Willkommen zu den Tagebuch-Einblicken in eine der renommiertesten und genussreichsten Ferienregionen der Schweiz.
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Mittwoch, 30. November 2016

Der Präsident gibt sich die Ehre

David Matti wurde in diesem Frühjahr an der Hauptversammlung von Gstaad Saanenland Tourismus (GST) zum neuen Präsidenten gewählt. Der Familienvater und passionierte Jäger ist im Saanenland aufgewachsen und kehrte nach seinen Lehr- und Wanderjahren auch wieder dorthin zurück. In Saanen betreiben er und seine Frau eine Anwaltskanzlei.
David Matti ist quasi der Chef von MrGstaad und stellt deshalb normalerweise die Fragen. Heute ist es mal umgekehrt. 

MrGstaad: David, seit März 2016 bist Du der neue Präsident von Gstaad Saanenland Tourismus. Wie bist Du dazu gekommen und welche Erfahrungen bringst Du für dieses Amt mit?

David Matti: Ich war über mehrere Jahre Mitglied der Geschäftsprüfungskommission GST sowie im Vorstand GST. In dieser Funktion habe ich die „Materie Tourismus“ umfassend kennen lernen dürfen und mich darauf entschieden, das Präsidentenamt per Anfang dieses Jahres zu übernehmen.  

MrGstaad: Du bist hier aufgewachsen. Wie hat sich hier die Tourismuslandschaft in den letzten Jahrzehnten verändert? Was waren die bisherigen Meilensteine der Tourismusentwicklung im Saanenland?

David Matti: Über all die Jahre hat sich der Tourismus gewaltig verändert und stark entwickelt. Mit den neuen Medien und der erhöhten internationalen Mobilität und Transparenz sind einerseits die touristischen Märkte vielfältiger geworden, aber andererseits ist auch die Erwartungshaltung unserer Gäste stark gestiegen. Es reicht heute nicht mehr, einfach nur eine schöne Landschaft zu bewerben und zu verkaufen. Vielmehr muss das gesamte Reiseerlebnis von A bis Z inszeniert sein und dies zu einem Preis, welcher international wettbewerbsfähig ist. In diesem Sinne waren die bereits in den 90er Jahren angepassten Strukturen (Zusammenschluss Kurvereine zu Gstaad Saanenland Tourismus) sowie die jüngst umgesetzten Schritte (neue touristische Destinationsstrategie und Marketing-Gesellschaft) sicherlich die prägendsten Meilensteine.

MrGstaad: Kommen wir auf diese jüngsten Entwicklungen zu sprechen. In den ersten Monaten Deiner Amtszeit wurden wegweisende Schritte eingeleitet. So wurde einerseits die Gstaad Marketing GmbH gegründet und andererseits eine neue touristische Destinationsstrategie verabschiedet. Was erhoffst Du dir von diesen Schritten?

David Matti: Wie gesagt gehe ich davon aus, dass wir eine Effizienzsteigerung erfahren und damit an mehr Schlagkraft am Markt gewinnen. Die zur Verfügung stehenden personellen und finanziellen Mittel müssen stets so zielgerichtet wie möglich eingesetzt werden. Ausgaben nach dem Giesskannenprinzip müssen tabu sein. Die beiden von Dir genannten Projekte, welche nun in die „Anwendungsphase“ gelangen, zielen genau in diese Richtung. 

Der Präsident und sein Direktor, auf gleicher Augenhöhe

MrGstaad: Droht der GST nach Auslagerung des Destinationsmarketings nicht an Bedeutung zu verlieren?

David Matti: Ganz im Gegenteil. Einerseits bleibt die touristische Verantwortung weiterhin bei GST. GST ist zusammen mit der BDG (Bergbahnen Destination Gstaad AG), dem Hotelierverein und dem Gewerbeverein Eigentümer der Marketing-Gesellschaft und wird über die strategische Ebene via unserem Direktor (MrGstaad) ganz klar den nötigen Einfluss in die Marketing-Gesellschaft nehmen. Die Marketing-Tätigkeiten werden dadurch weiterhin massgebend durch GST beeinflusst. Tourismus beinhaltet aber andererseits nicht nur „Gäste holen“ sondern auch „Gäste halten“. Gerade in diesem letztgenannten Bereich wird GST nun seine Tätigkeiten intensivieren, zumal da noch einiges an Entwicklungspotenzial besteht. Genannt sind da vorab Bereiche wie Infrastrukturen, Services, Gästebetreuung und Standortförderung. 

