Herzlich Willkommen. Dieses Tagebuch vermittelt Einblicke in eine der renommiertesten, profiliertesten und genussreichsten Ferienregionen der Schweiz aus dem Blickwinkel ihres Tourismusdirektors.


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Montag, 18. August 2014

Farinet und die Filmmusik

Letztes Wochenende durfte ich Kultur gleich in doppelter Ausführung erleben. Mein Beruf als Tourismusdirektor führte mich an die glanzvolle Eröffnung der Zeltkonzerte des Menuhin Festivals. Tags darauf besuchte ich dann das Freilichttheater „Farinet – der Falschmünzer“.

Joseph-Samuel Farinet war ein Schmuggler und Falschmünzer, welcher im Unterwallis des 19 Jahrhunderts zu einem Volkshelden wurde. Er war grosszügig, fröhlich und charmant. Für viele Unterwalliser war er einer von ihnen. Für sie war er einer der gegen das zentralistische Bern kämpfte, der die Armen unterstützte und der als Mann des Volkes galt. Durchaus vergleichbar mit Robin Hood oder Wilhelm Tell. Schriftsteller haben sein Leben in einem Roman wiedergegeben, Regisseure haben es verfilmt oder auf die Theaterbühne gebracht.

Würde es einen Hollywood-Film darüber geben, dann wäre die dazugehörige Filmmusik sicherlich vollgespickt mit schwungvollen Melodien, dramatischen Übergängen und gefühlvollen Zwischentönen. Filmmusik-Komponisten wie John Williams (Harry Potter, Indiana Jones, Star Wars), John Barry (Dances with Wolves, James Bond) oder James Horner (Titanic, the Mask of Zorro, Avatar) wären dazu die idealen Kandidaten gewesen. Die Werke der drei genannten Komponisten waren übrigens letzten Freitag die Hauptzutaten für das musikalische Gala-Menu, welches das 21st Century Symphony Orchestra dem Publikum anlässlich der Eröffnung der Zeltkonzerte des Menuhin Festivals servierte. Bereits zum zweiten Mal – nach letztem Jahr – wurde Filmmusik vor vollen Rängen und mit grossem Erfolg live aufgeführt. Das 21st Century Orchestra – unter der Leitung von Ludwig Wicki – musizierte tadellos, mit voller Hingabe und Virtuosität. Viele Gäste im Publikum fühlten sich in die 90er Jahre zurückversetzt, als mit dem „Cinemusic-Festival Gstaad“ ein Event die Filmmusik zum Leitthema eines Festivals machte. Das Menuhin Festival dauert übrigens noch bis in den September hinein und wartet mit weiteren musikalischen Leckerbissen auf.

Ludwig Wicki in Aktion
Das Leitthema des Freilichttheater Saanenland war für dieses Jahr die Inszenierung des Stückes „Farinet – der Falschmünzer“. Am 8. August feierte man Premiere und wurde seither leider ein bisschen vom Wetterpech verfolgt. Eine gedeckte Tribüne sorgte aber dafür, dass zumindest die Zuschauer vom Regen verschont blieben. Letzten Samstagabend fand dann endlich die erste trockene Aufführung statt und man spürte förmlich die Erleichterung der Laientruppe. 

Noch ist es ruhig auf der Freilichtbühne
Weitere 6 Aufführungen stehen nun bevor und für jede einzelne von ihnen wünsche ich warme Temperaturen und trockene Verhältnisse. Verdient hätte die hervorragend eingestellte Crew – unter der Leitung von Ruth Domke – dies alleweil. Mit viel Leidenschaft und Courage wurde hier etwas Wundervolles inszeniert, was sich absolut lohnt, anzuschauen. Die Spielfreude der Theater-Leute ist bei jeder Szene spürbar, die Geschichte fasziniert und die Freilicht-Bühne in Gsteig passt hervorragend.

Die Dorfbewohner feiern die Rückkehr von Farinet (in Frauenkleider, Mitte rechts)

Donnerstag, 24. Juli 2014

Golfsport im Saanenland

Es ist schon eine Weile her, als ich mein Studium mit einem Nebenjob auf einem Golfplatz mitfinanzierte. Ich amtete als sogenannter „Course Marshall“ und überwachte den Spielbetrieb. Eine angenehme Nebenerscheinung dieses Jobs war es, dass ich mich ohne Einschränkungen mit dem Golfspiel vergnügen konnte und dabei noch Geld verdiente. Der Golfvirus hatte mich damals gepackt und ich absolvierte zig Runden, stets in Demut und Respekt vor dem kleinen weissen Ball. Golf zählt mitunter zu einer der schwierigsten Sportarten der Welt.

