Willkommen zu den Tagebuch-Einblicken in eine der renommiertesten und genussreichsten Ferienregionen der Schweiz.
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Freitag, 19. Mai 2017

Winterbilanz 16/17

Blick aus meinem Büro auf die Gstaader Promenade, 19.5.2017, 11.00 h

Das schöne Frühlingswetter macht heute für einmal Pause. Ideal, um nochmals kurz auf die vergangene Wintersaison 16/17 einzugehen.

Erneut liegt die gesamte Destination Stand Ende April 2017 hinter dem Vorjahr. Von November – April verliert die Destination rund 0.6 Prozent an Logiernächten in der Hotellerie. Der schleichende Rückgang setzt sich also fort. Wir hatten nun das dritte Jahr in Folge, wo ein sehr schwacher Winterstart (klimatisch in Bezug auf den ausbleibenden Schneefall) das Buchungsverhalten unserer Gäste massiv beeinflusst hat. Fehlen dann im Januar und Februar auch noch die sonnigen und schneereichen Wochenenden lässt sich ein schwacher Winterstart kaum mehr kompensieren. Dies gilt sowohl für das Bergbahngeschäft, als auch für die Hotellerie. Letztere ist aber im Falle des Saanenlandes weniger direkt davon betroffen. Zahlreiche Gäste des Saanenlandes erfreuen sich an diversen Alternativen zum klassischen Skisport. So waren im vergangenen Winter erneut das Langlaufen und das Winterwandern hoch im Kurs. Eine echte Nische bietet sich mit dem Fatbiken. Diese trendige Sportart konnte im letzten Winter erneut medienwirksam in Szene gesetzt werden. Natürlich auch dank unserem Aushängeschild, dem Snowbike Festival Gstaad.

Nov 16 – Apr 17, Logiernächte Hotellerie kumuliert

Erstmals seit mehreren Jahren mussten auch unsere östlichen Nachbarn im Tirol feststellen, dass die Nachfrage nach Wintersportferien nicht endlos ist
. Es fällt zudem auf, dass erstmals seit einigen Jahren der Zustrom von Gästen aus der Schweiz markant abgenommen hat. Dieses Resultat dürfte einigen Touristikern Sorgenfalten in deren Gesichter zeichnen. Es bestätigt sich, dass das Modell des klassischen Wintersport-Tourismus gründlich analysiert werden muss, um den aktuellen und künftigen Bedürfnissen unserer Gäste besser entsprechen zu können. Am Ende des Tages sind die Herausforderungen für den gesamten Alpenbogen die gleichen, Landesgrenzen hin oder her.

Trotzdem können auch positive Schlüsse aus dem vergangenen Winter gezogen werden. Aufgrund des Februar-Benchmark lässt sich feststellen, dass wir – sofern Angebot und Bedingungen stimmen – durchaus noch zulegen können. Der absolute Februar-Überflieger ist Saas Fee mit einer Zunahme von rund 26 %. Ein fantastischer Wert, welcher sich im Übrigen durch den ganzen Winter hindurch gezogen hat. Herzliche Gratulation von meiner Seite zu diesem herausragenden Resultat!

Benchmark nach politischen Gemeinden, Februar 2017 vs. Vorjahr
Quelle: Bundesamt für Statistik sowie TTR

Nun freuen wir uns aber auf die bevorstehende Sommersaison 2017. Diese wird – logiernächtemässig – sehr gut ausfallen. Davon bin ich überzeugt. Die Prognosen dafür stehen nämlich gut. Kommt hinzu, dass die Destination wiederum mit hervorragenden Events (Beach, Menuhin, Tennis Ladies, Tennis Men, Polo, Countrynight) aufwarten kann. Aber auch neue Events, wie bspw. das Zelt, sorgen dafür, dass unsere Gäste im Saanenland voll auf ihre Kosten kommen. Das kumulierte Minus von 0.6 % Stand Ende April 17 könnte sich daher schon bald in ein Plus verwandeln. Will ich doch mein letztes Geschäftsjahr als MrGstaad mit einem positiven Ergebnis abschliessen.

