Willkommen zu den Tagebuch-Einblicken in eine der renommiertesten und genussreichsten Ferienregionen der Schweiz.
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Freitag, 24. Juni 2016

Gstaad Marketing GmbH, go live!

Gut Ding will Weile haben, obwohl die Ungeduld in der Destination langsam gross war. An einigen Gemeindeversammlungen oder Generalversammlungen der BDG (Bergbahnen Destination Gstaad AG) durften wir immer wieder dieselbe Frage hören. „Warum machen GST und die BDG das Marketing nicht zusammen?“ Ja warum eigentlich nicht? Dies fragte ich mich selbst bereits vor einigen Jahren. Wobei hier anzumerken ist, dass nach der grossen Bergbahnfusion 2004, GST (Gstaad Saanenland Tourismus) auch das Bergbahnmarketing übernahm. Dies hat aber aus verschiedenen Gründen nicht zum Erfolg geführt und das Experiment wurde noch vor meinem Amtsantritt wieder beendet. Tempi passati.
 
2013 wurde dann von der Gemeinde Saanen, der BDG und GST ein Projekt mit dem Arbeitstitel „Gstaad Group“ gestartet. Hauptinhalt dieses Projektes ist die sog. Destinationsverdichtung gegen innen, welche generell mit der Reduzierung von Doppelspurigkeiten in der Destination umschrieben werden kann. Für eine erste Phase des Projekts wurden zwei Hauptzielsetzungen definiert.   
  1. Erstellen einer touristischen Destinationsstrategie, an welcher sich die Leistungsträger orientieren können
  2. Zusammenlegung der Marketingaktivitäten von GST und BDG AG in einer eigens dafür zu gründenden Gesellschaft 
Beide Ziele können diesen Sommer erreicht werden, notabene nach einigen zeitlichen Verzögerungen. Es erklärt sich von selbst, dass dabei vor allem die finanzielle Schieflage der BDG einen wesentlichen Verzögerungsgrund darstellte. Dies ist weder ein Vorwurf noch eine Entschuldigung. Es wird damit einfach die Prioritätensetzung in der Destination ins rechte Licht gerückt. Die BDG musste gerettet werden, bevor man sich wieder dem Projekt „Gstaad Group“ widmen konnte. Schlussendlich sind wir alle in der Destination froh, dass die Bergbahngesellschaft nun finanziell saniert ist. Nachdem die grössten Turbulenzen rund um die BDG überstanden waren, wurde diese auch wieder ein verlässlicher und starker Partner für die Erreichung der beiden obgenannten Hauptzielsetzungen. Dafür meinen aufrichtigen Dank.
 
Der Gründungsakt im Haus des Gastes
 
Vorgestern wurde sie gegründet, die Gstaad Marketing GmbH und zwar vom Gewerbeverein Saanenland, vom Hotelierverein Gstaad Saanenland, von der BDG und von GST. Die Gesellschaft wird ihren operativen Betrieb ab dem 1.11.2016 aufnehmen. Beachten Sie dazu bitte die entsprechende Medienmitteilung. In ihrer operativen Geschäftstätigkeit orientiert sich die GmbH an der neuen touristischen Destinationsstrategie. Diese wird kommenden August einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Momentan wird die Strategie finalisiert und von den wichtigsten Anspruchsgruppen „abgesegnet“.  
 
Vor der Gründung zur GmbH hatten sowohl die BDG und GST einen Marketingleiter angestellt sowie jeweils ein Marketingteam unterhalten. Künftig wird es nur noch einen Marketingleiter geben und beide Teams werden folglich zusammengeführt. Der Marketingleiter ist selbstredend gleich auch der Geschäftsführer der neuen GmbH. Mit Andreas Wandfluh konnten wir eine junge und motivierte Führungskraft gewinnen, welche darauf brennt, für die Destination und die Marke Gstaad nur das Beste herauszuholen. Er stösst bereits schon im Juli zu uns und kann deshalb bereits schon selber den Aufbau der neuen Gesellschaft in die Hand nehmen. Wir wünschen ihm dazu viel Freude und Erfolg!
 
Andreas Wandfluh schaut sich bereits in Gstaad um
 
Ich selbst bin sehr stolz, dass uns dieser Meilenstein in der strukturellen Verbesserung der Destination gelungen ist. Ich bin überzeugt, dass dieser Weg der einzig Richtige ist, um schlussendlich den Gast noch stärker ins Zentrum unseres touristischen Handelns zu rücken. Der Weg ist allerdings noch nicht zu Ende. Die Erwartungshaltungen an die neue Destinationsstrategie sowie an die neue Marketing Gesellschaft sind gross und die Leistungsträger sind ebenfalls gefordert, damit sie mit den neuen Gegebenheiten zurechtkommen. Wir bleiben dran!