MrGstaad: Ist Standortförderung eigentlich nicht Sache der Gemeinden?

David Matti: Grundsätzlich stimmt das. Es ist allerdings problemlos möglich, diese Aufgaben ganz oder teilweise mittels Abschluss einer entsprechenden Vereinbarung, in welcher die Tätigkeiten klar umschrieben und geregelt sind, an eine Drittorganisation wie GST zu übertragen. In anderen Tourismusdestinationen wird dies bereits seit längerer Zeit so umgesetzt. Wir werden dahingehend in nächster Zeit auf die Gemeinden zugehen und mit ihnen die möglichen Handlungsfelder definieren. Ziel muss sein, die Attraktivität unseres Standortes nicht nur touristisch sondern auch als Wirtschaftsstandort und Arbeitsplatz zu steigern. Wenn nicht direkt, dann zumindest indirekt, wird dies auch dem Tourismus und damit der wichtigsten „Lebensader“ unserer Volkswirtschaft zugutekommen. 

MrGstaad: Wo steht die Destination in 10 Jahren, kurz vor Ende Deiner Amtszeit?

David Matti: Das ist in der heutigen schnelllebigen Zeit schwierig zu sagen. Zentral ist, dass wir – trotz stetiger Weiterentwicklungen – zu unseren Werten wie „Tradition“, „Nachhaltigkeit“ und „alpine Echtheit“ Sorge tragen und auf allen Ebenen qualitativ hochwertige Leistungen erbringen. So sind wir sicherlich gut gerüstet für die Zukunft und können die auf uns zukommenden Herausforderungen mit Zuversicht und voller Kraft, aber dennoch mit einer Prise „Gelassenheit“, angehen.

Donnerstag, 17. November 2016

Neues Tourismusjahr – neues Glück!


Kaum zu glauben, wir befinden uns bereits schon wieder in einem neuen Geschäftsjahr. Das Tourismusjahr 16/17 hat am 1. November 2016 begonnen und wenn ich aus meinem Bürofenster rausschaue, dann sehe ich Schnee. Ein gutes Zeichen. Unser Marketing Team, der in diesem Jahr neu gegründeten Gstaad Marketing GmbH, hat den ersten Schneefall zum Anlass genommen, um mit unseren Gstaader Topmodels den Wintereinbruch gebührend zu feiern. Doch schauen Sie selbst.



Das neue Tourismusjahr ist auch stets ein Grund, um auf das Alte zurückzuschauen. Die Logiernächte-Zahlen für das gesamte Tourismusjahr 15/16 liegen inzwischen vor. Es handelt sich um das drittbeste Jahr, verglichen mit den letzten sechs Jahren. Die Destination (inkl. Zweisimmen) liegt – bezogen auf die Hotelübernachtungen rund 4.5 % im Minus gegenüber dem Vorjahr. Auf den ersten Blick eine happige Einbusse. Doch ich kann Ihnen versichern, dass wir vor einem Jahr mit einem höheren Minus budgetiert haben. Nein, unsere Märkte sind nicht gänzlich zusammengebrochen. Trotzdem mussten auch dieses Jahr erneut starke Rückgänge bei unseren Europäischen Kernmärkten verzeichnet werden. Allen voran unsere Gäste aus der Schweiz mieden die Hotels, gefolgt von Rückgängen aus Deutschland, Frankreich und BeNeLux. Hier gilt es insbesondere die Entwicklung des wichtigen Schweizer Heimmarktes im Auge zu behalten. Kurzfristige Preisdumping-Aktionen sind aber fehl am Platz. Mit der neuen touristischen Destinationsstrategie, wo man den Fokus stark auf die Produkteentwicklung und auf die Positionierung setzt, können mittel- bis langfristig positive Korrekturen herbeigeführt werden. Erfreulich ist die Zunahme von Gästen aus UK. Es scheint, als hätte der Brexit kurzfristig noch keinen grossen Impact gehabt. Gespannt sind wir aber auf die Entwicklung im laufenden, neuen Tourismusjahr.
Europäische Schlüsselmärkte im Vergleich (Hotellerie) mit dem Vorjahr

