Herzlich Willkommen. Dieses Tagebuch vermittelt Einblicke in eine der renommiertesten, profiliertesten und genussreichsten Ferienregionen der Schweiz aus dem Blickwinkel ihres Tourismusdirektors.


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Dienstag, 14. Oktober 2014

Der Gourmör hat wieder was zu schmökern und der Statistiker was zu vergleichen

Mit grosser Spannung wurde er erwartet, am Montag vor einer Woche ist er erschienen. Der neue Gourmet-Führer „GaultMillau 2015“. Gstaad Saanenland Tourismus gratuliert Peter Knogl zur Auszeichnung „Koch des Jahres 2015“ und bedauert es beinahe schon fast ein bisschen, dass er nach seinem Besuch anlässlich des Davidoff Saveurs 2011 nicht gleich im Saanenland hängen geblieben ist. Dass sich aber das Saanenland kulinarisch auch nicht lumpen lassen muss, zeigt die neuste Auflage der Gourmetfibel auf eindrückliche Art und Weise. Sage und schreibe 270 der begehrten GaultMillau Punkte wurden im Saanenland erkocht. Die ist ein absoluter Spitzenwert und manifestiert die genussorientierte Positionierung der Tourismusmarke „Gstaad“. Den ausgezeichneten Restaurants und ihren Köchen gebührt ein herzliches Dankeschön für diese kulinarische Befeuerung in den Feinschmecker-Himmel.  

kein Mehrgänger, aber dafür herzhaft gut und authentisch

Wie letztes Jahr wage ich mich auch diesmal wieder an einen Restaurant-Vergleich zwischen „befreundeten“ Destinationen und nehme gleich vorweg, dass auch dieses Mal diejenige Statistik bevorzugt wird, welche vom Verfasser auch am besten beeinflusst werden kann.

Für dieses Jahr hat mein Statistik-Team die Relation zwischen den bewirtschafteten Betten und der Anzahl GaultMillau Punkte unter die Lupe genommen. Dabei erscheint natürlich das Saanenland bzw. die Gemeinde Saanen an erster Stelle, noch vor Bern, Zürich oder Basel. Eine kleine alpine Destination schlägt also die Schweizer Grossstädte klar und deutlich. Aber schauen Sie doch am besten selbst.

Ich kann gut verstehen, dass dies dem einen oder anderem Leser zu viel Zahlenspielerei ist. Deshalb nehmen Sie sich doch am besten den neuen GaultMillau Führer zur Hand und lassen ihn in übertragenem Sinne von ihrem Verstand, über ihr Herz hin zu ihrem Gaumen wandern. Das bebilderte und textreiche Buch ist ja auch ein beliebter Reiseführer. Vielleicht führt Sie ja dann ihre kulinarische Reise zu uns ins Saanenland? Ich würde mich auf jeden Fall sehr darüber freuen. 

Mittwoch, 3. September 2014

Enjoy Switzerland & Gstaad 2020plus

In meinem Blog habe ich schon das eine oder andere Wort über den Verein „Gstaad 2020plus“ verloren. Den Verein gibt es jetzt schon zwei Jahre, die Bewegung 2020plus sogar schon seit dem Jahr 2009. Die Grundidee von damals ist immer noch dieselbe. Man will das Saanenland nachhaltig weiterentwickeln. Unter dem Lead des Hoteliervereins Gstaad Saanenland und Gstaad Saanenland Tourismus formierten sich im 2011 die relevanten Anspruchsgruppen (Gewerbe, Hotellerie, Landwirtschaft, Gemeinden, Events, etc.) aus dem Saanenland und tagten fortan regelmässig im sog. „Denkfass“. Bald merkte man, dass man erste Zeichen setzen wollte. 2012 entstand dann der Verein und gleichzeitig wurde für eine Laufzeit von zwei Jahren die Zusammenarbeit mit Enjoy Switzerland vereinbart. Der Schritt vom Denken zum Handeln war vollzogen.