Freitag, 3. Juni 2016

Winterbilanz 15/16

Logiernächte-Bilanz nach Märkten

Wenn man sich im Saanenland umschaut, stellt man fest, dass der Schnee dieses Jahr ein bisschen länger auf den Berggipfeln verweilt als üblich. Zudem war der Frühling bisher ziemlich wechselhaft, was das Wetter betrifft. Wasser sollte hoffentlich diesen Sommer nicht zu einem knappen Gut werden wie es das letztes Jahr in den Schweizer Bergen der Fall war.

Bei der Mehrheit der Betriebe ist eine leichte Umsatzsteigerung festzustellen

Die Wintersaison endet traditionsgemäss Ende April. Darüber Bilanz gezogen wird im Mai, wenn wir die Übernachtungszahlen erhalten sowie gewisse Umfragen bei den Leistungsträgern analysieren. Erwartungsgemäss liegt die Destination Gstaad Saanenland gegenüber dem Vorjahr im Minus. Stand Ende April 2016 wurden rund 2 % weniger Logiernächte gegenüber dem Vorjahr generiert. Die Direktreservationsumsätze gingen gar um 4 % zurück. Immerhin konnte das Minus in der Hotellerie gegenüber den Monaten Dezember, Januar und Februar dank einem ausserordentlich starken März von – 4.7 % (Ende Dezember 2015) noch auf – 2.0 % verbessert werden. Trotzdem schneidet der Winter 15/16 erneut schlechter ab als der vorherige. Dies war schon im letzten Jahr so. Die klimatisch milden Winter sowie der starke Schweizer Franken lassen grüssen. Die Europäischen Stammmärkte Deutschland, Frankreich und BeNeLux sind regelrecht eingebrochen. Auch der Schweizer Heimmarkt musste einen Rückschlag verzeichnen. Die nachhaltige Wirkung des Frankenschocks dürfte dem Schweizer Tourismus für die nächsten Jahre generell noch einiges an Geduld und Durchhaltewille abfordern. Erfreulich hingegen ist die Entwicklung der Fernmärkte und dies notabene während des Winterhalbjahres.

Eine repräsentative Umfrage bei 20 Hotlebetrieben

Gespannt blicke ich schon jetzt auf die Sommersaison, wenn das alte Steigenberger zum neuen Huus umgebaut wird und deshalb seine Türen bis Dezember 2016 geschlossen hält. Wie sich dies auf die Sommerlogiernächte auswirken wird, werden wir sehen. Es kann ein starkes Minus geben, es kann aber auch bewirken, dass gewisse Gäste für ihren Aufenthalt im Saanenland auf andere Hotels ausweichen werden. Eine repräsentative Umfrage bei 20 Hoteliers lässt vermuten, dass sich der Sommer hinsichtlich deren Übernachtungszahlen positiv entwickeln wird. Hoffentlich tut dies das Sommerwetter auch. Aufgrund des immer kurzfristig werdenden Buchungsverhaltens unserer Gäste, hat dieses nämlich einen grossen Einfluss auf die Entwicklung der Logiernächte.

Mittwoch, 1. Juni 2016

„Unser Gstaad“ – eine Magazinbeilage macht Furore


Das Cover, alpine Echtheit

Als Tourismusdirektor ist man zumindest in der lokalen Gesellschaft sehr exponiert. In meinen nunmehr fünfeinhalb Jahren als Direktor von Gstaad Saanenland Tourismus gehört dies zum Tagesgeschäft. Diese Exponiertheit ist natürlich zuweilen auch von Kritik begleitet. Konstruktiv, destruktiv, differenziert oder undifferenziert. Alles ist dabei und es braucht einen gesunden, sportlichen Ehrgeiz, um positiv mit dieser Kritik umzugehen. In all den Jahren, wo ich nun schon für diese Top-Destination arbeiten darf, holte mich aber ein Kritikpunkt immer wieder ein.