Für das Minus von 4.5 % gibt es auch noch einen anderen wichtigen Grund. Das grösste Hotel der Destination – das ehemalige Hotel Steigenberger – blieb während der ganzen – für uns so wichtigen Sommersaison – wegen Umbauarbeiten geschlossen. Dadurch fehlen einige Logiernächte, da nur ein kleiner Teil der Gäste auf andere Hotels im Saanenland ausgewichen ist. Das renovierte Hotel eröffnet diesen Dezember unter dem neuen Namen „Huus“ und unter neuer Führung. Wir freuen uns auf ein wiedererstarktes Flaggschiff in unserer Destination und wünschen dem gesamten Team schon jetzt viel Erfolg, Freude und einen Riesenportion Glück!

Der Ferienwohnungsmarkt ist im Vergleich zu den Hotelübernachtungen mehr als stabil geblieben. Wir vermieten rund 230 Objekte im mittleren Preissegment. Unsere Buchungszentrale verzeichnete über den Sommer ein Umsatzplus von rund 10 Prozent. Interessanterweise haben Buchungen aus Deutschland, Frankreich und auch aus den Benelux-Staaten deutlich zugenommen. Deutschland plus 35 %, Frankreich plus 13 % und Benelux plus 2,5 %. Wir interpretieren diese Entwicklung dahingehend, dass die Gäste die Schweiz und die Ferienregion Gstaad weiterhin als Reiseziel anstreben, jedoch in die Parahotellerie bzw. auf günstigere Unterkünfte ausweichen.

Hinsichtlich unserer bearbeiteten Fernmärkte gibt es ein differenziertes Bild. Gäste aus Asien waren im vergangenen Jahr stark rückläufig. Hauptursache dafür die akute Terrorgefahr in Europa. Dafür nahmen erneut die Gästezahlen aus den Golfstaaten zu. Sowohl in der Hotellerie, als auch in der Parahotellerie. Ebenfalls erfreulich ist die Zunahme von Gästen aus den USA und Kanada. Ob diese wohl schon nach Erstwohnsitzen in den Schweizer Bergen geschaut haben, um sich dann bei einer definitiven Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika definitiv ins Ausland abzusetzen? Dieser leicht politisch gefärbte Kommentar konnte ich mir einfach nicht verkneifen (grins).

Unser Geschäftsbericht für das vergangene Tourismusjahr wird traditionsgemäss Mitte Februar des darauffolgenden Geschäftsjahr veröffentlicht. Bis dahin passieren letzte Auswertungen, Abgrenzungen und Analysen. Doch wir wollen bewusst nicht zu weit zurückschauen. Vorwärtsschauen und zwar zuversichtlich ist eindeutig die bessere Strategie. Einige Gründe geben mit Recht Anlass dazu. Ein wichtiger Leistungsträger, unsere Bergbahnen, stehen mitten in einer betrieblichen Restrukturierung, welche sich positiv auf die Qualität des Angebots auswirken wird. Das bereits erwähnte Huus wird mit geballter Kraft in den Markt drängen. Zahlreiche touristische Prognosen bestätigen, dass die Talsohle für die Europäischen Kernmärkte mittlerweile erreicht sei und deshalb wieder mit zaghaften Zuwachsraten gerechnet werden dürfte. Unsere Ferienwohnungsbilanz für diesen Sommer bestätigt dies. Last but not least ist ein früher Winteranfang wichtig für die gesamte Branche. Beschert uns diesen Winter die Sonne noch zahlreiche herrliche Winterwochenenden, sind Zuwachsraten garantiert. Die letzten drei Winter haben uns diesbezüglich nämlich ziemlich im Stich gelassen. Ich wünsche dem gesamten Alpenbogen von Herzen eine erfolgreiche Saison!

Montag, 31. Oktober 2016

Im Gespräch mit...


Heinz Brand, dem Verwaltungsratspräsidenten der Bergbahnen Destination Gstaad AG (BDG AG).

