Willkommen zu den Tagebuch-Einblicken in eine der renommiertesten und genussreichsten Ferienregionen der Schweiz.
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Donnerstag, 12. Mai 2016

Schweizer Tourismustage

Unsere Location am vergangenen Dienstag

Alljährlich finden sie statt, die „Schweizer Tourismustage“. Ein Reigen an Veranstaltungen rund um die Schweizer Tourismusbranche. Gestartet wurde am Dienstagnachmittag mit der Generalversammlung des Verbandes Schweizerischer Tourismusmanager (VSTM). Gleich darauf folgte die Verleihung des Globonet eTourism-Award. Gestern und heute geht es weiter mit dem Schweizer Ferientag. Heute Nachmittag dann die Mitgliederversammlung von Schweiz Tourismus. Abgerundet wird die geballte Ladung an Tourismusgesprächen mit den sog. Key Partnermeetings am Freitag.

Als amtierender Präsident des VSTM führte ich am Dienstag durch die 88. Generalversammlung, dieses für die Branche wichtigen Verbandes. Allgemeiner Zweck des Verbandes ist die Vertretung der Interessen der Tourismusmanager sowie die Förderung ihres Berufsstandes in allen Bereichen. Wir haben dabei insbesondere in den Bereichen Bildung, beruflicher Erfahrungsaustausch sowie Tourismuspolitik den Fokus gesetzt, um unseren Mitgliedern und unserer Branche einen Mehrwert zu geben.


Eine klassische GV, straff und effizient geführt

Highlight des gestrigen Abends waren sicherlich die Verleihung des 6. Globonet eTourism-Award sowie die Lancierung einer neuen strategischen Partnerschaft mit der htr bzw. mit dem Milestone Award. Die fortschreitende Digitalisierung hat auch vor dem Tourismus nicht Halt gemacht. So war es weitsichtig, als der VSTM zusammen mit Globonet diesen Award 2011 ins Leben gerufen hat. Seither hat sich in der digitalen Landschaft unserer Destinationen viel getan und der Award war Ansporn und Schrittmacher für die Branche, sich unermüdlich weiterzuentwickeln und die eTourism-Kompetenz zur Kernkompetenz werden zu lassen.

Die Gewinner von 2016

In der strategischen Agenda für die nächsten Jahre hat sich der VSTM die touristische Nachwuchsförderung als oberste Zielsetzung gegeben. Dazu ist der Verband mit der htr im Rahmen des Milestone eine neue Kooperation eingegangen. Der VSTM unterstützt neu den MILESTONE-Wettbewerb als Partner in der Kategorie Nachwuchs.

Den «MILESTONE Nachwuchs» erhalten Persönlichkeiten mit einem aussergewöhnlichen Leistungsausweis in Tourismus, Hotellerie oder Gastronomie. Für den Nachwuchspreis können sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen ausgezeichnet werden. Es können Personen bis zu ihrem 32. Geburtstag ausgezeichnet werden. Das Bewerbungsverfahren für den «MILESTONE Nachwuchs» erfolgt über «Scouting». Das Nachwuchs-Talent wird von Persönlichkeiten aus der Branche mittels eines Empfehlungsschreibens der MILESTONE Geschäftsführung genannt. Die vorgeschlagenen Personen werden dann von der Geschäftsführung kontaktiert und eingeladen, eine Bewerbung einzureichen. Eine Beurteilung und allfällige Nomination durch die Jury kann erst erfolgen, wenn alle nachfolgend aufgelisteten Angaben eingegangen sind: Lebenslauf inkl. Foto, Beschreibung des persönlichen Leistungsnachweises, Darstellung eines eigenen Innovationsbegriffs und dessen Umsetzung in der eigenen Tätigkeit, Nennung der persönlichen Ziele für die nächsten fünf Jahre. Selbstverständlich warten für den Gewinner spannende Leistungen, welche den eingeschlagenen beruflichen Weg weiter fördern werden.

Als Verantwortliche unserer Destinationen sind wir an der Basis und kennen unsere Leistungsträger. Deshalb sind wir alle aufgerufen, diesen Nachwuchspreis zu unterstützen und unsere Talente zu motivieren, sich zu bewerben. Es ist Ehrensache, dass ich mir als MrGstaad mal überlegen werde, wer in unserer Destination denn so in Frage käme….

Eine weitere Top Veranstaltung der Schweizer Tourismusbranche findet übrigens am 15. November 2015 in Bern statt. Die Milestone Award Gala.