Donnerstag, 6. April 2017

Bachofner macht den Exit (Bexit)

Auch bei den nachfolgenden Zeilen handelt es sich nicht um einen verspäteten Aprilscherz. Anfangs dieser Woche habe ich meinem Präsidenten mitgeteilt, dass ich das Amt des MrGstaad per 31.8.2017 zur Verfügung stelle.

Die vergangenen 6 Jahre in der Destination Gstaad waren äusserst lehrreich, unterhaltsam und erfolgreich für mich. Die Verantwortlichen von GST zeigten 2011 grosses Vertrauen in meine Person und meine Fähigkeiten. Sie wählten einen jungen, knapp 38jährigen Bewerber, der weder Tourismus- noch eine grosse Linien-Führungserfahrung hatte. Sie setzten an die touristischen Schalthebel der Destination Gstaad einen absoluten Grünschnabel. Für dieses Vertrauen bedanke ich mich herzlich und hoffe, ihm gerecht geworden zu sein.

Die eine oder andere Rennvelorunde im Saanenland wird er diesen Sommer noch machen

Der Grund für meinen Weggang liegt darin, dass ich per 1. September 2017 eine neue berufliche Herausforderung angenommen habe. So wurde ich kürzlich zum CEO von Bern Welcome berufen. Diese Unternehmung ist ein Zusammenschluss der wichtigsten Akteure in den Bereichen Tourismus, Veranstaltungen und Kongresse auf dem Platz Bern und befindet sich zurzeit in der Gründungsphase. Operativ wird Bern Welcome den Betrieb im dritten Quartal 2017 aufnehmen. Die entsprechenden Medienmitteilungen findet Ihr hier.

Die Suche nach einer Lösung zu meiner Nachfolge ist bereits aufgegleist. Operativ stehe ich GST noch bis in den Sommer 2017 zur Verfügung. Mein genaues Austrittsdatum ist noch offen. Es bleibt somit also noch genug Zeit, um wichtige Projekte für GST bzw. für die Destination abzuschliessen bzw. übergabefertig zu machen sowie mich Euren Fragen und Anliegen zu stellen. Selbstverständlich wird hier an dieser Stelle auch noch der eine oder andere Blog-Beitrag von mir zu lesen sein.