Ein Jahr ist er nun bereits im Amt. Turbulente, aber auch wegweisende Monate bezogen auf unsere Bergbahnlandschaft liegen hinter uns. Der Winter 2016/17 steht kurz vor der Tür, Zeit dem amtierenden Verwaltungsratspräsidenten der BDG AG ein paar Fragen zu stellen.

MrGstaad: Vor einem Jahr hast Du das Ruder als Verwaltungsratspräsident der BDG AG übernommen. Damals stand die Gesellschaft vor dem Abgrund, wie geht es ihr heute?

Heinz Brand: Wir stehen glücklicherweise nicht mehr vor dem Abgrund, es ist uns gelungen in letzter Minute mit viel Engagement und Unterstützung der Bevölkerung das Schlimmste abzuwenden. Wir können uns jetzt konzentrieren auf die grossen Kernprobleme unserer Gesellschaft, die aber nicht zu unterschätzen sind.

MrGstaad: Welches waren aus deiner Sicht die drei wichtigsten Massnahmen, welche zur Stabilisierung geführt haben und warum?

Heinz Brand: Ein neuer Geschäftsführer (CEO) in der Person von Matthias in Albon, gesündere Finanzen, durch das mehr Vertrauen und Flexibilität, zudem neue und flachere Betriebsstrukturen mit neuen und nicht vorbelasteten Mitarbeitern.

MrGstaad: Der nächste Winter steht bevor, hast Du Bauchweh? Oder mit anderen Worten; was darf man von der BDG AG erwarten? Wird der Gast etwas davon merken?

Heinz Brand: Bauchweh kenne ich nicht. Für mich ist es sehr wichtig, dass wir wieder einmal einen echten Winter erhalten, das löst schon einige unserer Probleme. Unser Gast kann sicherlich diesen Winter verschiedene Änderungen feststellen. Wie z.B Lückenschluss der Beschneiung „Chalberhöni – Rossfälli“, vermutlich besser eingeschneite Pisten, da die Kapazitäten erhöht wurden, eine neue Piste auf dem Hornberg, um einen Flaschenhals oberhalb der Station zu eliminieren und ganz speziell wurde das Outfit in vier unserer Berghäuser realisiert. Kommt es schauen, es lohnt sich!

Warme Sonnenstrahlen und eine Zigarette

MrGstaad: Wenn wir 10 Jahre in die Zukunft schauen, wo steht der alpine Tourismus generell, wo steht die Destination Gstaad Saanenland?

Heinz Brand: Dies ist sehr schwierig zu beantworten, kämpfen wir doch gegen den Klimawandel der ganz klar merkbar ist und uns sicher fordern wird. Daher glaube ich, dass es an der Zeit ist, sich nicht nur auf den Winter zu konzentrieren, sondern auch die anderen Jahreszeiten zu entwickeln. Wir haben grosse Chancen uns zu entwickeln, sind wir doch für die Gesundheit auf einer idealen Meereshöhe, wir müssen es nur nutzen. Folgen wir diesen Voraussetzungen und wissen es umzusetzen, gehören wir auch in Zukunft zu den beliebten Destinationen.

MrGstaad: Welche Rolle spielt dabei eine Bergbahngesellschaft, bzw. die BDG AG?

Heinz Brand: Die Bergbahnen Destination Gstaad ist sicher ein ganz wichtiger Player in diesem Spiel, aber nicht der einzige. Bei der BDG bin ich überzeugt, dass wir, wenn wir es schaffen werden nach der Sanierung die Restrukturierung durchzusetzen, weiter mit öffentlichen Geldern (nur mit einem Leistungsauftrag) rechnen dürfen. Wenn die Anlagen und Infrastrukturen den Gästebedürfnissen entsprechen, identifiziert sich der Bürger wieder mit „seinen“ Bahnen und ist stolz auf sie. Dann haben wir unsere Hausaufgaben gemacht.

Diesem Ziel sehe ich mit Herausforderung und Freude entgegen. Lernen wir zu schätzen was wir haben und entwickeln es und trauern nicht immer den Nachteilen und dem Unmöglichen nach. Wir dürfen gut sein und es auch dementsprechend ausstrahlen! Ich glaube in zehn Jahren werden wir so gut wie heute sein, und wenn wir bereit sind daran zu schaffen, vielleicht noch eine Spur besser. Wir müssen selber daran glauben!