Freitag, 1. April 2016

Gstaad – gated community

Eine lockere und freundliche Gesprächsrunde

Ist Schnee von gestern? So lautete das Leitthema des 3. Bernerhof-Gesprächs, welches Ende März stattgefunden hat. Eingeladen waren die lebende PR-Legende Klaus J. Stöhlker, der Erlebnis-Inszenierer Otto Steiner und MrGstaad. Der Anlass wurde moderiert durch Sonja Hasler, kompetent und charmant wie eh und je.

Ich durfte mit meinem Referat den Abend eröffnen und erzählte von den Sorgen und Nöten der fiktiven Destination „Hingere Chrache“. Eine Destination, wie sie stellvertretend für viele Tourismusorte im alpinen Bogen sein könnte. Hingere Chrache steht vor grossen Herausforderungen anlässlich des fundamentalen Wandels, welcher einige Tourismusorte im alpinen Bogen durchschütteln wird. Glücklicherweise hat Hingere Chrache einen milliardenschweren Investor an der Angel. Dieser will in den Ort investieren und mit ihm zahlreiche seiner Freunde. Nun diskutieren die Tourismusverantwortlichen im Dorf strategische Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft.

Szenario 1 beschreibt das Modell einer sog. „gated Community“. Ein Resort für die Superreichen dieser Welt. Hingere Chrache wird für Normalsterbliche dicht gemacht. Es wird in Infrastrukturen investiert, welche das ganze Jahr hindurch eine angenehme Lebensqualität ermöglicht. Sei es für sog. „permanent residents“ oder eben auch nur für solche, welche in Hingere Chrache einen Zweitwohnsitz erwerben, soweit dies gesetzlich möglich ist.

Grundmodell der gated Community für Hingere Chrache (skizzenhaft)

Szenario 2 beschreibt den Wandel vom reinen Landschafts- und Infrastrukturvermarkter hin zu einem proaktiven Produktentwickler. Touristische Produkte und Angebote stehen im Zentrum dieses Ansatzes. Getreu einer fokussierten Destinationsstrategie soll die Destination das Ruder selbst in die Hand nehmen und zusammen mit den Leistungsträgern und weiteren Anspruchsgruppen das Rad der Produkte-Innovation drehen. Eine klare Segmentierung in Gäste- und/oder Märkte soll dabei helfen, das richtige Produkt oder Angebot zum richtigen Zeitpunkt an den Gast zu bringen. Die Zeiten des touristischen Gemischtwarenladens sind dann endgültig vorbei. Die extreme Polarisierung Winter/Sommer ebenfalls. Vielmehr soll ein Ganzjahres-Tourismus angestrebt werden.

Szenario 2 und 3 sind beinahe identisch. Mit der Ausnahme dass die dritte Strategie noch ein sog. Leuchtturm-Projekt verfolgt. Dieser neue, touristische Leuchtturm soll zur Drehscheibe der Destination werden. Leuchttürme können zum Beispiel eine neue und innovative Erlebnis-Bergbahn sein, ein Erlebnis-inszeniertes Bergdorf oder ein grosses Kulturzentrum, wie das bspw. die Gstaader mit ihrem Projekt „lesartsgstaad“ verfolgen. Ein solcher Leuchtturm soll dann einen möglichst hohen Gästestrom über einen längeren Zeitraum zum Ziel haben.

Das Bernerhof-Gespräch nahm dann seinen gewohnten Lauf, insbesondere wenn zwei wortgewaltige Alpha-Tierchen (Stöhlker/Steiner) aufeinander treffen. Vergessen wurde das generelle Themensetting, welches von einer Auseinandersetzung mit den Problemen alpiner Destinationen ausging. Vielmehr wurde die Destination Gstaad ins Zentrum der Ausführungen gerückt. Interessanterweise nahm dabei Klaus J. Stöhlker auf Szenario 1 von Hingere Chrache Bezug und erklärte im positiven Sinne, dass Gstaad momentan ja nichts anderes als eine „gated Community“ sei und damit für die Zukunft das Chancenplus auf seiner Seite hätte.

Weg von Hingere Chrache und zurück zum realen Gstaad. Bald gelangen die Initianten (Gemeinde Saanen, BDG AG und GST) der neuen Destinationsstrategie an die Öffentlichkeit. Zusammen mit verschiedenen Anspruchsgruppen wurde in den letzten Monaten intensiv daran gearbeitet. Ich darf an dieser Stelle schon ein bisschen davon verraten. Szenario 1 spielt auch in der realen Destinationsstrategie von Gstaad eine zentrale Rolle. Die Destination will definitiv zu einem „last paradise in a crazy world“ werden. Vor allem für diejenigen, die es sich leisten können. In den kommenden Jahren werden verschiedene Grossprojekte lanciert, um dieses Ziel mit aller Konsequenz zu erreichen.