Herzlich,

Martin Bachofner

Montag, 3. April 2017

LEXIT

In der Destinationsbildung des Kantons Bern ist man seit vergangenem Freitag zurück auf Feld 1. Lenk Tourismus hat anlässlich ihrer Vereinsversammlung den Antrag zum Beitritt zur Tourismusorganisation Adelboden-Lenk-Kandersteg (TALK) mit deutlichem Mehr abgelehnt. In Sachen „Talk“ – notabene ein über zweijähriger Prozess, der am Freitag sein jähes Ende fand – gab die Lenker Tourismus-Stimmbevölkerung am Freitagabend sozusagen den LEXIT (Lenk macht den Exit). Soviel zu den Fakten. Wobei dieses Nein vermutlich auf relativ vielen, heraufbeschwörten Ängsten und Halbwahrheiten beruht. So war am besagten Abend – ich war als Gast dabei – immer wieder von einer drohenden Wasserkopf-Organisation und selbstherrlichen Chefs die Rede. Argumente, wie sie oft am Stammtisch zu hören sind. Nicht nur an der Lenk.
Nun stehen die Türen weit offen für eine neue touristische Destination im westlichen Berner Oberland. Das Niedersimmental sowie das Obersimmental schliessen sich zur Destination „ObsiuNidsi“ – mit Hauptort Lenk – zusammen, was so viel heisst wie rauf und runter. Keine Angst, es handelt sich bei „ObsiuNidsi“ nur um einen verspäteten Aprilscherz. Aber auch diese neue –fiktive – Destination wird ebenso mit den unkontrollierten zyklischen Schwankungen der Märkte zu kämpfen haben, wie viele andere Bergdestinationen auch, welche es noch nicht fertig gebracht haben, über die Täler hinweg zu denken und dabei alte Muster zu durchbrechen.
Ich war zwar nur Gast an diesem Abend, aber nachdem ein paar Mal das Saanenland durch diverse Vorredner erwähnt wurde, entschloss ich mich für ein kurzes offizielles Statement im Namen von Gstaad Saanenland Tourismus (GST).
  1. „Der Tourismus in den Schweizer Bergen ist zurzeit viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als mit dem Markt und mit den Gästen.“
  2. „Jede Struktur mag für Aussenstehende als Wasserkopf erscheinen, vor allem dann umso mehr, wenn sie mehrheitlich mit öffentlichem Geld finanziert ist. Das liegt ein bisschen in der Natur der Sache. Doch neue, moderne Strukturen werden nicht um Köpfe herum gebaut, sondern haben primär der Sache zu dienen. Sie geben Freiräume und setzen damit auch Energie und Kreativität frei, um Mittel zu bündeln, welche effektiv und effizient im Markt und für den Gast eingesetzt werden können.“
  3. „Wagen wir noch einen Blick in die Zukunft. Weltweit touristisch betrachtet ist das westliche Berner Oberland ja sowieso schon wie ein Kopf einer Stecknadel anzuschauen. Deshalb würde es mich nicht erstaunen, wenn künftig nur noch drei sog. Destinationen im Kanton Bern unterwegs sind; Jungfrau, Gstaad und Bern. Kooperation ist somit heute und morgen das Wort der Stunde und je früher wir damit anfangen, desto besser. Gstaad hat sich im Übrigen immer offen gegenüber Gesprächen und Kooperationen mit den Nachbaren, sowohl West und Ost, gezeigt und wird dies auch in Zukunft so handhaben.“
Noch immer sind Neid und Missgunst sowie grosses Misstrauen in neue Strukturen dominant, wenn es um die Meinungsbildung im Tourismus geht. Auch ich musste am vergangenen Freitagabend ein paar Mal hören, wie man sich an der Lenk vor allem als Konkurrent zum Berner Oberland Ost und zum Saanenland sieht. Liebe Leser, unsere direkte Konkurrenz findet sich heute mittlerweile auf der ganzen Welt und besteht primär im multioptionalen und völlig transparenten Freizeitangebot. Ich zücke an einem beliebigen Mittwoch das Smartphone, konsultiere zuerst die Wetter-App, bevor ich dann – nachdem ich festgestellt habe, dass es am Wochenende in den Bergen wohl keine guten Sichtverhältnisse haben wird – zu meiner Reise- und Flug App wechsle und dort einen Wochenend-Trip mit allem Drum und Dran in einer europäischen Grossstadt buche.
 
Dies sind Realitäten, vor denen wir uns nicht verschliessen dürfen. Vor allem dürfen wir dringend nötige Restrukturierungsprozesse in den Schweizer Bergtälern nicht dazu missbrauchen, um irgendwelche Partikularinteressen durchzusetzen, oder auf Personen zu schiessen. Wir stehen dabei nicht nur uns selber im Weg, sondern bremsen gleichzeitig auch die Weiterentwicklung des Tourismus als Wertschöpfungs- und Wohlfahrtsfaktor Nummer 1 an diesen Orten.
Wir sind nun gespannt, wie der Destinationsbildungsprozess an der Lenk weitergeht.

Freitag, 31. März 2017

GCC Workshop


Anfangs dieser Woche fand in der Destination Gstaad der sog. GCC Workshop statt. GCC steht für Gulf Cooperation Council und umfasst die Staaten Saudi Arabien, Kuwait, Oman, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Als Sammelbezeichnung für alle im Golfkooperationsrat vertretenen Staaten wird die Bezeichnung GCC-Staaten verwendet.

Jedes Jahr organisiert Schweiz Tourismus zusammen mit einer Destination diese B2B-Veranstaltung, welche sich zu 100% auf die Bedürfnisse der GCC-Staaten ausrichtet. Die Teilnehmer lernen einerseits die gastgebende Destination kennen und andererseits tauscht man sich in sog. Workshops und Verkaufsgesprächen über die Bedürfnisse der Gäste und über die Vorzüge der teilnehmenden Destinationen und Leistungsträger aus. Das Ganze wird selbstverständlich mit einem dem Anlass gebührenden Rahmenprogramm versehen.