Installation Fondue-Caquelon, Fondueland Gstaad
Während den letzten beiden Jahren leistete man in zahlreichen Arbeitsgruppen hervorragende Arbeit. Betreut durch einen vollamtlichen Projektleiter wurden Ideen entwickelt, diskutiert, wieder verworfen und im besten Falle umgesetzt. Parallel dazu wurde in der Regel viermal pro Jahr ein Denkfass organisiert. Themenschwerpunkte waren da zum Beispiel die Bergbahnen, les Arts, neue Grossevents, Gstaad Bike World, Vereinsinterna sowie die jeweiligen Fortschrittsberichte aus dem Enjoy-Programm. Finanziert wurde diese Phase von 2020plus durch erhöhte Mitgliederbeiträge, einen Beitrag vom beco sowie durch Sach- und Cashleistungen von Enjoy Switzerland. Als Highlights dieser Ära können sicherlich die Neuinszenierung des Berghauses Wispile, der Innovationspreis „Prix de Gessenay“, das Herkunftslabel „Gstaad Authentique“, der Alpness-Trail sowie das Fondueland Gstaad genannt werden. Alle diese Projekte haben den Sprung in den freien Markt geschafft und dürfen sich nun dort beweisen.

Berghaus Wispile – Eingang, vorher
Berghaus Wispile – Eingang, nachher
Letzte Woche fand im Grandhotel Park in Gstaad ein 2020plus-Denkfass statt. Ein Themenschwerpunkt war unter anderem der Abschlussbericht der Zusammenarbeit mit Enjoy Switzerland. Vertragsgemäss lief diese nämlich Ende Juli aus. Ein solches Programm kann nicht ewig dauern. Es ist das Ziel von Enjoy Switzerland, dass innerhalb eines Zeitraums von 2 Jahren sichtbare Ergebnisse erzielt werden sollen. Wir haben darüber einen kleinen Film gemacht, welcher auf kurzweilige Art und Weise die Kernaussagen zur Enjoy-Zusammenarbeit auf den Punkt bringt.

https://www.youtube.com/watch?v=lEylOMzPxVI
Rückblick Zusammenarbeit Gstaad 2020+ und Enjoy Switzerland
Was folgt nun auf die Zusammenarbeit mit Enjoy Switzerland? Der Vorstand vom Verein Gstaad 2020plus hat dazu bereits Ende März 2014 eine Strategie-Klausur gemacht. Mit dem Wissen, dass man unter professioneller Anleitung zusammen mit den verschiedenen Leistungsträgern neue Produkte und Angebote entwickeln kann, dies gleichzeitig aber auch sehr viel Ressourcen (finanziell und personell) benötigt, hat der Verein eine kleine Kurskorrektur unternommen. Schliesslich war es nie das Ziel, mit dem Verein Gstaad 2020plus einen weiteren „Wasserkopf“ aufzubauen. Gstaad 2020plus soll schlank bleiben und konzentriert sich deshalb ab sofort wieder auf seine ursprüngliche Kernaufgabe als gemeinsame Plattform für den Meinungsbildungsprozess und Informationsaustausch der verschiedenen Interessengruppen der Region.

Regelmässig (ca. viermal pro Jahr) wird weiterhin ein Denkfass durchgeführt, in welchem destinationsrelevante Themen und Herausforderungen so kontrovers wie möglich diskutiert werden sollen. Mit dem Ergebnis aus diesen Diskussionen kann 2020plus als Verein Position beziehen und gleichzeitig haben die Mitglieder in ihren jeweiligen Anspruchsgruppen eine Entscheidungsgrundlage. Ich bin sicher, dass uns die Diskussionsthemen in nächster Zeit nicht ausgehen werden. Die zweijährige Enjoy-Phase soll als Initialzündung für eine professionelle und strategisch relevante Produkt- und Angebotsgestaltung verstanden werden. Gefordert sind nun die zahlreichen Leistungsträger der Region sowie Gstaad Saanenland Tourismus. Die Tourismusorganisation soll nämlich künftig vermehrt die Produkt- und Angebotsgestaltung proaktiv mitgestalten und begleiten.