Mal war es eine Hochglanz-Heftbeilage aus dem Südtirol, welche anonym per Post an mich gesendet wurde, mal war es ein Hotelier, der mich beinahe auf den Knien darum bat, nun endlich einmal so eine Magazinbeilage für Gstaad zu realisieren. Immer wieder kamen sie, die konstruktiven Anregungen und der Wunsch, in den qualitativ guten Print-Produkten der Schweiz mittels Magazinbeilage vertreten zu sein. Ich empfand diese Kritik bzw. Anregung stets als sehr konstruktiv, schielte dann aber immer wieder auf das Marketing-Budget von Gstaad Saanenland Tourismus und damit auf die anderen, zahlreichen Verpflichtungen, welche eine Tourismusorganisation hat. Man muss an dieser Stelle nämlich klar und deutlich festhalten, dass eine solche Magazinbeilage kostenmässig einen sehr grossen Brocken darstellt. Kostspielig ist vor allem die Distribution des Magazins. Die Produktion kostet lediglich ca. 15 % der Gesamtkosten. Deshalb erstaunt es nicht, dass eigentlich nur die grossen, regionalen Tourismusorganisationen wie „Graubünden Ferien“, „Valais Promotion“, „Tirol“ oder „Südtirol“ solche Projekte regelmässig umsetzen können.


Editorial, written by Tessa

Recht kann man es bekanntlich nie allen machen und so entschieden wir uns im letzten Jahr, gewisse Aktivitäten zu streichen und damit Mittel freizusetzen für das Projekt „Unser Gstaad“. Mit dem Hotelierverein Gstaad Saanenland fanden wir zudem einen loyalen und generösen Partner, welcher aktiv am Projekt mitarbeitete und zusätzliche Mittel sprach, damit aus einem Wunsch auch Realität werden konnte.

Bei „Unser Gstaad“ standen vor allem drei Ziele im Vordergrund:
  • Anstelle einer aktiven Nebensaisonbewerbung mittels einer spezifischen Kampagnen-Idee (Familien, Bike, Wandern, Genuss, etc.) sollte der Fokus auf Image und Gastfreundschaft gelegt werden

  • Hinsichtlich des Formats bzw. Inhalts der Magazinbeilage soll ein sehr hoher Qualitätsanspruch (werbefrei und voll redigiert) verfolgt werden

  • Die Distribution soll ab Mai 2016 erfolgen, mehrheitlich in Special Interest Medien (Bilanz, Geo, Vinum, Du, etc.). Damit wurden nicht die Massenmedien berücksichtigt (hohe Distributionskosten und hohe Streuverluste), sondern eine Nischenstrategie verfolgt


Storytelling vom Feinsten

Seit gut einem Monat trifft man es nun an, „Unser Gstaad“. Wir sind mächtig stolz auf das Produkt und die Resonanz, welche damit ausgelöst wurde. Sei es aus dem lokalen Umfeld, sei es von potentiellen Gästen oder sei es auch aus der Branche. Von überall her klopft man uns auf die Schultern. Einen Moment, den man liebend gerne konservieren möchte. Ein Moment aber auch, um Danke zu sagen. Dem Team, dem Hotelierverein Gstaad Saanenland, unserer Agentur Garbini Biedermann, unseren Protagonisten im Heft und schlussendlich auch unseren Lesern.

Das Resultat ist uns ein Ansporn, es beim nächsten Mal noch besser zu machen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Es gibt ein nächstes Mal. Wir werden den finanziellen „Hosenlupf“ wieder wagen. Vielleicht sogar mit weiteren Partnern, welche die Freude an qualitativ gutem und werbefreien Content mit uns teilen. Sie dürfen gespannt sein!

Donnerstag, 12. Mai 2016

Schweizer Tourismustage

Unsere Location am vergangenen Dienstag

Alljährlich finden sie statt, die „Schweizer Tourismustage“. Ein Reigen an Veranstaltungen rund um die Schweizer Tourismusbranche. Gestartet wurde am Dienstagnachmittag mit der Generalversammlung des Verbandes Schweizerischer Tourismusmanager (VSTM). Gleich darauf folgte die Verleihung des Globonet eTourism-Award. Gestern und heute geht es weiter mit dem Schweizer Ferientag. Heute Nachmittag dann die Mitgliederversammlung von Schweiz Tourismus. Abgerundet wird die geballte Ladung an Tourismusgesprächen mit den sog. Key Partnermeetings am Freitag.

Als amtierender Präsident des VSTM führte ich am Dienstag durch die 88. Generalversammlung, dieses für die Branche wichtigen Verbandes. Allgemeiner Zweck des Verbandes ist die Vertretung der Interessen der Tourismusmanager sowie die Förderung ihres Berufsstandes in allen Bereichen. Wir haben dabei insbesondere in den Bereichen Bildung, beruflicher Erfahrungsaustausch sowie Tourismuspolitik den Fokus gesetzt, um unseren Mitgliedern und unserer Branche einen Mehrwert zu geben.