Damit man als Destination die Veranstaltung durchführen kann, muss man ein Dossier einreichen, welches von den kritischen Spezialisten bei ST unter die Lupe genommen wird. Nur wer wirklich in der Lage ist, die hochkarätigen Reisefachleute (Reiseagenten und Schweizer Destinationsvertreter) zu beherbergen und ihnen ein Top-Programm zu bieten, bekommt den Zuschlag. Gstaad hat in diesem Jahr erstmals den Zuschlag erhalten und sich unter der GST-Federführung von Claudia Tschudin und Andreas Zoppas mächtig für unsere nationalen und internationalen Gäste ins Zeug gelegt.

Der Chüjermutz traditionell, das Alphorn aus Carbon, Andreas Zoppas in Aktion

Als Destination ist Gstaad – mit Ausnahme von einzelnen Leistungsträgern – erst seit 2012 aktiv im GCC-Markt vertreten. Durch die damalige Zusatzfinanzierung „Marketing-Push“ war es erst möglich, dass sich GST in die Bearbeitung der sog. Fernmärkte begab. Nach einer gründlichen Analyse und Abstimmung mit den verschiedenen Partnern (u.a. dem Hotelierverein Gstaad Saanenland und explizit auch den Fünfsterne-Hotels in der Destination) entschied man sich damals für die Bearbeitung der folgenden Fernmärkte: China, Südostasien, Indien, Brasilien und eben die besagten GCC-Staaten. Brasilien wurde später dann durch Nordamerika ersetzt, während man am Kurs ansonsten grundsätzlich festhielt. Über die generelle Entwicklung der Fernmärkte habe ich hier an dieser Stelle bereits berichtet. Interessant wird es, wenn wir nun die Golfstaaten explizit ausweisen. Über die letzten fünf Jahre war dies nämlich der für uns mit Abstand am erfolgreichsten wachsende Markt und dies notabene in allen Hotelkategorien.

Entwicklung der Fernmärkte in den letzten fünf Jahren

Aus diesem Grund ist es für uns unabdingbar, an der Strategie hinsichtlich der Bearbeitung dieses Zielmarktes festzuhalten. Bringt doch der Gast aus diesem Markt, ob verhüllt oder unverhüllt, eine überdurchschnittliche Wertschöpfung im Vergleich mit Gästen aus anderen Fernmärkten. Es gibt Stimmen in der Destination, welche sich ausdrücklich nur um unsere einheimischen Gäste bemühen möchten. Mit einem Anteil von über 60 % ist der Schweizer Markt mit Abstand der wichtigste Markt für uns und wir setzen demnach auch am meisten Mittel für die Marktbearbeitung ein. Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass die Konzentration der Kräfte auf nur einen Markt der falsche Ansatz ist. Mit einem geschickten Mix von Diversifikation kann man in der Regel einen Teil der zyklischen Schwankungen, von welchen jeder Markt früher oder später betroffen ist, sehr gut kompensieren.

Die Teilnehmenden hatten sichtlich Spass

Natürlich werden wir den diesjährigen GCC-Workshop gründlich auswerten. Erste Feedbacks, sowohl von Schweiz Tourismus, als auch von den Teilnehmenden, fielen durchs Band hinweg sehr positiv aus. Insbesondere unsere vier teilnehmenden Hotels (leider nur vier) ULTIMA, HUUS, Golfhotel und Arc-en-Ciel waren sehr zufrieden und versprechen sich viel von ihrem Investment. Hat man sich strategisch für die Bearbeitung eines Marktes entschieden, reicht die blosse Teilnahme an einem Anlass wie dem GCC-Workshop jedoch nicht. Gerade in diesen Ländern ist es zwingend, dass man regelmässig an Workshops, Messen, PR Roadshows und sog. Sales Calls teilnimmt. Es geht halt nichts über den persönlichen Kontakt und über das Netzwerk, welches man mit Geduld aufbauen muss, will man langfristig in einem Markt Erfolg haben.