Ein erstes, bekanntes, Projekt ist der Ausbau des Flugplatzes Saanen. Ebenfalls bekannt ist das Projekt „lesartsgstaad“. Neu hinzukommen folgende Projekte:

Medical

Die Zielsetzung hier besteht darin, dass sowohl die medizinische Grund- und Erstversorgung auf absolutem Spitzenniveau angeboten werden kann. Weiter sollen sog. „Medical Wellness Zentren“ entstehen, wo sich Superreiche von ihren medizinischen Behandlungen erholen können.

Mobility

Bei diesem Projekt geht es um die Erreichbarkeit von Gstaad. Strasse und Schiene sollen in einer ersten Phase modernisiert werden. In einer zweiten Phase sollen alternative Mobilitätsformen geprüft und umgesetzt werden. Die Vision einer Alpen-Metro soll wiederbelebt werden. Den Bergfrühling in Gstaad geniessen und eine halbe Stunde später in Zermatt zum Frühlingsskifahren gehen, soll keine Utopie mehr sein. Und dies notabene nicht mit dem Hubschrauber, da der Luftraum über Gstaad möglichst frei bleiben sollte. Phase 3 sieht dann eine Renaturalisierung des Flugplatzes Saanen vor, da mit der Alpen-Metro die Gäste innert 10 Minuten vom Flugplatz Sitten in Gstaad sein werden.

Lodging

Neue Beherbergungsformen bzw. Eigenheimsiedlungen sind hier Gegenstand des Projekts. Einerseits soll die Destination die Möglichkeit haben, dass durch den Erwerb von Erstwohnsitzen, neue Steuerzahler gewonnen werden können. Andererseits soll auch das neue Regime des Zweitwohnungsgesetzes dazu genutzt werden, neue Wohnungen zu bauen, welche dann im Sinne der „Sharing Economy“ bewohnt werden.

Depopulation

All die neuen Gäste und „permanent residents“ brauchen Platz. Dieser wird dadurch geschaffen, dass für die Einheimischen neue Wohnräume geschaffen werden. Diese finden sich dann vorzugsweise im benachbarten Obersimmental und im Pays d’Enhaut, beginnend ab Rossinière.

Security

Ein ausgeklügeltes und professionelles Sicherheitssystem (Drohnen, Sicherheitskräfte, mobile Einsatzeinheiten, etc.) soll dafür sorgen, dass sich unsere Gäste wirklich auf einem letzten Flecken heiler Erde befinden. Getreu nach dem Slogan „come up – slow down“.

Selbstverständlich ist dies nur ein kleiner Ausschnitt aus der neuen Destinationsstrategie. Gibt es doch noch mehr Teilprojekte. In wenigen Monaten ist es soweit und die neue Strategie wird der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Sie dürfen gespannt sein. Haben Sie deshalb also noch ein bisschen Geduld, liebe Leser.

Freitag, 4. März 2016

100 Tage

Der Winter ist da

Freitag, 4. März 2016. In Gstaad ist es diese Saison erstmals so richtig Winter. Heisst nicht, dass man bis anhin diesen Winter hier nicht Skifahren konnte. Seit Dezember war dies jederzeit möglich, manchmal mit ein bisschen mehr, manchmal mit ein bisschen weniger Aufwand. Alles in allem ist der Winter 15/16 eine harzige Angelegenheit. Nicht nur in Gstaad, sondern im gesamten Alpenbogen. Einer, der in diesem Winter gleich zweimal – stille Sanierung sowie Wetterkapriolen – so richtig gefordert wurde, hat sich heute Morgen auf der Terrasse des Haus des Gastes meinen Fragen gestellt.

Matthias In-Albon, gebürtiger Walliser und vorher bei den Saastal Bergbahnen tätig, trat im Dezember die Stelle des Geschäftsführers der Bergbahnen Destination Gstaad AG an. Die Bergbahnen sind in der Destination seit jeher ein hochemotionales Reizthema. Das veränderte touristische Nachfrageverhalten, gepaart mit dem sog. Wettrüsten in den Alpen sowie die sehr heterogene Interessenlage innerhalb der Destination sorgen dafür, dass diese Funktion nicht unbedingt einem Schönwetterspaziergang gleichkommt.


Espresso und Interview

1.) Warum bist du in die Destination gekommen?

Die Herausforderung die Bergbahnen wieder in ruhigere Gewässer zu führen, Festgefahrenes zu ändern und die Möglichkeit Neues zu gestalten, haben mich dazu bewegt.

2.) Welche Rolle soll die BDG im touristischen Gesamtgefüge spielen?