MrGstaad: Lieber Heinz, man merkt, Du hast Dich mit Leib und Seele dem Saanenland und den Bergbahnen verschrieben. Ich danke Dir für dieses Gespräch und wünsche Dir und deinem Team für die Zukunft alles Gute!

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Funi News



Funi, part three. Nachdem ich bereits 2013 und 2015 über unser Funi-Projekt berichtet habe, freut es mich umso mehr, dass ich nun ein drittes Mal darüber bloggen darf. Unser Funi hat seinen Bestimmungsort gefunden und scheint sich inmitten der phantastischen Zeitzeugen Schweizer Bergbahngeschichte pudelwohl zu fühlen.

Der Funi erstrahlt in neuem Glanz

Mit viel Herzblut und Können wurde der Funi von den Fachleuten des Verkehrshauses restauriert und anschliessend detailgenau in Szene gesetzt. Kaum zu glauben, wenn man zwei Jahre zurück blendet. Damals startete nämlich unsere Rettungsaktion. Mit viel gutem Willen und grossem Engagement verschiedener Beteiligten konnte das schier Unmögliche realisiert werden. Ein Stück Schweizer und Saaner Bergbahngeschichte erhält den Platz für die Nachwelt, welcher ihr zusteht. An dieser Stelle nochmals ein herzlichen Dank an alle, die sich für den Funi ins Zeug gelegt haben.

Der Funi tritt seine letzte Reise an

Die Schweiz hat für die Erschliessung der Alpenwelt und die Entwicklung des Bergtourismus seit jeher eine Pionierrolle eingenommen. Dem wird das Verkehrshaus mit der Ausstellung „Bergbahnoffensive“ nun gerecht und zeigt die Zeitzeugen der Bergtourismusgeschichte in einer sehenswerten Ausstellung. Gross und klein können die guten alten Zeiten aufleben lassen und sich mit Staunen in die damalige Technik hineinversetzen und dabei einen Hauch von Pioniertum erleben. Dass dabei auch unser preisgekrönter Imagefilm in der Endlosschlaufe läuft, ist eine angenehme Nebenerscheinung ;-)

Ben beim Schlittenfahren

Als Dank für die Imagewerbung fürs Saanenland bin auch ich versucht, einen werberischen Aufruf fürs Verkehrshaus zu machen. Pilgert nach Luzern und macht eine Stippvisite beim Funi und der Bergbahnoffensive. Die Schweiz hat verkehrsmässig seit jeher einen wichtigen Platz in Europa eingenommen. Dies wird im Verkehrshaus auf unterhaltsame und lehrreiche Art und Weise dokumentiert. Ein Familienausflug, bei dem alle was für sich mitnehmen können. Und besonders gut geeignet während dem Herbst, wenn die Hänge im Saanenland noch auf den Schnee warten.

Donnerstag, 8. September 2016

Alle Menschen werden Brüder – Alle? Brüder?

Was passiert wenn hochkarätige Vertreter des Judentums, des Christentums, des Islams sowie ein Philosoph zusammen mit MrGstaad an einem Tisch sitzen? Ganz einfach, alle reden munter und blitzgescheit drauf los, nur MrGstaad wird immer leiser und hört lieber interessiert zu. So geschehen letzten Freitag, am Vorabend der ersten Austragung des Forums für Glaube und Kultur. Ich hatte die Ehre und das Vergnügen mit den Teilnehmern des Podiums „Alle Menschen werden Brüder – Alle? Brüder?“ den Abend zu verbringen und sie mit einem Konzertbesuch ans „Gstaad Menuhin Festival“ sowie einem Nachtessen zu beglücken.
 
Die Teilnehmer am Podium
(Lamya Kaddor war kurzfristig verhindert und wurde durch Rabeya Müller ersetzt)
 
Das Forum für Glaube und Kultur bezweckt die Förderung des interreligiösen Dialogs. Das ambitionierte Ziel ist es, in ein paar Jahren eine Art „WEF der Religionen“ (Arbeitstitel) in Gstaad durchzuführen. Für diese Vision bzw. diese Zielsetzung wurde die Idee unlängst mit dem dritten Platz am Innovationspreis „Prix de Gessenay“ ausgezeichnet. Der Vereinsvorstand des Forums hat die Wachstumsstrategie in dem Sinne verabschiedet, dass man klein starten will und die Idee Schritt für Schritt weiterentwickeln möchte. Deshalb wurde im Menuhin-Jubiläumsjahr mit einem Pilotprojekt, dem besagten Podiumsgespräch, gestartet.