Eine klassische GV, straff und effizient geführt

Highlight des gestrigen Abends waren sicherlich die Verleihung des 6. Globonet eTourism-Award sowie die Lancierung einer neuen strategischen Partnerschaft mit der htr bzw. mit dem Milestone Award. Die fortschreitende Digitalisierung hat auch vor dem Tourismus nicht Halt gemacht. So war es weitsichtig, als der VSTM zusammen mit Globonet diesen Award 2011 ins Leben gerufen hat. Seither hat sich in der digitalen Landschaft unserer Destinationen viel getan und der Award war Ansporn und Schrittmacher für die Branche, sich unermüdlich weiterzuentwickeln und die eTourism-Kompetenz zur Kernkompetenz werden zu lassen.

Die Gewinner von 2016

In der strategischen Agenda für die nächsten Jahre hat sich der VSTM die touristische Nachwuchsförderung als oberste Zielsetzung gegeben. Dazu ist der Verband mit der htr im Rahmen des Milestone eine neue Kooperation eingegangen. Der VSTM unterstützt neu den MILESTONE-Wettbewerb als Partner in der Kategorie Nachwuchs.

Den «MILESTONE Nachwuchs» erhalten Persönlichkeiten mit einem aussergewöhnlichen Leistungsausweis in Tourismus, Hotellerie oder Gastronomie. Für den Nachwuchspreis können sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen ausgezeichnet werden. Es können Personen bis zu ihrem 32. Geburtstag ausgezeichnet werden. Das Bewerbungsverfahren für den «MILESTONE Nachwuchs» erfolgt über «Scouting». Das Nachwuchs-Talent wird von Persönlichkeiten aus der Branche mittels eines Empfehlungsschreibens der MILESTONE Geschäftsführung genannt. Die vorgeschlagenen Personen werden dann von der Geschäftsführung kontaktiert und eingeladen, eine Bewerbung einzureichen. Eine Beurteilung und allfällige Nomination durch die Jury kann erst erfolgen, wenn alle nachfolgend aufgelisteten Angaben eingegangen sind: Lebenslauf inkl. Foto, Beschreibung des persönlichen Leistungsnachweises, Darstellung eines eigenen Innovationsbegriffs und dessen Umsetzung in der eigenen Tätigkeit, Nennung der persönlichen Ziele für die nächsten fünf Jahre. Selbstverständlich warten für den Gewinner spannende Leistungen, welche den eingeschlagenen beruflichen Weg weiter fördern werden.

Als Verantwortliche unserer Destinationen sind wir an der Basis und kennen unsere Leistungsträger. Deshalb sind wir alle aufgerufen, diesen Nachwuchspreis zu unterstützen und unsere Talente zu motivieren, sich zu bewerben. Es ist Ehrensache, dass ich mir als MrGstaad mal überlegen werde, wer in unserer Destination denn so in Frage käme….

Eine weitere Top Veranstaltung der Schweizer Tourismusbranche findet übrigens am 15. November 2015 in Bern statt. Die Milestone Award Gala.

Freitag, 1. April 2016

Gstaad – gated community

Eine lockere und freundliche Gesprächsrunde

Ist Schnee von gestern? So lautete das Leitthema des 3. Bernerhof-Gesprächs, welches Ende März stattgefunden hat. Eingeladen waren die lebende PR-Legende Klaus J. Stöhlker, der Erlebnis-Inszenierer Otto Steiner und MrGstaad. Der Anlass wurde moderiert durch Sonja Hasler, kompetent und charmant wie eh und je.

Ich durfte mit meinem Referat den Abend eröffnen und erzählte von den Sorgen und Nöten der fiktiven Destination „Hingere Chrache“. Eine Destination, wie sie stellvertretend für viele Tourismusorte im alpinen Bogen sein könnte. Hingere Chrache steht vor grossen Herausforderungen anlässlich des fundamentalen Wandels, welcher einige Tourismusorte im alpinen Bogen durchschütteln wird. Glücklicherweise hat Hingere Chrache einen milliardenschweren Investor an der Angel. Dieser will in den Ort investieren und mit ihm zahlreiche seiner Freunde. Nun diskutieren die Tourismusverantwortlichen im Dorf strategische Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft.