Die Bergbahn ist meines Erachtens der Motor dieser Tourismusregion und muss diese Verantwortung wieder aktiv wahrnehmen können. Allgemein gehören die Bergbahnen zu den wichtigsten Leitbranchen im Schweizer Tourismus. Leider wird vielfach ihre gesamtwirtschaftliche Bedeutung stark unterschätzt.

3.) Was sind deine Ziele bei der BDG?

Ich will, dass sich die BDG zu einer modernen Tourismus- und Bergbahnunternehmung mit professionellem Führungsteam, proaktiver Dienstleistungskultur und ergebnisverantwortlichen Unternehmenseinheiten transformiert wird, dass sie ihre Markt- und Kundenorientierung in allen Unternehmensbereichen und -funktionen nachhaltig verbessert und dass die BDG bezüglich Effizienz, Flexibilität und Innovation zu einem Benchmark in der Branche mutiert. Die Bevölkerung soll wieder stolz auf ihre Bergbahn sein können.

4.) Die Firma ist personell sehr geschwächt. Viele Aufgaben ziehst du an dich. Was tust du, dass es nicht zum berüchtigten Flaschenhals sprich operativen Stau kommt?

Ich ziehe Aufgaben an mich, weil wir nicht von sollten, könnten, würden, sondern MACHEN reden müssen. Probleme sind an der Wurzel anzupacken und unser Motto ist «Let’s do it». In einem KMU muss jeder flexibel sein und anpacken, wo Not am Mann ist. Das lebe ich vor und erwarte es auch von allen Mitarbeitern. Den berüchtigten Flaschenhals möchte ich mit flacherer Organisation und effizienteren Strukturen entgegenwirken, wobei klar ist, dass in der Übergangsphase dahin gewisse Dinge auf der Strecke bleiben bzw. untergehen.

5.) Wie viele Stunden hat dein Arbeitstag?

Es gibt viel zu tun. Die Anzahl Arbeitsstunden sind dabei nicht relevant. Viel wichtiger ist der Output bzw. sind die Ergebnisse.

6.) Bist du ehrgeizig? Oder etwas provokativ gesagt: Was reizt dich daran, auf einem Wrack wie der BDG Kapitän zu spielen?

Ja, ich bin ehrgeizig und gebe Ziele nicht schnell auf. Die Bergbahnen Destination Gstaad muss betrieblich wieder schwarze Zahlen schreiben und wie bereits gesagt, in ruhigere Gewässer kommen. Mich persönlich reizt die „Kapitänrolle“ auf stürmischer See und das Schiff in den Hafen manövrieren zu können. Mir ist bewusst, dass dies eine Herausforderung ist, aber keine unmögliche Aufgabe.

7.) Was weisst du über die künftige Destinationsstrategie, die aktuell in Bearbeitung ist?

Die Bergbahnen Destination Gstaad sind wie die weiteren Leistungsträger in diesem Gestaltungsprozess aktiv involviert. Die Ausarbeitung der künftigen Destinationsstrategie befindet sich in der Schlussphase. Dementsprechend können nun die Strukturen für dessen Umsetzung definiert werden.

8.) Wird sich die BDG darin integrieren?

Als wichtiger Player der Destination und auch als Mitgestalter des Prozesses ist die Integration darin klar sichergestellt.

9.) Was ist der Unterschied zwischen Saas-Fee und Gstaad?

Ein grosser Unterschied ist sicher die Gästestruktur. Der Tagesgast in Saas-Fee macht aufgrund der topographischen Lage einen marginalen Teil aus. Hier hat das Skigebiet von den Bergbahnen Destination Gstaad viel bessere Karten. Auf der anderen Seite ist das Skifahren anders positioniert: Saas-Fee spricht mehr den sportlichen aktiven Gast bzw. den Rennsport an – Gstaad steht mehr für alpines Erlebnis, Genuss und Sicherheit. Weiter ist anzumerken, dass hier zum Skifahren aufgrund des vorhandenen lieblichen und sanften Geländes viel weniger Schnee nötig ist als im steinigen hochalpinen Gelände.

10.) Hältst du die Trennung Bergbahnen und Tourismusorganisation für sinnvoll und wenn nein, was wäre aus deiner Sicht eine Alternative, über die noch nicht diskutiert worden ist?

Es macht eindeutig Sinn, dass der Bereich der Marketingaktivitäten gebündelt wird, die Strukturen im Marketing zusammengelegt werden und dass wir gegen aussen gemeinsam als eine Marke auftreten. Schlanke Strukturen sind dabei stets anzustreben.

11.) Hättest du dir den Job hier so vorgestellt?