Montag, 18. August 2014

Farinet und die Filmmusik

Letztes Wochenende durfte ich Kultur gleich in doppelter Ausführung erleben. Mein Beruf als Tourismusdirektor führte mich an die glanzvolle Eröffnung der Zeltkonzerte des Menuhin Festivals. Tags darauf besuchte ich dann das Freilichttheater „Farinet – der Falschmünzer“.

Joseph-Samuel Farinet war ein Schmuggler und Falschmünzer, welcher im Unterwallis des 19 Jahrhunderts zu einem Volkshelden wurde. Er war grosszügig, fröhlich und charmant. Für viele Unterwalliser war er einer von ihnen. Für sie war er einer der gegen das zentralistische Bern kämpfte, der die Armen unterstützte und der als Mann des Volkes galt. Durchaus vergleichbar mit Robin Hood oder Wilhelm Tell. Schriftsteller haben sein Leben in einem Roman wiedergegeben, Regisseure haben es verfilmt oder auf die Theaterbühne gebracht.

Würde es einen Hollywood-Film darüber geben, dann wäre die dazugehörige Filmmusik sicherlich vollgespickt mit schwungvollen Melodien, dramatischen Übergängen und gefühlvollen Zwischentönen. Filmmusik-Komponisten wie John Williams (Harry Potter, Indiana Jones, Star Wars), John Barry (Dances with Wolves, James Bond) oder James Horner (Titanic, the Mask of Zorro, Avatar) wären dazu die idealen Kandidaten gewesen. Die Werke der drei genannten Komponisten waren übrigens letzten Freitag die Hauptzutaten für das musikalische Gala-Menu, welches das 21st Century Symphony Orchestra dem Publikum anlässlich der Eröffnung der Zeltkonzerte des Menuhin Festivals servierte. Bereits zum zweiten Mal – nach letztem Jahr – wurde Filmmusik vor vollen Rängen und mit grossem Erfolg live aufgeführt. Das 21st Century Orchestra – unter der Leitung von Ludwig Wicki – musizierte tadellos, mit voller Hingabe und Virtuosität. Viele Gäste im Publikum fühlten sich in die 90er Jahre zurückversetzt, als mit dem „Cinemusic-Festival Gstaad“ ein Event die Filmmusik zum Leitthema eines Festivals machte. Das Menuhin Festival dauert übrigens noch bis in den September hinein und wartet mit weiteren musikalischen Leckerbissen auf.

Ludwig Wicki in Aktion
Das Leitthema des Freilichttheater Saanenland war für dieses Jahr die Inszenierung des Stückes „Farinet – der Falschmünzer“. Am 8. August feierte man Premiere und wurde seither leider ein bisschen vom Wetterpech verfolgt. Eine gedeckte Tribüne sorgte aber dafür, dass zumindest die Zuschauer vom Regen verschont blieben. Letzten Samstagabend fand dann endlich die erste trockene Aufführung statt und man spürte förmlich die Erleichterung der Laientruppe. 

Noch ist es ruhig auf der Freilichtbühne
Weitere 6 Aufführungen stehen nun bevor und für jede einzelne von ihnen wünsche ich warme Temperaturen und trockene Verhältnisse. Verdient hätte die hervorragend eingestellte Crew – unter der Leitung von Ruth Domke – dies alleweil. Mit viel Leidenschaft und Courage wurde hier etwas Wundervolles inszeniert, was sich absolut lohnt, anzuschauen. Die Spielfreude der Theater-Leute ist bei jeder Szene spürbar, die Geschichte fasziniert und die Freilicht-Bühne in Gsteig passt hervorragend.

Die Dorfbewohner feiern die Rückkehr von Farinet (in Frauenkleider, Mitte rechts)