In meiner Funktion als Tourismusdirektor wurde ich schon relativ früh in den Prozess mit einbezogen. Ging es doch um Fragen wie „ist Gstaad als Standort überhaupt attraktiv genug“, bzw. „passt ein solcher Event überhaupt in den Region“, „entspricht ein solcher Event überhaupt den Gästebedürfnissen“, „oder „wo liegt denn der touristische Nutzen“. Viele dieser Fragen konnte ich von Beginn weg mit einem klaren Ja beantworten.
 
MrGstaad vor dem gespannten Publikum

Wo soll das Forum stattfinden, wenn nicht in Gstaad? Das Saanenland hat in seiner über hundertjährigen Tourismusgeschichte immer wieder grosse Humanisten, Philosophen oder Philanthropen zu Gast gehabt, wie bspw. Jiddu Krishnamurti oder natürlich Yehudi Menuhin. Sie alle spürten die Kraft, welche unsere Region versprüht und nutzten sie als Quelle der Inspiration für ihr Schaffen im Dienste der Menschheit. Ich bin überzeugt, dass diese Tradition weitergeführt werden muss. Die Welt droht aus den Fugen zu geraten und wir können einen bescheidenen Beitrag dazu leisten, dass dies nicht passiert, indem wir eine Plattform der Religions- und Kulturverständigung anbieten und befruchten.

Die Welt wird immer komplexer und dynamischer. Trotz oder vielleicht gerade wegen einem Überangebot an Informationen auf allen Kanälen wird der Mensch immer orientierungsloser. Im Urlaub möchte er dann entschleunigen und sich wiederfinden. Immer mehr Gäste wollen dies im Sinne einer Horizonterweiterung tun. Sie gehen auf Studienreisen, machen Bildhauerkurse oder besuchen Philosophie-Seminare, wie das bspw. Lech am Arlberg erfolgreich durchführt. Mit unserem Forum würden wir zwar noch eine touristische Nische besetzen, aber für die Zukunft einen touristischen Megatrend aufnehmen. 

Mit dem Forum wollen wir künftig ganz klar die Nebensaison beleben. Eine Tourismusregion kann es sich nicht mehr leisten, nur für ein paar Monate im Jahr, einen auf attraktive Destination zu machen. Das wirkt zu aufgesetzt, zu unecht und entspricht in keinster Weise einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Region.
 
Engagierte Podiumsteilnehmer
 
Alle Menschen werden Brüder – alle? Können die Religionen in Sachen Völkerverständigung überhaupt ihren konstruktiven Beitrag leisten? Besteht in der brüderlichen Beziehung nicht der grosse Widerspruch per se? Wir sollen alle Brüder werden? Gründen nicht sämtliche Kriege, sämtliches Leid letzten Endes auf einem urbrüderlichen Zwist? Diese und einige Fragen mehr diskutierten unsere Gäste unter der Leitung von Dr. Norbert Bischofberger, bekannt aus der Sendung Sternstunden, des Schweizer Fernsehens am vergangenen Samstag. Das Zuschaueraufkommen war überwältigend hoch und die Feedbacks im Anschluss der Veranstaltung überdurchschnittlich positiv. So wurde ich auf meinem Weg vom Festivalzelt zurück zur „Gstaad Züglete“ mindestens fünfmal auf das Podiumsgespräch angesprochen. Allesamt positiv und hoffend auf eine Fortsetzung. Es scheint, als hätte man einem Gästebedürfnis mitten aus dem Herz entsprochen. Ich komme deshalb zum Schluss, dass das Forum für Glaube und Kultur seine Feuertaufe bestanden hat.

Nachfolgend ein paar Highlight-Zitate (nicht namentlich zugeordnet) aus der Podiumsdiskussion. Die hochinteressante Diskussion dauerte mit Fragen aus einem engagierten Publikum rund 90 Minuten. Der Moderator und meine Wenigkeit haben das Ende gesetzt, sonst würden wir wahrscheinlich jetzt noch im Festivalzelt debattieren. Wir blicken deshalb schon gespannt in die Zukunft und freuen uns auf eine nächste Ausgabe des Forums.