Ich wusste, auf was ich mich eingelassen habe und die angetroffene Situation war keine Überraschung. Dank der Branchen-, Change- und Restrukturierungserfahrung brauchte ich keine grosse Einarbeitungszeit und kann jetzt direkt handanlegen.

12.) Haben sich deine Führungsprinzipien im Lauf der Zeit verändert?

Ja, sicher. Meine Tätigkeit anfangs bei der Lonza und auch später bei der Saastal Bergbahnen war jeweils ein Sprung ins kalte Wasser. Dabei musste ich Dinge sehr schnell lernen. Und natürlich auch erfahren, dass gelernte Theorien vielfach wenig nützen. So wird mir heute immer stärker bewusst, wie wichtig es ist, dass alle Mitarbeitenden dieselben Ziele haben, am selben Strick ziehen. Danach ergibt sich vieles von selbst. Dazu haben wir den MIKE ins Leben gerufen. Das bedeutet: Wir arbeiten Miteinander und sind Innovativ. Der Kunde steht bei uns im Mittelpunkt, und wir wollen das Richtige Effizient tun! Der Kürzel MIKE ist dabei nicht nur der Name unseres witzigen Maskottchens‚ sondern steht auch für einen verbindlichen Anspruch an die BDG wie individuell an alle Mitarbeiter.

Lieber Matthias, ich danke Dir für das Gespräch und wünsche Dir in deiner Aufgabe viel Erfolg und Befriedigung. Let’s do it!

Und wieder zurück in seinem Büro

Montag, 29. Februar 2016

Das Tourismusjahr 2014/15

Titelseite des neuen Geschäftsberichts

Das Tourismusjahr 14/15 ging bereits im Oktober 2015 zu Ende und das laufende Tourismusjahr hat uns voll im Griff. Durchzogenes Winterwetter und Stagnation in den Märkten sei Dank. Traditionell dürfen wir im ersten Quartal auf das vergangene Tourismusjahr zurückblicken und tun dies mit unserem Geschäftsbericht, welcher ab sofort bei uns im Haus des Gastes in Gstaad erhältlich ist.

Das vergangene Tourismusjahr stand unter keinen guten Vorzeichen. Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank, den Mindestkurs zum Euro aufzuheben, zeichnete tiefe Sorgenfalten in die Gesichter zahlreicher Schweizer Touristiker. Auch im Saanenland. Trotzdem, oder gerade deswegen, steckten wir aber die Köpfe nicht in den Sand. Vielmehr konnten wir auch dieses Jahr mit einigen Highlights und seriöser Arbeit aufwarten, um erfolgreich dem scharfen Gegenwind zu trotzen. Dies stets mit Bedacht auf die langfristige Zukunft. So verlief der Start in die Wintersaison sehr schneearm. Kurz vor Weihnachten waren die Hänge bis weit oben einfach nur grün bzw. braungrün. Zusammen mit zahlreichen Leistungsträgern und Behördenvertretern entwickelten wir ein Alternativ-Szenario für eine schneearme Weihnachtssaison, welches wir dann glücklicherweise doch nicht benötigten, da es am 26.12.2014 eine Ladung Schnee abwarf. Im Frühjahr starteten wir dann unsere Rennrad-Initiative. Roadbook, Rennrad-Movie, Medienreisen und ein Testweekend mit unserem strategischen Partner Scott sind der Beweis dafür, dass unsere Destination einzigartige Standortvorteile in diesem stark wachsendem Segment vorweist.

Ein Highlight war auch unser Tag der offenen Tür. Obwohl GST regelmässig und mediengerecht Unternehmenskommunikation betreibt, besteht bei vielen Anspruchsgruppen ein Informationsdefizit über die tatsächlichen Tätigkeiten, die durch GST erledigt werden. Dies führt oft zu einer diffusen Informationslage in der Region, die dem GST mehr schadet als nützt. Ein Tag der offenen Tür bietet allen Abteilungen die Chance, sich, ihre Arbeit und das tägliche Spannungsfeld der diversen Interessenlagen transparent und sympathisch darzustellen. Dieser Tag im Mai war ein voller Erfolg. Wir wurden von Besuchern quasi überrannt und konnten unsere diversen Tätigkeiten kompetent und motiviert unseren Gästen näher bringen.