Barbara Klossner alias Miss Helvetia zog die volle Aufmerksamkeit auf sich

Freitag, 17. März 2017

Gstaad Saanenland Tourismus (GST) - Rollen für die Zukunft

In meinem letzten Blog über die GST-Hauptversammlung habe ich es angetönt. Ich werde noch im März über die künftige Ausrichtung von Gstaad Saanenland Tourismus informieren. Dies tue ich nun mit grosser Freude. Nachdem der GST Vorstand in den vergangenen Monaten ein entsprechendes Konzept entwickelt und verabschiedet hat, haben mein Präsident und ich die letzten Wochen genutzt, um dieses unseren relevanten Anspruchsgruppen zu erläutern. Wir waren bei den vier politischen Gemeinden (Saanen, Lauenen, Gsteig und Zweisimmen) der Destination, beim Gewerbeverein Saanenland, beim Hotelierverein Gstaad Saanenland sowie bei sämtlichen Hauptversammlungen unserer Dorforganisationen.

Nicht alles neu - aber geschärft

Mit der Entwicklung der neuen touristischen Destinationsstrategie sowie der Gründung der Gstaad Marketing GmbH hat GST im vergangenen Jahr zwei wegweisende Grundsteine für eine erfolgreiche touristische Zukunft in der Destination gelegt. Am Ziel ist GST damit noch bei weitem nicht. Die Herausforderungen für alpine Regionen werden nicht kleiner. GST möchte einen nachhaltigen Beitrag leisten, damit diese Herausforderungen gemeinsam mit allen Partnern proaktiv angegangen werden können.

GST wird weiterhin der touristische System-Koordinator in der Destination bleiben und trägt nach wie vor massgebend die Verantwortung über das Destinationsmarketing. Letzteres wurde zur besseren Aufgabenerfüllung in die neue Gstaad Marketing GmbH ausgelagert. Im Rahmen der neuen touristischen Destinationsstrategie, der Statuten vom GST und der Führungsrolle des GST-Direktors innerhalb der Gstaad Marketing GmbH wird GST den nötigen Einfluss wahrnehmen können, um ein strategiekonformes Destinationsmarketing auszuüben.

Als System-Koordinator ist es von zentraler Bedeutung, dass ein lokales, regionales, kantonales, nationales und internationales Netzwerk gepflegt wird, weit über den Tourismus hinaus. Es kann so eine Sensibilisierung gegen Innen und gegen Aussen realisiert werden. Zudem ergeben sich aus einer proaktiven Netzwerkpflege bekanntlich immer wieder Initiativen und Projekte, welche für die Erreichung der Destinationsziele ein grosses Potential mitbringen.

Zusätzlich beabsichtigt GST sich in bestehenden Geschäftsfeldern weiterzuentwickeln und seine Leistungen zu verbessern resp. auszubauen. Es ist geplant, die Infrastrukturbereiche (Werkgruppen, Tennisplätze, Camping, Sportzentrum, etc.) innerhalb der Destination effizienter zu koordinieren und teilweise auch selber auszuführen. Zudem will man klassische Management-Services (Admin, Finanzen, HR und IT) Aufgaben mit wichtigen Anspruchsgruppen und Partnern zusammenlegen und möglicherweise auch ausserhalb der Destination kompetent und professionell diese Leistungen anbieten.

Mit einer sog. Incoming-Agentur (das Reisebüro vor Ort für den Ort) soll der Guest-Relationsbereich klar aufgewertet und kommerzialisiert werden. Dies auch mit klaren Vorteilen für den Gast. Das Prinzip „one stop shop“ soll für den Gast wesentliche Erleichterungen und professionellere Betreuung im Gestalten seines Aufenthaltes bieten. Künftig sollen sich unsere Gäste sämtliche touristischen Produkte und Angebote nicht nur von uns empfehlen lassen, sondern bei uns auch direkt buchen und bezahlen lassen. Natürlich ist dies bei einigen Produkten (bspw. Ticketing) schon heute möglich, aber dieser Shop-Service ist stark ausbaufähig und entspricht einem klaren Gästebedürfnis.

