs einfach den Launen ihrer Natur, sondern helfen kräftig nach, wo es Sinn macht.

Interessant ist weiter der konsequente Umgang mit den Saisonauslastungen. So wird die gebotene Leistung in der Zwischensaison deutlich herunter gefahren. Aktuell im Januar werden zum Beispiel nur 52% der Langlauf-Loipen und 57% der Liftanlagen betrieben. Der Gast profitiert dafür von Preisreduktionen. Die Tourismusanbieter handeln dabei streng betriebswirtschaftlich. "Auch wenn wir in der Zwischensaison Hochsaisonpreise verlangen würden, könnten wir mit den tatsächlich erzielten Frequenzen die erwarteten Leistungen nicht finanzieren", tönt es zum Beispiel bei Destination Lappland, einem der grossen Anbieter. Ein durchaus auch für unsere Ferienregion bedenkenswerter Ansatz, dem zurzeit nicht nachgelebt wird.

Abschliessend noch ein Lernpunkt betreffend der Finanzierung übergreifender Leistungen, wie zum Beispiel der Betrieb der 330 km Langlauf-Loipen. Da Finnland keine Loipengebühren-System kennt wie die Schweiz, müssen Erträge vollumfänglich auf andere Art bereit gestellt werden. Dies geschieht durch ein Beitragssystem, das jede Unternehmung vor Ort einbindet. Begründet wird dies damit, dass diese übergreifenden Angebote dazu beitragen, Gäste in die Region zu locken, wovon ebenfalls alle Unternehmen direkt oder indirekt profitieren. Von diesem logisch richtigen und gerechten Denkansatz sind wir in Gstaad meilenweit entfernt. Wir belasten via Kurtaxen, mit denen derartige Leistungen finanziert werden, lediglich die Beherberger (Hotels, Ferienwohnungen etc.). Das Gros der Umsätze in der Region, etwa 75%, entsteht aber bei den übrigen Betrieben!

Text: Roger Seifritz

Kommentare:

  1. Gelassen ausgesprochen: "... wir belasten via Kurtaxen, mit denen derartige Leistungen finanziert werden lediglich die Beherberger..." "...etwa 75% entsteht aber bei den übrigen Betrieben!" Genau so ist es. Jetzt heisst es nur noch: wie bringen wir diese Erkenntnis ins Bewusstsein unseres Gewerbes?

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  2. Lieber Roger
    Wegen des Herunterfahrens der Preise in der Nebensaison... Dies wird von der Hotellerie schon lange so bewerkstelligt. Wir kennen dies also auch. Konsequenter müsste dies bei den Bergbahnen noch umgesetzt werden. Wobei wir heute gemäss den letzten Aussagen, gute Ansätze erkennen können, die uns auch hier zuversichtlich stimmen. Bei der Finanzierung gehe ich voll mit Dir einig. Da haben wir im Gewerbe viel zu viele Trittbrettfahrer! Vielen Dank für Deine Infos aus dem hohen Norden!

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