Das stärkste Ergebnis im 6-Jahresvergleich

Während der Sommersaison spürte man verstärkt einen Zustrom von Gästen aus den sog. neuen Märkten. Diese waren in diesem Tourismusjahr unsere Rückversicherung. Das erneute Wachstum aus Märkten wie bspw. Südostasien oder den Golfstaaten sorgte nämlich dafür, dass der markante Abgang (Eurobedingt) aus den traditionellen Märkten kompensiert werden konnte. Wichtig zu erwähnen ist, dass dies mehrheitlich nicht mit Gruppengästen, sondern mit individual reisenden Gästen geschah. In der Logiernächtestatistik vom Tourismusjahr 14/15 können wir denn auch die positive Entwicklung vom letzten Jahr bestätigen. Im 6- Jahresvergleich wurde somit das stärkste Ergebnis erzielt. Für das laufende Tourismusjahr kann ich aber jetzt schon mit absoluter Sicherheit sagen, dass dieses Ergebnis nicht wieder erreicht werden kann. Mehr dazu dann an unserer HV vom 15.3.2016, zu der Sie natürlich ganz herzlich eingeladen sind.

Mittwoch, 24. Februar 2016

Jeder Gast ein König und jeder König nur ein Gast

Mit diesem Zitat machte sich der Hotelpionier Ernst Scherz definitiv zur Legende. Zurzeit sind im Saanenland wieder zahlreiche Könige bzw. Gäste anwesend. Die Hochsaison im Februar ist in vollem Gange. Als MrGstaad hat man vor allem dann immer wieder die Gelegenheit, spannende Persönlichkeiten zu treffen, welche ihre Ruhe und Erholung in Gstaad suchen. In den letzten Tagen ist dies wieder passiert. MrGstaad erhielt eine Audienz bei einem Mitglied einer Königsfamilie. Ganz der Diskretion verpflichtet und wie es sich für Gstaad gehört, bleiben Name und Herkunft das Geheimnis von MrGstaad. Deshalb finden sich auf diesem Blog für einmal keine Fotos oder Videos.

Es war mir eine Ehre und Freude zugleich, seiner Hoheit ein paar Fragen zu Gstaad stellen zu dürfen. Ich fragte unter anderem, welcher Grund für eine Reise nach Gstaad ausschlaggebend war und welche Aktivität in den letzten Tagen am meisten Spass gemacht habe. Viele Freunde hätten immer wieder von Gstaad und seiner Magie erzählt, deshalb sei der Reiz gross gewesen, dies mal selber zu erleben und sich das Erzählte bestätigen zu lassen. Seine Hoheit fand in den letzten Tagen vor allem grossen Spass am Schlitteln und sei jeweils mit Top Speed auf den Schlittel Pisten gesichtet worden.

Seine Hoheit gilt als versierter Kenner der weltweiten Tourismusindustrie. Andere europäische oder nordamerikanische Bergdestinationen sind bestens bekannt. Um nur einige zu nennen; Courchevel, Aspen, St. Moritz oder Kitzbühel. Ich habe seine Hoheit auch gefragt, wo dann der grosse Unterschied zwischen Gstaad und den anderen Orten liege. Positiv überrascht hätte seine Hoheit die hervorragende Gastfreundschaft in Gstaad, gepaart mit einem unglaublichen Angebot an erstklassiger Hotellerie und Spitzengastronomie. Interessant seien auch die spannenden Gegensätze. Alp- und Landwirtschaft findet hier noch statt und zwar authentisch. Dieser Mix sei für einen Gast, welcher schon viel auf der Welt gesehen hat, einzigartig. Absolute Vorteile geniesst Gstaad auch in der Architektur. Die ganze Region wirkt harmonisch unaufgeregt. Die strikten Baureglemente lassen keine Experimente zu und dies sei für einen Tourismusort mit einer dermassen reichen Vergangenheit matchentscheidend.

Zusammen haben wir natürlich auch in die Zukunft geschaut und erörtert, welche Potentiale dann noch in Gstaad bzw. im Saanenland schlummern. Hier kam von seiner Hoheit ganz klar und deutlich zur Antwort, dass man unbedingt die Jugend nicht vergessen darf. Es fehlt an entsprechenden Angeboten (z.B. Nachtleben oder Produktgestaltung im sportlichen Bereich) und diese seien zwingend nötig, will man eine erlebnishungrige Klientel für die Zukunft sichern. Auch dürfte man sich durchaus zur Schärfung der Positionierung noch ein paar Gedanken machen. Ein Gemischtwarenladen verbraucht zu viele Ressourcen. Eine Destination müsse sich fokussieren, damit die vorhandenen Mittel besser und zielgerichteter eingesetzt werden. Gstaad hat eine glorreiche Vergangenheit und Gegenwart als Hot Spot der Elite dieser Welt. Dies müsse man unbedingt bewahren und für die Zukunft noch mehr ausbauen.

Ich bedanke mich an dieser Stelle herzlich für das offene Gespräch und freue mich, seine Hoheit bald wieder in Gstaad willkommen zu heissen.