Szenario 1 beschreibt das Modell einer sog. „gated Community“. Ein Resort für die Superreichen dieser Welt. Hingere Chrache wird für Normalsterbliche dicht gemacht. Es wird in Infrastrukturen investiert, welche das ganze Jahr hindurch eine angenehme Lebensqualität ermöglicht. Sei es für sog. „permanent residents“ oder eben auch nur für solche, welche in Hingere Chrache einen Zweitwohnsitz erwerben, soweit dies gesetzlich möglich ist.

Grundmodell der gated Community für Hingere Chrache (skizzenhaft)

Szenario 2 beschreibt den Wandel vom reinen Landschafts- und Infrastrukturvermarkter hin zu einem proaktiven Produktentwickler. Touristische Produkte und Angebote stehen im Zentrum dieses Ansatzes. Getreu einer fokussierten Destinationsstrategie soll die Destination das Ruder selbst in die Hand nehmen und zusammen mit den Leistungsträgern und weiteren Anspruchsgruppen das Rad der Produkte-Innovation drehen. Eine klare Segmentierung in Gäste- und/oder Märkte soll dabei helfen, das richtige Produkt oder Angebot zum richtigen Zeitpunkt an den Gast zu bringen. Die Zeiten des touristischen Gemischtwarenladens sind dann endgültig vorbei. Die extreme Polarisierung Winter/Sommer ebenfalls. Vielmehr soll ein Ganzjahres-Tourismus angestrebt werden.

Szenario 2 und 3 sind beinahe identisch. Mit der Ausnahme dass die dritte Strategie noch ein sog. Leuchtturm-Projekt verfolgt. Dieser neue, touristische Leuchtturm soll zur Drehscheibe der Destination werden. Leuchttürme können zum Beispiel eine neue und innovative Erlebnis-Bergbahn sein, ein Erlebnis-inszeniertes Bergdorf oder ein grosses Kulturzentrum, wie das bspw. die Gstaader mit ihrem Projekt „lesartsgstaad“ verfolgen. Ein solcher Leuchtturm soll dann einen möglichst hohen Gästestrom über einen längeren Zeitraum zum Ziel haben.

Das Bernerhof-Gespräch nahm dann seinen gewohnten Lauf, insbesondere wenn zwei wortgewaltige Alpha-Tierchen (Stöhlker/Steiner) aufeinander treffen. Vergessen wurde das generelle Themensetting, welches von einer Auseinandersetzung mit den Problemen alpiner Destinationen ausging. Vielmehr wurde die Destination Gstaad ins Zentrum der Ausführungen gerückt. Interessanterweise nahm dabei Klaus J. Stöhlker auf Szenario 1 von Hingere Chrache Bezug und erklärte im positiven Sinne, dass Gstaad momentan ja nichts anderes als eine „gated Community“ sei und damit für die Zukunft das Chancenplus auf seiner Seite hätte.

Weg von Hingere Chrache und zurück zum realen Gstaad. Bald gelangen die Initianten (Gemeinde Saanen, BDG AG und GST) der neuen Destinationsstrategie an die Öffentlichkeit. Zusammen mit verschiedenen Anspruchsgruppen wurde in den letzten Monaten intensiv daran gearbeitet. Ich darf an dieser Stelle schon ein bisschen davon verraten. Szenario 1 spielt auch in der realen Destinationsstrategie von Gstaad eine zentrale Rolle. Die Destination will definitiv zu einem „last paradise in a crazy world“ werden. Vor allem für diejenigen, die es sich leisten können. In den kommenden Jahren werden verschiedene Grossprojekte lanciert, um dieses Ziel mit aller Konsequenz zu erreichen.

Ein erstes, bekanntes, Projekt ist der Ausbau des Flugplatzes Saanen. Ebenfalls bekannt ist das Projekt „lesartsgstaad“. Neu hinzukommen folgende Projekte:

Medical

Die Zielsetzung hier besteht darin, dass sowohl die medizinische Grund- und Erstversorgung auf absolutem Spitzenniveau angeboten werden kann. Weiter sollen sog. „Medical Wellness Zentren“ entstehen, wo sich Superreiche von ihren medizinischen Behandlungen erholen können.

Mobility

Bei diesem Projekt geht es um die Erreichbarkeit von Gstaad. Strasse und Schiene sollen in einer ersten Phase modernisiert werden. In einer zweiten Phase sollen alternative Mobilitätsformen geprüft und umgesetzt werden. Die Vision einer Alpen-Metro soll wiederbelebt werden. Den Bergfrühling in Gstaad geniessen und eine halbe Stunde später in Zermatt zum Frühlingsskifahren gehen, soll keine Utopie mehr sein. Und dies notabene nicht mit dem Hubschrauber, da der Luftraum über Gstaad möglichst frei bleiben sollte. Phase 3 sieht dann eine Renaturalisierung des Flugplatzes Saanen vor, da mit der Alpen-Metro die Gäste innert 10 Minuten vom Flugplatz Sitten in Gstaad sein werden.