Der Ball wird angesprochen
Im Berufsleben angelangt, konnte ich mir dann den Golfsport leider nicht mehr leisten. Nicht aus finanziellen, sondern aus zeitlichen Gründen. Es ist deshalb schon rund 8 Jahre her, seit ich meine letzte Runde gespielt habe. Kürzlich habe ich aber wieder mal zu den „Eisen“ (anderes Wort für Golfschläger) gegriffen. Ich tat dies im einzigen hoteleigenen Golfsimulator in Europa mit halbrunder Leinwand, der die Spieler mitten ins Geschehen versetzt. Dieser steht im Grand Hotel Park in Gstaad. Ich war positiv überrascht, wie real sich ein Spiel im Golfsimulator gestaltet. Total wetterunabhängig – was angesichts des bislang wenig überzeugenden Juliverlaufs doch sehr angenehm erscheint – kann man dort sein Können auf den verschiedensten Plätzen der Welt ausprobieren. Stets unter den achtsamen Augen eines Golflehrers (wenn man es dann wünscht, ist aber sicherlich sehr zu empfehlen). Natürlich dürfen auch die technischen Helfer nicht fehlen, welche jede Bewegung aufzeichnen, vermessen und analysieren. Die Golfstunde hat mir sichtlich Spass gemacht und ich überlege mir, irgendwann wieder regelmässig zu trainieren. Wobei ich sagen muss, dass bei mir der Radsport zurzeit Priorität hat und dieser ist ja bekanntlich auch ein zeitintensives Hobby.

Beim Schwung stets den Ball im Auge behalten
 Der Golfsport spielt sich aber primär in der Natur ab und zwar bei jedem Wetter, so lange der Platz bespielbar bleibt. Wer im Saanenland golfen will, der findet oberhalb von Saanenmöser einen traumhaft angelegten 18-Loch Golfplatz. Umgeben von einem Naturschutzgebiet mit Flachmoor von nationaler Bedeutung bietet er jedem Golfer einen absoluten Spielgenuss. An dieser Stelle muss ich ehrlicherweise hinzufügen, dass ich persönlich diesen Platz aus den oben erwähnten Gründen noch nicht gespielt habe. Ich kenne ihn nur durch Begehungen und vom „Hörensagen“. Aber bei Letzterem ist ein bisschen Vorsicht geboten. Golfer sind wie Jäger oder Angler, wenn sie am Stammtisch sitzen. Der Fisch oder die Jagdtrophäe nimmt bei jedem Glas Wein oder Bier an Grösse ein bisschen zu. Ähnlich verhält es sich mit dem Gespielten auf der Golfrunde. Aus einem 180 Meter-Abschlag wird so schnell mal ein 250 Meter-Drive (schmunzel). Dies ist mir übrigens während meiner Golf-Aktivzeit auch schon einige Male passiert und ist völlig menschlich. Ein Besuch des Golfplatzes lohnt sich auch für Nicht-Golfer. Dies einerseits wegen dem Panorama-Blick und andererseits wegen dem kulinarischen Erlebnis. Das mit 14 Gault & Millau-Punkten dekorierte Club-Restaurant ist nämlich auch öffentlich zugänglich und wird vom Gstaader Gastrokönig Robert Speth betrieben. Man kann den Golfplatz wandernd, radfahrend und selbstverständlich auch mit dem Auto erreichen. Und wenn man sich mal eisenschwingend versuchen möchte, dann stehen kompetente Golflehrer parat und führen einem mittels Schnupperstunde in die faszinierende Golfwelt ein. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie den folgenden Warnruf in ihrer Golfkarriere möglichst wenig brauchen müssen. Man schreit ihn mit voller Lautstärke auf den Platz, wenn sich ein Golfplatz in der Flugbahn leicht verirrt und dabei Kurs auf andere Mitspieler nimmt. „Fore!!!“