- „Hier sitzt eine gesprächsbereite Runde. Die Extremisten aus allen Religionen sind nicht gesprächsbereit.“
 - „Die Konzentration der Gläubigen auf das jeweils innere Wertesystem führt auf Dauer zu Abgrenzung gegen aussen – eine Art Gottesvergiftung.“
 - „Es braucht eine innerreligiöse Überprüfung traditionalistischer Vorstellungen und eine Entschlackungskur. Die Religionen haben Fett angesetzt, das nicht zu ihnen gehört.“
- „Jesus, Mohamed und die anderen Propheten waren auch nur Kinder ihrer Zeit. Wir müssen deshalb die überlieferten Texte immer wieder neu lesen, hören und interpretieren. Dies im Sinne einer fortlaufenden Offenbarung.“
- „Es gibt in den grossen Religionen sowohl Faschismus als auch Humanismus. Die Verdrängung des liberalen Gedankenguts führt zwangsläufig zu Extremismus.“
- „Die Diskussion um ein Burka-Verbot löst nur ein Stellvertreter-Krieg aus. Diese Diskussion nützt nicht, sie ist kontraproduktiv. Vielmehr sollte man den islamischen Frauen die Mittel an die Hand geben und sie bestärken, eine eigenbestimmte Wahl treffen zu können.“
- „Eine textilfreie Zone im Gesicht ist ein Grundwert und keine Glaubensfrage.“
- „Extremistische Präsenz in den Medien schafft Zurückweisung – dies führt dazu, dass sich die Betroffenen mit Ablehnung konfrontiert sehen. Diese Ablehnung bewirkt neue Abgrenzung und Extremismus. Unsere Aufgabe ist es, gerade die jungen Islam-Anhänger darin zu schulen, dass dieses extremistische Denken nicht mit dem Koran vereinbar ist.“

Mittwoch, 31. August 2016

Im Gespräch mit...


Andreas Wandfluh, dem Geschäftsführer der Gstaad Marketing GmbH.

Letzte Woche wurde sie von den beteiligten Anspruchsgruppen feierlich unterzeichnet, die neue touristische Destinationsstrategie. Einerseits soll diese Strategie die Leitplanken für alle Anspruchsgruppen und Leistungsträger vorgeben, andererseits wird sie auch die Vorlage für die unternehmerische Tätigkeit der neuen Destinationsmarketing-Gesellschaft sein. Andreas Wandfluh wusste dies bereits schon vor seiner Anstellung, hat aber trotzdem zugesagt. Ein gutes Zeichen. Das nachfolgende Kaffeegespräch auf der Terrasse vom Haus des Gastes an der Promenade 41 in Gstaad beleuchtet zwei, drei Grundsatzfragen rund um die neue Marketing-Organisation.

MrGstaad: letzte Woche wurde in Saanen die touristische Destinationsstrategie verabschiedet. Wie hast Du den Abend erlebt?

Andreas Wandfluh: Die Destinationsstrategie wurde in würdigem Rahmen von den wichtigen Leistungsträgern der Destination unterschrieben. Der positive Grundtenor unter den involvierten Parteien der Strategie und auch der neu gegründeten Marketinggesellschaft gegenüber erfreute mich enorm. Die betroffenen Personen sind sich gemäss zahlreichen persönlichen Gesprächen bewusst, dass mit der touristischen Destinationsstrategie ein Rahmen gelegt wurde, um GEMEINSAM die Destination weiterzubringen.

MrGstaad: Mit der touristischen Destinationsstrategie wurden auch sogleich die Leitplanken für die Gstaad Marketing GmbH festgelegt. Schränkt dies deine unternehmerische Freiheit nicht zu sehr ein?

Andreas Wandfluh: Nein im Gegenteil, die touristische Destinationsstrategie hilft mir, das Marketing stimmig für die Leistungsträger und die Werte der Region voranzutreiben. Wenn dies mit Marktentwicklungen bzw. unternehmerischer Effektivität und Effizienz im Konflikt steht, sehe ich mich in der Pflicht, die Strategie kritisch zu hinterfragen und mit meinen Chefs zu besprechen.