Donnerstag, 28. Januar 2016

Deux im Schnee – ein Pilotprojekt

Schon Vico Torriani hat es besungen

Meine obligatorische Schulzeit ist schon eine Weile her. Die Primar- und Sekundarschule absolvierte ich von 1980 – 1989. Damals galt noch die Devise „alles fährt Ski“. Die Erfolge von Erika Hess, Pirmin Zurbriggen & Co. lassen grüssen. Wir Schüler aus dem Mittelland wurden im Rahmen der Schulaktivitäten schon früh mit dem Schneesport konfrontiert. Sei dies auf Langlauflatten querfeldein durch die verschneite Mittellandebene oder mittels Skiausflügen nach Bumbach oder in den Gantrisch. Ab der fünften Klasse durfte bzw. musste man dann für eine Woche ins Skilager. Es gab praktisch keine Ausnahmen. Für mich persönlich waren diese Skilager die Schulhighlights des Winter-Halbjahres. Ein Höhepunkt jagte den anderen. Fremde, neue Orte (Adelboden, Evolène, Villars, Leukerbad), heldenhafte Skisafaris, delikate Lagerküche, Lagerstreiche, Lagerdisco, Lager-Schätzli, usw. Alles war dabei. Für mich wären allein diese vielen schönen Erinnerungen Grund genug, um jedes Jahr in die Schweizer Berge in den Skiurlaub zu fahren. Aber das muss ich ja nicht, ich habe ja meine Leidenschaft schon zum Beruf gemacht und wohne in Gstaad und habe das Winter-Paradies vor der Haustüre.


Zum Link

Doch die Zeiten ändern sich. Mit dem Ende meiner obligatorischen Schulzeit wurde wohl auch der Niedergang (ich habe nichts damit zu tun) der Schulskilager eingeläutet. Dieser Niedergang setzt sich bis heute fort. Der fundamentale Nachfragewandel sowie demografische und gesellschaftliche Veränderungen sind dafür verantwortlich. Für die alpinen Tourismusdestinationen eine ernstzunehmende Entwicklung. Die jungen Leute sind die Gäste von morgen. Wird der Schneesport an Schulen nicht mehr so gefördert wie früher, drohen der Branche mittel- bis langfristig wichtige Kundensegmente wegzubrechen. Dies ist allgemein bekannt und deshalb nicht näher auszuführen. Jetzt gibt es verschiedene Strategien (nicht vollzählig und nicht abschliessend), wie man diesem Trend entgegenwirken kann.
  1. Man tut nichts, schaut zu und lässt es geschehen
  2. Man setzt sowieso nicht mehr auf den Schneesport, reduziert die Anlagen bzw. das Angebot und baut den Sommer aus
  3. Man setzt für die kommenden 3 – 4 Jahrzehnte noch auf Schneesport, investiert in Qualität vor Quantität, reduziert die Anlagen und fokussiert sich erlebnisorientiert auf das Produkt „Schneesport“, indem man auf innovative Art und Weise das Thema bespielt.

Sportlich unterwegs bei besten Verhältnissen

GST hat sich in einem kleinen, aber feinen Projekt der dritten Strategie gewidmet. Ein Pilotprojekt mit zwei ambitionierten Zielen ist im Januar 2016 in Gstaad an den Start gegangen: Vor dem Hintergrund des interkulturellen Austauschs über den „Röschtigraben“ hinweg und der Nachwuchsförderung für den Schneesport trafen sich zehn Klassen aus den Kantonen Bern, Genf und Zürich zu zweisprachigen Schneesportlagern unter dem Titel „Deux im Schnee“. Gemeinsam im Schnee, zusammen im Ferienheim, bei weiteren Freizeitaktivitäten und im Kontakt mit der lokalen Bevölkerung sollten sie Sprachbarrieren überwinden und damit den Zusammenhalt der Schweiz fördern. Lesen Sie dazu bitte unsere ausführliche Medienmitteilung. Das Pilotprojekt endet diesen Freitag. Soviel steht jetzt schon bereits fest, bevor die beteiligten Partner ein ordentliches Debriefing machen. Falls irgendwie möglich, müsste fürs 2017 eine Reprise in Angriff genommen werden. Deux im Schnee hat nämlich die nachfolgenden Ziele voll erfüllt.
  1. Förderung der schneesportlichen Aktivitäten der Bevölkerung, insbesondere der Jugend
  2. Förderung des soziokulturellen Austausches an Schulen durch Schneesport- und Lageraktivitäten über die Sprachbarrieren hinaus
  3. Förderung des Wintertourismus allgemein, die Tradition der Skilager weiter führen
  4. Die Infrastruktur der Destination besser ausnützen, insbesondere während der Nebensaison
  5. Das Image der Destination verbessern
  6. Mediale Aufmerksamkeit gewinnen

Sie machten es möglich

Ich bin mir sicher, dass einige dieser Schüler in 20 Jahren ihren Kindern davon erzählen, wie toll es damals in Gstaad im Skilager war. Vielleicht tun sie dies dann sogar in der gemieteten Ferienwohnung in Schönried oder in der Hotelsuite in Gstaad. Alles ist möglich.