Zu guter Letzt hat GST festgestellt, dass der Bereich „Standortförderung“ in der Destination ein grosses Potential hat. Hier könnte GST in Absprache mit den politischen Gemeinden - gestützt auf entsprechende Vereinbarungen - eine neue, wichtige Rolle einnehmen. Selbstverständlich sollen die Gemeinden in diesem Thema weiterhin den Lead haben. Dies ist absolut zwingend. GST kann hier aber aufgrund seinem Know-How und seinen Erfahrungen ein zentraler Dienstleister im Auftrag der Gemeinden sein. In den nächsten Monaten sollen hierzu weiterführende Gespräche mit den Gemeinden, der Bergregion sowie dem Kanton Bern stattfinden, um einerseits den konkreten Nutzen für die Destination zu evaluieren und andererseits daraus konkrete Leistungsaufträge für GST abzuleiten.

Diese Rollenschärfung stösst einen Veränderungsprozess an, welcher nicht von heute auf morgen passiert. Wir gehen von einem Zeitraum von 3 – 5 Jahren aus, bis diese Rollen im Räderwerk der Destination einwandfrei und erfolgreich drehen. Für weitere Blog-Beiträge zu dieser Thematik ist also gesorgt.

Mittwoch, 15. März 2017

Showdown im Wildhorn


Gestern Abend fand im sehr gut gefüllten Saal des legendären Wildhorns in Lauenen die 24. ordentliche Hauptversammlung von Gstaad Saanenland Tourismus (GST) statt. Es war bereits meine 7. Hauptversammlung als MrGstaad. Eine reife Leistung in einer Branche, welche zuweilen dem Fussball-Business sehr nahe kommt. Dort sitzen bekanntlich die Trainer auf einem wackligen Stuhl. Im Fussball geht es um die Tore, die fallen müssen. Im Tourismus um die Logiernächte, für die der Tourismusdirektor besorgt sein muss. Schaut man auf die letztjährige Logiernächtestatistik, so müsste mein Stuhl jetzt mittelschwer wackeln. Die Destination schliesst das Tourismusjahr 15/16 mit einem Minus von 3.3 % (Hotellerie, Ferienwohnungen und Gruppenunterkünfte inkl.) gegenüber dem Vorjahr ab. In meinem Blogbeitrag vom November 2016 habe ich bereits über die Gründe berichtet. Deshalb wackle ich mit meinem Stuhl auch nicht aus Unsicherheit oder Angst, sondern aus Freude am Job, an meinem super Team und an der Dynamik, welche in der Tourismusbranche generell festzustellen ist.

Gut gefüllt, rustikal, aber sehr gemütlich – der Wildhorn-Saal

Die Logiernächteentwicklung war aber nicht das einzige Thema über welches gestern diskutiert wurde. Traditionsgemäss folgte ein bunter Rückblick über die operative Geschäftstätigkeit von GST sowie die Erläuterungen zur Jahresrechnung. Es fällt mir dabei nicht leicht, einzelne Highlights aus dem vergangenen Geschäftsjahr herauszupicken. Wurde doch in sämtlichen Projekten und ordentlichen Tätigkeiten eine hervorragende Arbeit von unseren Mitarbeitenden und Partnern geleistet. Nachfolgend eine nicht abschliessende Aufzählung von Highlights, über welche ich auch schon auf diesem Blogkanal berichtet habe:
Unsere Jahresrechnung präsentierte sich am Ende des Geschäftsjahres ausgeglichen. Nachfolgend das Wichtigste in Kürze:


  • die Kurtaxenerträge nahmen im gleichen Masse ab, wie die Logiernächt
  • bei den Gemeindebeiträgen entstand die grosse Lücke, weil der für insgesamt vier Jahre beantragte Marketing-Push fürs Tourismusjahr 15/16 nicht mehr verlängert wurde
  • Trotzdem konnten wir die Ausgaben im Marketing zugunsten der Destination auf dem gleich hohen Niveau halten wie im Vorjahr. Dies war dank internen Sparmassnahmen, der Unterstützung der Gemeinde Saanen sowie durch die Auflösung von Rückstellungen möglich
  • Der Verlust nahm gegenüber dem Vorjahr leicht ab
  • Durch die Auflösung von Rückstellungen hat sich auch der Cash Flow positiv entwickelt. Er liegt deutlich über den vom Vorstand GST festgelegten Durchschnitt von 250‘000.--. Dieser Richtwert garantiert, dass unsere laufende Investitionstätigkeit abgesichert ist
Mit Applaus wurde Carlo Bommes neu in den Vorstand GST gewählt. Die entsprechende Medienmitteilung lesen Sie bitte hier. Er ersetzt damit Jürg Schwenter, welcher aus Gründen der Amtszeitbegrenzung ehrenvoll aus dem Vorstand verabschiedet wurde. Mit Carlo Bommes konnten wir einen erfolgreichen Unternehmer für dieses Ehrenamt gewinnen. Er bringt einerseits die Optik des Gastes mit und andererseits konnte er den Vorstand mit seiner profunden Event-Erfahrung überzeugen.

Neu und abtretend, Carlo Bommes und Jürg Schwenter – Danke!

Für zahlreiche Voten und reichlich Gesprächsstoff sorgte dann die Information über die zukünftige Ausrichtung von GST sowie die dazugehörige Statutenänderung. Es ging beim Zweckartikel 3 der GST-Statuten um die Integration des Begriffes „Standortförderung“. An diesem Begriff störte sich insbesondere der Verwaltungsrat der BDG AG. Es sei nicht Aufgabe einer Tourismusorganisation, jetzt auch noch die Standortförderung an sich zu reissen, meinte Heinz Brand, Verwaltungsratspräsident der BDG AG. Dies war aber in unseren Erläuterungen und auch in den Vorgesprächen mit den polit. Parteien nie das Thema. Eine Standortförderung einer Region muss von der strategischen Führung her in der Hoheit der Behörden bleiben. Dies wurde auch während der Versammlung vom GST-Präsidenten und meiner Wenigkeit mehrfach betont. Auch der Gemeindepräsident von Saanen, Toni von Grünigen, bestätigte dies in aller Deutlichkeit. In der Umsetzung jedoch, kann GST wertvolle und nützliche Unterstützung bieten. Aus diesem Grund ist die logische Konsequenz die Anpassung unserer Statuten. Heinz Brand blieb hartnäckig und empfahl der Versammlung, die Statutenänderung abzulehnen. Er begründete seine Empfehlung unter anderem mit einem unqualifizierten „Stammtisch-Rundumschlag“, bei welchem jegliches Mass an Sachlichkeit abhandengekommen ist. Versuchte er doch, den Aufbau eines weiteren, geldfressenden und unnützen Verwaltungsapparates mit der Statutenergänzung in einen Zusammenhang zu bringen. Diese Fehlinterpretation unserer künftigen Ausrichtung war für die Versammlung in aller Deutlichkeit erkennbar. Deshalb lief seine Empfehlung dann auch ins Leere. Die Statutenänderung wurde somit mit einem grossen Mehr an JA-Stimmen, bei nur wenigen NEIN-Stimmen sowie ein paar Enthaltungen angenommen. Damit ist der Weg offen für eine nötige Weiterentwicklung von GST. Noch diesen März werde ich in einem weiteren Blogbeitrag über die Rollenschärfung von GST informieren. Bleiben Sie dran, liebe Leserinnen und Leser.

Nach rekordverdächtigen zweieinhalb Stunden Versammlungsdauer war es dann soweit. Das vorzügliche und verdiente Apéro riche wartete auf uns und sorgte gleichzeitig auch dafür, dass genug Energie für weiterführende Gespräche getankt werden konnte. Diese Gespräche wurden aber (zum Glück) nicht mehr protokolliert. Prost!

Herzlichen Dank für Ihre Kommentare zu gelesenen Artikeln!