Lodging

Neue Beherbergungsformen bzw. Eigenheimsiedlungen sind hier Gegenstand des Projekts. Einerseits soll die Destination die Möglichkeit haben, dass durch den Erwerb von Erstwohnsitzen, neue Steuerzahler gewonnen werden können. Andererseits soll auch das neue Regime des Zweitwohnungsgesetzes dazu genutzt werden, neue Wohnungen zu bauen, welche dann im Sinne der „Sharing Economy“ bewohnt werden.

Depopulation

All die neuen Gäste und „permanent residents“ brauchen Platz. Dieser wird dadurch geschaffen, dass für die Einheimischen neue Wohnräume geschaffen werden. Diese finden sich dann vorzugsweise im benachbarten Obersimmental und im Pays d’Enhaut, beginnend ab Rossinière.

Security

Ein ausgeklügeltes und professionelles Sicherheitssystem (Drohnen, Sicherheitskräfte, mobile Einsatzeinheiten, etc.) soll dafür sorgen, dass sich unsere Gäste wirklich auf einem letzten Flecken heiler Erde befinden. Getreu nach dem Slogan „come up – slow down“.

Selbstverständlich ist dies nur ein kleiner Ausschnitt aus der neuen Destinationsstrategie. Gibt es doch noch mehr Teilprojekte. In wenigen Monaten ist es soweit und die neue Strategie wird der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Sie dürfen gespannt sein. Haben Sie deshalb also noch ein bisschen Geduld, liebe Leser.

Freitag, 4. März 2016

100 Tage

Der Winter ist da

Freitag, 4. März 2016. In Gstaad ist es diese Saison erstmals so richtig Winter. Heisst nicht, dass man bis anhin diesen Winter hier nicht Skifahren konnte. Seit Dezember war dies jederzeit möglich, manchmal mit ein bisschen mehr, manchmal mit ein bisschen weniger Aufwand. Alles in allem ist der Winter 15/16 eine harzige Angelegenheit. Nicht nur in Gstaad, sondern im gesamten Alpenbogen. Einer, der in diesem Winter gleich zweimal – stille Sanierung sowie Wetterkapriolen – so richtig gefordert wurde, hat sich heute Morgen auf der Terrasse des Haus des Gastes meinen Fragen gestellt.

Matthias In-Albon, gebürtiger Walliser und vorher bei den Saastal Bergbahnen tätig, trat im Dezember die Stelle des Geschäftsführers der Bergbahnen Destination Gstaad AG an. Die Bergbahnen sind in der Destination seit jeher ein hochemotionales Reizthema. Das veränderte touristische Nachfrageverhalten, gepaart mit dem sog. Wettrüsten in den Alpen sowie die sehr heterogene Interessenlage innerhalb der Destination sorgen dafür, dass diese Funktion nicht unbedingt einem Schönwetterspaziergang gleichkommt.


Espresso und Interview

1.) Warum bist du in die Destination gekommen?

Die Herausforderung die Bergbahnen wieder in ruhigere Gewässer zu führen, Festgefahrenes zu ändern und die Möglichkeit Neues zu gestalten, haben mich dazu bewegt.

2.) Welche Rolle soll die BDG im touristischen Gesamtgefüge spielen?

Die Bergbahn ist meines Erachtens der Motor dieser Tourismusregion und muss diese Verantwortung wieder aktiv wahrnehmen können. Allgemein gehören die Bergbahnen zu den wichtigsten Leitbranchen im Schweizer Tourismus. Leider wird vielfach ihre gesamtwirtschaftliche Bedeutung stark unterschätzt.

3.) Was sind deine Ziele bei der BDG?

Ich will, dass sich die BDG zu einer modernen Tourismus- und Bergbahnunternehmung mit professionellem Führungsteam, proaktiver Dienstleistungskultur und ergebnisverantwortlichen Unternehmenseinheiten transformiert wird, dass sie ihre Markt- und Kundenorientierung in allen Unternehmensbereichen und -funktionen nachhaltig verbessert und dass die BDG bezüglich Effizienz, Flexibilität und Innovation zu einem Benchmark in der Branche mutiert. Die Bevölkerung soll wieder stolz auf ihre Bergbahn sein können.