Gruppenbild zum Abschied

Montag, 25. Januar 2016

Fatbike, ein neues Trend-Schneesportgerät?

Wer kriegt die beste Startposition?

Als ich am letzten Donnerstagabend aufs Podium durfte, um die Athleten zu begrüssen, habe ich mich unter anderem damit vorgestellt, dass ich in meiner Funktion als MrGstaad auch zuständig fürs Wetter und für die Schneeverhältnisse sei. Ich konnte dies zum Glück mit einer gewissen Leichtigkeit tun, präsentierte sich doch das Saanenland in den letzten Tagen von seiner schönsten, winterlichen Seite. Ideale Voraussetzungen also, um das erste Snow Bike Festival Gstaad zu eröffnen.

Think and race pink!

Im Herbst 2013 haben wir sie gegründet, die Gstaad Bike World GmbH, mit dem klaren Ziel, die Destination Gstaad Saanenland hinsichtlich Bikepositionierung zu schärfen. Rund zweieinhalb Jahre sind inzwischen vergangen und es erfüllt mich mit Stolz, dass wir einen ersten internationalen Event mit grossem Entwicklungspotential in die Destination holen konnten. Die Gstaad Bike World hat den Anspruch, das Thema Bike ganzheitlich zu betrachten. Deshalb erstaunt es nicht, dass wir neben dem klassischen Mountainbike, das E-Bike, das Roadbike oder eben auch das Fatbike in die Produkt- und Angebotsgestaltung einbauen. Zugegeben, im Kernbereich „Mountainbike“ verzögert sich die Weiterentwicklung ein bisschen. Gründe dafür sind mannigfaltig. Zum einen wurde das Thema „Mountainbike“ inzwischen zu einer kantonalen Angelegenheit (Richtplanung), was zum Beispiel die Entwicklung bzw. die Signalisierung von Routen betrifft. Dies führt leider zu gewissen zeitlichen Verzögerungen, welche wir nicht beeinflussen können. Zum anderen braucht die Umsetzung eines Bikeparks an einem bestimmten Berg einfach ein bisschen mehr Geduld und Geld als gedacht (komplexes Partner- bzw. Anspruchsgruppenmanagement). Doch wir sind ebenfalls sehr froh darüber, dass junge Einheimische mit unserer Unterstützung bereits schon zweimal den „Rellerli Ride Rookies Contest“ durchführen konnten. Ebenfalls ein starkes Zeichen für die Weiterentwicklung zur Bikedestination. Produkt- und Angebotsgestaltung in den Bereichen E-Bike und Roadbike sind naturgegeben wesentlich einfacher.

Eine Parforce-Leistung auf dem Fatbike-Tandem

Doch nun zurück zum sportlichen Teil des Snow Bike Festival Gstaad. Während drei Tagen konnte man im Saanenland Fatbike-Sport auf höchstem Niveau erleben. Das Schöne daran ist, dass dieser Sport (noch) völlig heterogen unterwegs ist. Ein buntes Völkchen von Fatbike-Enthusiasten belebt die Szenerie. Vom Profi bis zum absoluten Freizeit-Fatbiker, alles ist dabei. Dies gibt dem Sport den Spirit, welcher vielleicht bei anderen, kommerzialisierteren Disziplinen längst verloren gegangen ist. Hoffentlich wird dies noch ein bisschen so bleiben. Denn gerade für die Medien sind solche ungeschminkte, ehrliche Geschichten Gold wert. Das Medieninteresse war auf jeden Fall ungemein hoch und bereits mit der ersten Austragung schafften wir es in die ZDF-Sportreportage. Kommt hinzu, dass auf den Social Media die Post regelrecht abging. Ganz im Sinne der Gesamtklassementersten, welche mit ihren Resultaten für die Austragung 2017 die Messlatte bereits sehr hoch angesetzt haben.

Die Gewinner wurden mit der Kutsche abgeholt

In diesem Sinne freue ich mich bereits jetzt schon auf den Januar 2017 und es wird dann noch mehr Schnee und noch mehr Sonne geben. Und vielleicht mischt dann auch MrGstaad im Fahrerfeld fleissig mit.

Alle Zuschauer waren begeistert - Alle?

Herzlichen Dank für Ihre Kommentare zu gelesenen Artikeln!