MrGstaad: À propos Chef, wer ist eigentlich dein Chef?

Andreas Wandfluh: Mit Matthias In-Albon und Martin Bachofner verfüge ich über zwei Chefs, die mich in meiner Funktion begleiten, mit ihrer Erfahrung und ihrem Know-how unterstützen aber natürlich auch „challengen“.

Ein guter Espresso und gute Antworten

MrGstaad: Du hast deine Tätigkeit am 1.7.2016 aufgenommen. Die neue Gesellschaft wird aber erst am 1.11.2016 operativ tätig. Was hast Du bis jetzt eigentlich gemacht?

Andreas Wandfluh: Meine aktuell grösste Aufgabe besteht in der personellen und strukturellen Aufstellung der neuen Marketinggesellschaft. Im laufenden Jahr fanden zahlreiche personelle Rochaden im Marketing des GST und der BDG statt. So gehörten und gehören die Zusammenstellung meines Teams, die Definition der Aufbauorganisation (Organigramm), das Aufgleisen der Übernahme von Tätigkeitsfeldern aus BDG und GST Marketing sowie die Kommunikation mit verschiedenen Anspruchsgruppen zu meinen grössten Aufgaben.

MrGstaad: Wo wird die neue Gesellschaft Akzente setzen? Was wird sich im Destinationsmarketing ändern?

Andreas Wandfluh: Wir werden einen verstärkten Fokus auf das Produktmanagement legen. Die Neu- und Weiterentwicklung des Angebots touristischer Produkte ist zentrale Aufgabe des Marketing-Unternehmens. Insbesondere bei den Bergerlebnissen besteht durch die Integration der BDG Potenzial. Weiter ist unser Ziel, dank der gemeinsamen Strategie als Destination ganzheitlicher am Markt aufzutreten und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Leistungsträgern im Bereich Marketing zu fördern.

MrGstaad: Hat dies nicht der GST bis jetzt auch gemacht?

Andreas Wandfluh: Gstaad ist bereits jetzt eine ausgezeichnet positionierte Marke und der GST verfügte über ein gut funktionierendes Marketing-Team. Von daher ist die Ausgangslage für die neue Gesellschaft erfreulich. Die Bündelung der Mittel gemeinsam mit der BDG gibt dem neuen Unternehmen mehr Handlungsspielraum, was aufgrund der anspruchsvollen Entwicklungen im Tourismus auch dringend notwendig ist.

MrGstaad: Alter Wein in neuen Schläuchen ist man versucht zu sagen. Warum hat man die Gesellschaft überhaupt gegründet?

Andreas Wandfluh: Weil ein Zusammenrücken wichtiger Player im heutigen Marktumfeld unumgänglich ist und mit der Gesellschaft gewichtige Synergien geschaffen werden können. Dies vereinfacht das einheitliche, fokussierte Auftreten auf dem Markt und bringt einen verbesserten Einsatz von finanziellen und personellen Ressourcen.

MrGstaad: Wie rechtfertigen sich allfällige höhere Finanzierungsbeiträge seitens der öffentlichen Hand (ein entsprechender Antrag kommt voraussichtlich im Dezember 2016 vors Volk)?

Andreas Wandfluh: Wie bereits angetönt bleibt die Lage auch in den kommenden Jahren im Tourismus und in den vom Tourismus beeinflussten Branchen anspruchsvoll. Mit dem zeitlich begrenzten Marketingpush konnte der GST nachweislich aufzeigen, dass ein erhöhter Mitteleinsatz direkte positive Auswirkungen auf die Wertschöpfung in der Region hat. Die Destinationsstrategie fordert richtigerweise Weiterentwicklungen im Produktbereich und in der Marktbearbeitung. Um diese Ziele nachhaltig zu erreichen, ist die Schaffung eines angemessenen finanziellen Rahmens von grosser Bedeutung.

Lieber Andreas, herzlichen Dank für das Gespräch. Der Kaffee schmeckte ausgezeichnet und deine Antworten waren informativ und prägnant. Weiter so und viel Freude und Erfolg in deiner Tätigkeit für die (führende) Genussdestination im Alpenbogen!

Herzlichen Dank für Ihre Kommentare zu gelesenen Artikeln!