4.) Die Firma ist personell sehr geschwächt. Viele Aufgaben ziehst du an dich. Was tust du, dass es nicht zum berüchtigten Flaschenhals sprich operativen Stau kommt?

Ich ziehe Aufgaben an mich, weil wir nicht von sollten, könnten, würden, sondern MACHEN reden müssen. Probleme sind an der Wurzel anzupacken und unser Motto ist «Let’s do it». In einem KMU muss jeder flexibel sein und anpacken, wo Not am Mann ist. Das lebe ich vor und erwarte es auch von allen Mitarbeitern. Den berüchtigten Flaschenhals möchte ich mit flacherer Organisation und effizienteren Strukturen entgegenwirken, wobei klar ist, dass in der Übergangsphase dahin gewisse Dinge auf der Strecke bleiben bzw. untergehen.

5.) Wie viele Stunden hat dein Arbeitstag?

Es gibt viel zu tun. Die Anzahl Arbeitsstunden sind dabei nicht relevant. Viel wichtiger ist der Output bzw. sind die Ergebnisse.

6.) Bist du ehrgeizig? Oder etwas provokativ gesagt: Was reizt dich daran, auf einem Wrack wie der BDG Kapitän zu spielen?

Ja, ich bin ehrgeizig und gebe Ziele nicht schnell auf. Die Bergbahnen Destination Gstaad muss betrieblich wieder schwarze Zahlen schreiben und wie bereits gesagt, in ruhigere Gewässer kommen. Mich persönlich reizt die „Kapitänrolle“ auf stürmischer See und das Schiff in den Hafen manövrieren zu können. Mir ist bewusst, dass dies eine Herausforderung ist, aber keine unmögliche Aufgabe.

7.) Was weisst du über die künftige Destinationsstrategie, die aktuell in Bearbeitung ist?

Die Bergbahnen Destination Gstaad sind wie die weiteren Leistungsträger in diesem Gestaltungsprozess aktiv involviert. Die Ausarbeitung der künftigen Destinationsstrategie befindet sich in der Schlussphase. Dementsprechend können nun die Strukturen für dessen Umsetzung definiert werden.

8.) Wird sich die BDG darin integrieren?

Als wichtiger Player der Destination und auch als Mitgestalter des Prozesses ist die Integration darin klar sichergestellt.

9.) Was ist der Unterschied zwischen Saas-Fee und Gstaad?

Ein grosser Unterschied ist sicher die Gästestruktur. Der Tagesgast in Saas-Fee macht aufgrund der topographischen Lage einen marginalen Teil aus. Hier hat das Skigebiet von den Bergbahnen Destination Gstaad viel bessere Karten. Auf der anderen Seite ist das Skifahren anders positioniert: Saas-Fee spricht mehr den sportlichen aktiven Gast bzw. den Rennsport an – Gstaad steht mehr für alpines Erlebnis, Genuss und Sicherheit. Weiter ist anzumerken, dass hier zum Skifahren aufgrund des vorhandenen lieblichen und sanften Geländes viel weniger Schnee nötig ist als im steinigen hochalpinen Gelände.

10.) Hältst du die Trennung Bergbahnen und Tourismusorganisation für sinnvoll und wenn nein, was wäre aus deiner Sicht eine Alternative, über die noch nicht diskutiert worden ist?

Es macht eindeutig Sinn, dass der Bereich der Marketingaktivitäten gebündelt wird, die Strukturen im Marketing zusammengelegt werden und dass wir gegen aussen gemeinsam als eine Marke auftreten. Schlanke Strukturen sind dabei stets anzustreben.

11.) Hättest du dir den Job hier so vorgestellt?

Ich wusste, auf was ich mich eingelassen habe und die angetroffene Situation war keine Überraschung. Dank der Branchen-, Change- und Restrukturierungserfahrung brauchte ich keine grosse Einarbeitungszeit und kann jetzt direkt handanlegen.

12.) Haben sich deine Führungsprinzipien im Lauf der Zeit verändert?

Ja, sicher. Meine Tätigkeit anfangs bei der Lonza und auch später bei der Saastal Bergbahnen war jeweils ein Sprung ins kalte Wasser. Dabei musste ich Dinge sehr schnell lernen. Und natürlich auch erfahren, dass gelernte Theorien vielfach wenig nützen. So wird mir heute immer stärker bewusst, wie wichtig es ist, dass alle Mitarbeitenden dieselben Ziele haben, am selben Strick ziehen. Danach ergibt sich vieles von selbst. Dazu haben wir den MIKE ins Leben gerufen. Das bedeutet: Wir arbeiten Miteinander und sind Innovativ. Der Kunde steht bei uns im Mittelpunkt, und wir wollen das Richtige Effizient tun! Der Kürzel MIKE ist dabei nicht nur der Name unseres witzigen Maskottchens‚ sondern steht auch für einen verbindlichen Anspruch an die BDG wie individuell an alle Mitarbeiter.

