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Dienstag, 22. Dezember 2009

Vom Fluch des Erfolges und der Gefahr der Überreaktion

Die Destination Gstaad überzeugt mit erstaunlichen Erfolgen. Seit nunmehr zehn Jahren schlagen etwa die Hotel-Übernachtungen der kleinen Bergregion regelmässig den nationalen Tourismusindex. Oder die Investitionen in Hotels, Bergbahnen oder in die Attraktivierung der Dörfer erreichen schwindelerregende Werte. Dem Publikum gefällt's und die Nachfrage steigt. In der gegenwärtigen Festtagszeit könnte zum Beispiel jedes Bett doppelt oder dreifach belegt werden. Und der Immobilienhandel boomt ungebremst.

Diese Entwicklung bringt dem Saanenland viel Positives. So sind zum Beispiel die Arbeitsplätze in der Region genau deswegen auch in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise sicher, was längst nicht jedem Einwohner bewusst ist. Oder für öffentliche Investitionen stehen Mittel zur Verfügung, von denen andere alpine Regionen nur träumen. Das Saanenland bietet so nicht nur seinen Gästen, sondern auch seinen Einwohnern eine Palette von Angeboten, die manche Stadt übertreffen, zum Beispiel in Freizeit und Sport, Kultur oder Bildung. Und das eben nicht im Stadtumfeld, sondern stets in perfekter Harmonie mit der traumhaften Natur und den unverwechselbaren Chalet-Dorfbildern.

Seit einiger Zeit wächst da allerdings etwas, das mehr und mehr stört. Für Einheimische und hier arbeitende Menschen steht nämlich tendenziell durch die hohe Immobiliennachfrage und exorbitante Preise immer weniger Wohnraum zur Verfügung. Die Dörfer der Region, allen voran Gstaad und Saanen, tendieren zudem dazu, längerfristig zu reinen Boutique- und Zweitwohnungsreservaten zu werden. Es mehren sich deshalb die Stimmen, die Massnahmen fordern. Mit der Verordnung einer sogenannten Planungszone im Dorf Gstaad hat der Gemeinderat Saanen-Gstaad einer ungehemmten Weiterentwicklung nun erstmals einen Marschhalt verordnet.

Die getroffene Massnahme ist grundsätzlich richtig, auch wenn sie die Diskussion in der Region erst richtig lanciert hat. Sie schafft erstmals eine Bedenkfrist dafür, welches Dorf Gstaad in Zukunft sein soll und welches nicht. Ich freue mich auf entsprechende Diskussionen, dies immer im Bewusstsein, dass der Ast, auf dem wir alle sitzen, nicht durch eine Überreaktion abgesägt werden darf.

Text: Roger Seifritz

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