Lieber Matthias, ich danke Dir für das Gespräch und wünsche Dir in deiner Aufgabe viel Erfolg und Befriedigung. Let’s do it!

Und wieder zurück in seinem Büro

Montag, 29. Februar 2016

Das Tourismusjahr 2014/15

Titelseite des neuen Geschäftsberichts

Das Tourismusjahr 14/15 ging bereits im Oktober 2015 zu Ende und das laufende Tourismusjahr hat uns voll im Griff. Durchzogenes Winterwetter und Stagnation in den Märkten sei Dank. Traditionell dürfen wir im ersten Quartal auf das vergangene Tourismusjahr zurückblicken und tun dies mit unserem Geschäftsbericht, welcher ab sofort bei uns im Haus des Gastes in Gstaad erhältlich ist.

Das vergangene Tourismusjahr stand unter keinen guten Vorzeichen. Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank, den Mindestkurs zum Euro aufzuheben, zeichnete tiefe Sorgenfalten in die Gesichter zahlreicher Schweizer Touristiker. Auch im Saanenland. Trotzdem, oder gerade deswegen, steckten wir aber die Köpfe nicht in den Sand. Vielmehr konnten wir auch dieses Jahr mit einigen Highlights und seriöser Arbeit aufwarten, um erfolgreich dem scharfen Gegenwind zu trotzen. Dies stets mit Bedacht auf die langfristige Zukunft. So verlief der Start in die Wintersaison sehr schneearm. Kurz vor Weihnachten waren die Hänge bis weit oben einfach nur grün bzw. braungrün. Zusammen mit zahlreichen Leistungsträgern und Behördenvertretern entwickelten wir ein Alternativ-Szenario für eine schneearme Weihnachtssaison, welches wir dann glücklicherweise doch nicht benötigten, da es am 26.12.2014 eine Ladung Schnee abwarf. Im Frühjahr starteten wir dann unsere Rennrad-Initiative. Roadbook, Rennrad-Movie, Medienreisen und ein Testweekend mit unserem strategischen Partner Scott sind der Beweis dafür, dass unsere Destination einzigartige Standortvorteile in diesem stark wachsendem Segment vorweist.

Ein Highlight war auch unser Tag der offenen Tür. Obwohl GST regelmässig und mediengerecht Unternehmenskommunikation betreibt, besteht bei vielen Anspruchsgruppen ein Informationsdefizit über die tatsächlichen Tätigkeiten, die durch GST erledigt werden. Dies führt oft zu einer diffusen Informationslage in der Region, die dem GST mehr schadet als nützt. Ein Tag der offenen Tür bietet allen Abteilungen die Chance, sich, ihre Arbeit und das tägliche Spannungsfeld der diversen Interessenlagen transparent und sympathisch darzustellen. Dieser Tag im Mai war ein voller Erfolg. Wir wurden von Besuchern quasi überrannt und konnten unsere diversen Tätigkeiten kompetent und motiviert unseren Gästen näher bringen.

Das stärkste Ergebnis im 6-Jahresvergleich

Während der Sommersaison spürte man verstärkt einen Zustrom von Gästen aus den sog. neuen Märkten. Diese waren in diesem Tourismusjahr unsere Rückversicherung. Das erneute Wachstum aus Märkten wie bspw. Südostasien oder den Golfstaaten sorgte nämlich dafür, dass der markante Abgang (Eurobedingt) aus den traditionellen Märkten kompensiert werden konnte. Wichtig zu erwähnen ist, dass dies mehrheitlich nicht mit Gruppengästen, sondern mit individual reisenden Gästen geschah. In der Logiernächtestatistik vom Tourismusjahr 14/15 können wir denn auch die positive Entwicklung vom letzten Jahr bestätigen. Im 6- Jahresvergleich wurde somit das stärkste Ergebnis erzielt. Für das laufende Tourismusjahr kann ich aber jetzt schon mit absoluter Sicherheit sagen, dass dieses Ergebnis nicht wieder erreicht werden kann. Mehr dazu dann an unserer HV vom 15.3.2016, zu der Sie natürlich ganz herzlich eingeladen sind.


Herzlichen Dank für Ihre Kommentare zu gelesenen Artikeln!